Stand: 17.04.2020 15:13 Uhr  - NDR Kultur

David Kross: Vom "Vorleser" zum Makler in "Betonrausch"

von Stefanie Grossmann, NDR.de

Im Netflix-Film "Betonrausch" spielt David Kross einen Immobilienmakler, der innerhalb kürzester Zeit sehr reich und durch den Erfolg größenwahnsinnig wird. Eine ungewöhnliche Rolle für den Schauspieler, der selbst ein bodenständiger Familienmensch ist. Ein Porträt des Schauspielers, der in Bargteheide bei Hamburg aufgewachsen ist.

Obwohl er Anfang Juli 2020 bereits 30 Jahre alt wird, wirkt David Kross wegen seiner jungenhaften Ausstrahlung fast ein wenig unscheinbar - wie jemand, der im Vorbeigehen leicht übersehen wird. Dadurch verkörpert er so gar nicht den typischen Hollywood-Beau wie beispielsweise ein Robert Pattinson. Doch sein intensives Spiel hat Regisseure wie Steven Spielberg und Stephen Daldry beeindruckt. Deshalb ist der Schleswig-Holsteiner in Hollywoods Glitzerwelt schon in die Phalanx der Großen vorgerückt und hat im internationalen Filmgeschäft deutliche Spuren hinterlassen. "Genau diese unfertige Mischung aus Schulbub und Filmstar, Landei und Jetsetter wirkt entwaffnend sympathisch", schreibt der "Stern".

2009 für "Der Vorleser" als Nachwuchsstar gefeiert

Besonders beeindruckt Kross in seiner Rolle im Blockbuster "Der Vorleser" nach dem Weltbestseller von Bernhard Schlink. Darin verkörpert der damals 18-Jährige den Schüler Michael Berg, der sich in eine mehr als doppelt so alte Straßenbahnschaffnerin und ehemalige KZ-Wärterin verliebt, die von Kate Winslet gespielt wird. Das Pikante an Stephen Daldrys Film ist nicht nur der schwierige Stoff, sondern auch die vielen Sexszenen. Dem "Stern" berichtete er über seine "Hemmungen" im Vorfeld des Drehs, doch die britische Aktrice habe ihm die nötige Sicherheit gegeben. Winslet bekommt für ihre Rolle einen Oscar und Kross wird im Premierenjahr des Films auf der Berlinale 2009 mit der Auszeichnung "Shooting-Star" gefeiert. Beim Filmfest Cannes erhält er im gleichen Jahr die Trophée Chopard, einen Preis für Nachwuchsschauspieler.

Entdeckt von Detlev Buck

Bild vergrößern
In "Krabat" brilliert David Kross neben Schauspielern wie Christian Redl.

Entscheidenden Anteil an David Kross' Karriere hat Produzent Detlev Buck, der ebenfalls im beschaulichen Bargteheide wohnt. Dessen Tochter Bernadette macht den Regisseur auf den 15-jährigen Schüler aufmerksam, der damals schon in kleineren TV-Rollen und in einer Laiengruppe Theater spielt. Buck findet in dem Teenager die Idealbesetzung für die Hauptrolle in seinem Großstadt-Drama "Knallhart". Schon damals begeistert Kross die Kritiker mit seinem eindringlichen Spiel. Es folgen hochkarätige Rollen wie die des Müllerburschen "Krabat" nach dem bekannten Jugendbuch von Otfried Preußler. Immer wieder besetzt ihn sein Entdecker Buck - zunächst im Kinderfilm "Hände weg von Mississippi", dann in "Same same but different" im Jahr 2009. Die Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann, gespielt von Kross, und einer HIV-positiven Kambodschanerin basiert auf dem autobiografischen Roman von Benjamin Prüfer.

Zusammenarbeit mit Steven Spielberg in "Gefährten"

2011 engagiert ihn Steven Spielberg für das Kriegsdrama "Gefährten". Darin spielt er einen jungen Soldaten, der im Ersten Weltkrieg mit einem Pferd Fahnenflucht begeht. 2012 ist er in "Die Vermessung der Welt" nach dem Bestseller von Daniel Kehlmann zu sehen - wieder unter der Regie von Detlev Buck. Ein weiteres Projekt ist "Boy 7" von Regisseur Özgür Yıldırım. Erstmals ist Kross darin in einem Thriller zu sehen. Er mimt einen 18-Jährigen, der in einem U-Bahn-Tunnel aufwacht - und sich an nichts erinnern kann. Verzweifelt sucht er nach Hinweisen auf seine Vergangenheit. Dabei wird ihm klar, dass er in Lebensgefahr schwebt. Der Film kam im August 2015 in die Kinos.

Bayerischer Filmpreis für "Simpel"

Bild vergrößern
Markus Gollers Hamburg-Drama "Simpel" feiert 2018 Deutschlandpremiere auf dem Filmfest Hamburg mit den Hauptdarstellern Frederick Lau (links), David Kross (2. v. links) und Emilia Schüle

Kross spielt weiter vornehmlich fürs Kino. Etwa für die Literaturverfilmung "Rico Oscar und die Tieferschatten" und die Fortsetzung "Rico, Oscar und der Diebstahlstein". Für seine bewegende Rolle als behinderter Jugendlicher in Markus Gollers Drama "Simpel" erhält er gemeinsam mit seinem Filmbruder Frederick Lau 2018 den Bayerischen Filmpreis als bester Schauspieler. 2019 verkörpert er eine Fußballlegende, den deutschen Torhüter Bert Trautmann. Das Historiendrama "Trautmann" von Marcus H. Rosenmüller erzählt, wie der deutsche Keeper es im Nachkriegsengland schafft, zum Idol der englischen Fußballfans beim Verein Manchester City zu werden. 2020 spielt er für den Netflix-Film "Betonrausch" - erneut an der Seite von Lau - einen Immobilienmakler, der innerhalb kürzester Zeit sehr reich wird. An der Rolle habe ihn gereizt, "dass diese Figur einfach etwas komplett anderes ist, als was ich bis jetzt gespielt habe", so Kross im Gespräch mit NDR Kultur.

Aufgewachsen mit drei Geschwistern

Bild vergrößern
Als "Shooting-Star" bekommt David Kross 2010 den österreichischen Fernsehpreis "Romy".

Trotz all des Erfolges erdet David Kross seine norddeutsche Herkunft. In Bargteheide bei Hamburg wächst er mit zwei Brüdern und einer Schwester auf und besucht dort das Gymnasium. Wegen seiner zahlreichen Engagements bricht Kross die Schule nach der mittleren Reife ab, auch ein Schauspielstudium in London beendet er 2009 nach drei Monaten wieder. Für seine Geschwister ist er trotz seines Erfolge immer noch der kleine oder große Bruder. "Das hilft mir, auf dem Teppich zu bleiben und einen normalen Alltag zu haben", erzählt er dem "Stern". Heute lebt David Kross in Berlin. Nach all den ernsten Stoffen hegt der Schauspieler noch einen Wunsch: Er hätte mal Lust auf eine Komödie. Möge dieser Wunsch, wie seine atemberaubende Karriere, in Erfüllung gehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 17.04.2020 | 09:20 Uhr

Mehr Kultur

56:30
NDR Kultur
05:59
Landpartie - Im Norden unterwegs

Quiz: Der Künstler Cyrus Overbeck

Landpartie - Im Norden unterwegs