Stand: 10.01.2018 13:30 Uhr

Neuer Woody-Allen-Film mit Kate Winslet

Wonder Wheel
, Regie: Woody Allen
Vorgestellt von Katja Nicodemus

82 Jahre alt ist Woody Allen im vergangenen Dezember geworden. Kein Zweifel: Der Mann hat Kinogeschichte geschrieben, Meisterwerke abgeliefert - und in den letzten Jahren aber auch einige Filme gedreht, die man als Nebenwerke bezeichnen könnte.

Einen Hang zur Nostalgie hatte er schon immer und sein neuer Film spielt an einem nostalgischen Ort par excellence: in Coney Island, an der Küste vor New York, berühmt für seine Vergnügungsparks. Hier, inmitten der 50er-Jahre, zwischen Riesenrädern, Geisterbahnen und Hotdog-Buden, entfaltet Woody Allen einen Reigen der Sehnsüchte. "Wonder Wheel" ist eine bittere Komödie, getaucht ins warme Licht eines Spätsommertages.

Eine leidenschaftliche Affäre

Einen ersten Überblick verschafft uns der Bademeister auf seinem Hochsitz. Justin Timberlake spielt diesen Literaturstudenten, der seinen Job für die Jagd auf Frauen nutzt, als eine Mischung aus Schönling, Egoist und Windbeutel.

Wieder stellt Allen in seinem Film eine tragische Frauenfigur in den Mittelpunkt: Ginny, frühere Varieté-Darstellerin, jetzt Bedienung in einem Fischrestaurant. Kate Winslet verleiht dieser Frau, die sich verblühter fühlt, als sie aussieht, einen Hauch von "Endstation Sehnsucht".

Verheiratet ist Ginny mit Humpty, dem Kartenabreißer am Riesenrad, gespielt von James Belushi. Woody Allen zeichnet ihn als eine wahre Proletenkarikatur. Als schmierigen Unterhemdenträger, dessen Horizont nicht weiter reicht als der Pier, auf dem Humpty mit seinen Kumpels angeln geht.

Es ist nicht sonderlich überraschend, dass Ginny eine leidenschaftliche Affäre mit dem gutaussehenden Bademeister beginnt. Alles könnte friedlich so weitergehen, im sanften Wellenschlag von Betrug, Arbeit, Arrangement und Lüge - doch dann taucht Humptys Tochter aus erster Ehe auf.

Vor der Mafia untertauchen

Carolina hat sich von ihrem Mann, einem Mafioso, getrennt und wird nun von dessen Gangsterkumpanen gejagt, weil sie zu viel weiß. Wo könnte man besser untertauchen als im Gewühl und in der Anonymität des Jahrmarkts, den jedes Wochenende Zehntausende von New Yorkern besuchen, um dem Druck der Metropole zu entfliehen.

Als die etwas naive Carolina ebenfalls einen Flirt mit dem Bademeister beginnt, entsteht die fatale Dynamik eines Liebesdreiecks. Ginny lässt ihre Eifersucht an der nichtsahnenden Stieftochter aus.

In "Wonder Wheel" feiert Woody Allen in satten Farben das New York seiner Kindheit, das er bereits in Filmen wie "Radio Days" und "Sweet and Lowdown" verewigt hat. Sein Kameramann ist der legendäre Vittorio Storaro, der bereits Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now" fotografiert hat.

Routinierte und empathielose Inszenierung

Doch trotz des glamourösen Looks wirkt der neue Film seltsam matt und bieder. Das liegt zum einen am Drehbuch, das eher routiniert mit dem vertrauten Allen-Motiv der kleinbürgerlichen Flucht spielt. Zum anderen an Woody Allens empathielosem, geradezu desinteressiertem Blick auf seine Figuren.

Bewegend ist allein Kate Winslets Darstellung einer Frau, die sich in ihrem ereignislosen Leben nach der Melodramatik des Kinos sehnt. Etwa wenn sie ihrem Liebhaber eine Angeber-Uhr schenkt.

"Wonder Wheel" ist Woody Allens 48. Film. Bisher hat er fast wie ein Uhrwerk jedes Jahr einen Film gedreht. Natürlich muss sich ein solcher Altmeister nicht jedes Mal neu erfinden, doch könnte nun der Zeitpunkt gekommen sein, an dem - wie man so sagt - die Luft raus ist.

Wonder Wheel

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Kate Winslet, James Belushi, Justin Timberlake
Regie:
Woody Allen
Länge:
101 min
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
11. Januar 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 11.01.2018 | 07:20 Uhr

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