Stand: 16.05.2019 15:55 Uhr

Bares war gestern

In Deutschland greifen immer mehr Kunden beim Bezahlen zur EC- oder Kreditkarte. Bargeld jedoch bleibt wichtig und wird es noch lange sein. In Schweden ist das ganz anders. Dort soll das Bargeld bald gänzlich von der Bildfläche verschwunden sein. Ein Ziel, das schon fast erreicht ist.

Eine Glosse von Udo Schmidt, NDR Info

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Ein Softeis mit der EC-Karte bezahlen, das ist in Schweden völlig normal.

Die Sonne scheint, es ist warm, sie gehen an einen kleinen Softeis-Stand und bestellen sich eine mittelgroße Portion. Als sie das Eis für drei Euro mit Bargeld bezahlen wollen, schaut sie der Eisverkäufer an, als fürchte er um ihren Geisteszustand. Bargeld, schmutzig Scheine, Teufelswerk drückt sein Blick aus. Also zücken sie wie bereits alle anderen vor ihnen die Kreditkarte. Eine Tüte Eis mit der Kreditkarte bezahlt. Das kann nicht Deutschland sein. Ist es auch nicht: Der spektakuläre Eiskauf hat in Schweden stattgefunden, am Strandvägan, der wunderschönen und sündhaft teuren Promeniermeile in Schwedens Hauptstadt Stockholm.

Wer dort, wie in ganz Schweden mit Bargeld bezahlt, kommt aus einer anderen Welt und bedarf besonderer Fürsorge oder ist deutscher Tourist. Einer aus dem Land also, in dem es in guten Restaurants gerne einmal heißt "Cash Only". Manchmal steht das schon zur Abschreckung an der Tür zum Gourmet-Tempel, manchmal erfährt man dieses nicht unwichtige Detail erst beim Bezahlen, wenn die Rechnung über vielleicht zweihundert Euro auf dem Tisch liegt. Es handelt sich schließlich um ein sehr schickes Restaurant und "Cash Only‘" nur Bares also, ist ganz besonders schick.

Eine Frau hält ein offenes Portemonnaie in den Händen. © Fotolia.com Foto: Peter Atkins

Bargeldlos durch Schweden

NDR Info - Auf ein Wort -

In Schweden soll das Bargeld bald gänzlich von der Bildfläche verschwunden sein. Ein Ziel, das schon fast erreicht ist, meint Udo Schmidt und bittet auf ein Wort.

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Die Geldscheine bleiben in der Tasche

Zu glauben, dass ein Softeis bar bezahlt werden kann, ist da naheliegend. Im modernen Schweden aber falsch. "No Cash" heißt es da gerne wiederum in schicken Bars. Und wer dann viele bunte Kronen-Scheine in der Tasche hat, darf diese gerne wieder mitnehmen und bei der Rückreise ins rückständige Deutschland zurücktauschen.

Und wenn sich eine nette Schwedin hinter dem Verkaufstresen hat erweichen lassen, doch einen zweihundert Kronen-Schein anzunehmen, umgerechnet mal gerade zwanzig Euro, dann fehlt mit Sicherheit das Wechselgeld in der Kasse, aus der nach Öffnen der Geldschublade ausschließlich ein paar halb verhungerte Fliegen aufsteigen und sich des Restlebens freuen.

Ein Girokonto für Dreijährige

Während in Deutschland Eltern ihren Kindern die paar Münzen wöchentliches Taschengeld wie schon zu Omas Zeiten in die Zigarrenkiste legen und damit den Umgang mit Bargeld lehren, schiebt die schwedische Mutti oder auch der Vati die Kohle für den Nachwuchs per Smartcard oder iPhone App auf das kostengünstige Girokonto der Dreijährigen, bei einem Kreditinstitut norddeutscher Herkunft übrigens Mäusekonto genannt. Worüber man einmal nachdenken muss. Ein Mäusekonto, was ist das denn? Sind da Löcher reingefressen? Bekommen die kleinen Mäuse ihre wenigen Mäuse auf das Mäusekonto? Immerhin: Es ist ein Schritt in Richtung Schweden.

Über den Schweden allerdings gönnerhaft lächelt, wie früher die Kolonialbeamten über ihre afrikanischen Untertanen, wenn diese endlich gelernt hatten, in der Buchhaltung das große Hauptbuch an der richtigen Stelle aufzuschlagen und mit dem Füllfederhalter die Umsätze des Tages einzutragen. Oder so ähnlich.

Ein Softeis mit der Kreditkarte bezahlen. Oder auch nur eine Lakritz-Schnecke, die Schweden haben ja besonders leckere Lakritz-Kreationen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 16.05.2019 | 18:25 Uhr

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