Kate Winslet (links) und Soairse Ronan (rechts) in einer Szene des Films "Ammonite".

"Ammonite": Liebesdrama mit Kate Winslet und Saoirse Ronan

Stand: 04.11.2021 17:50 Uhr

Mit seinem Film "God's Own Country" lieferte der Regisseur Francis Lee 2017 die britische Antwort auf "Brokeback Mountain". Auch in seinem neuen Romantik-Drama "Ammonite" geht es um gleichgeschlechtliche Liebe.

Kate Winslet (links) und Soairse Ronan (rechts) in einer Szene des Films "Ammonite".
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von Bettina Peulecke

Die von Oscarpreisträgerin Kate Winslet gespielte Mary Anning gab es wirklich. Ob sie Frauen liebte oder überhaupt irgendeine Beziehung führte, ist nicht nicht belegt. Sie lebte ledig zusammen mit ihrer Mutter im Örtchen Lyme an der rauen englischen Südküste.

Und so schroff wie die Landschaft um sie herum, so schroff und unzugänglich wird sie auch als Person dargestellt. Was kein Wunder ist, denn die Fossiliensammlerin und leidenschaftliche Paläontologin wurde vom durchweg männlichen Wissenschaftsestablishment wegen ihres Geschlechts und ihrer mangelnden Ausbildung kaum anerkannt. Heute gilt sie als Pionierin ihres Faches, ihr Leben verbrachte sie jedoch in Armut.

"Ammonite": Liebe zwischen zwei Frauen im 19. Jahrhundert

Mary kümmert sich um ihre kranke Mutter und betreibt einen schäbigen Laden, in dem sie perfekt restaurierte Urzeit-Fossilen, die sie am Strand gefunden hat, an Touristen verkauft. Darunter die Filmtitel gebenden Ammoniten. Als der wohlhabende Geologe Mr. Murchison Mary aufsucht, bezahlt er sie nicht nur für eine gemeinsame Exkursion, er bittet sie auch, sich um seine Gattin Charlotte zu kümmern:

"Meine Frau. Es ging ihr in letzter Zeit nicht gut. Sie leidet an einer schweren Melancholie. Ich möchte Sie bitten, dass sie Sie begleiten darf. Um von ihnen zu lernen."
"Ich brauche aber keinen Lehrling."
"Für diesen Aufwand würde ich sie angemessen entschädigen." Dialog aus "Ammonite"

Mary braucht das Geld - also sagt sie zu. Während Mr. Murchison unbeschwert Europa bereist, sind diese zwei so unterschiedlichen Frauen zum Zusammensein gezwungen. Mary ist arm, Charlotte reich. Die eine introvertiert und vom Leben gezeichnet, die andere sozial aufgeschlossen und von jugendlicher Unbedarftheit. Und ihr erster gemeinsamer Strandbesuch deutet nicht einmal ansatzweise auf den Beginn einer Romanze:

"Sollten Sie das nicht ausgraben? So was machen Sie doch. Mein Mann sagte mir, dass Sie mir das zeigen würden."
"Ich sag' Ihnen was, ich wollte Sie hier nicht. Ihr Mann hat mir Geld dafür gezahlt das ich Sie mitnehme. Es ist mir egal, ob es Ihnen hier gefällt oder nicht." Dialog aus "Ammonite"

Kate Winslet und Saoirse Ronan: Nuancenreiches Schauspiel

Dann aber erkrankt Charlotte, bekommt hohes Fieber und Mary kümmert sich hingebungsvoll. Denn in ihrem Inneren ist Mary keineswegs genauso karg und schroff wie die sie umgebende Küstenlandschaft, die in einer beeindruckenden Abstufung an Grautönen abgelichtet ist. Marys Abwehrhaltung weicht langsam aber sicher. Immer mehr offenbaren ihre Blicke - von abweisend und verunsichert über neugierig bis qualvoll begehrend - das sich verändernde Verhältnis zu Charlotte.

Kate Winslet als Mary dürfte mit einer erneuten Oscarnominierung rechnen. Aber auch Saoirse Ronan als Charlotte liefert ein meisterhaft-nuancenreiches Spiel. Sie trägt ihre aufwallenden Gefühle von Anfang an offener zur Schau und beginnt sich ernsthaft auch für Marys Arbeit zu interessieren.

"Was ist es?"
"Hier, das ist eine Reihe kleiner Wirbel. Und hier an der flacheren Stelle sind die Rippen normalerweise."
"Und das ist gut?"
"Das wäre sehr gut." Dialog aus Ammonite

"Ammonite": Überzeugendes Kino

Es entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die ein jähes Ende erfährt, als Mr. Murchison zurückkehrt und seine Gattin zurück nach London holt. Aber dort sehen sich Mary und Charlotte wieder - und es eröffnet sich ein weitere, unerwartete Perspektive:

"Ich möchte nicht mehr in das Leben zurückkehren, das ich vor dir hatte." "Was ist mit meinem Leben?" Dialog aus "Ammonite"

So spröde der Anfang, so emotional überwältigend ist das Ende von "Ammonite", das hier natürlich nicht verraten werden soll. Aber ob die beiden eine Zukunft haben oder nicht, ist letztlich auch nicht ausschlaggebend für dieses überzeugende, starke Stück Kino mit zwei umwerfend agierenden Schauspielerinnen.

Ammonite

Genre:
Romantik-Drama
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Vereintes Königreich
Regie:
Francis Lee
Länge:
118 min
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
3. November 2021

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 03.11.2021 | 06:40 Uhr

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