Drei Schauspieler stehen auf der Bühne vor einem Orchester und Chor © Theater Lüneburg/ joeigraphie Foto: joeigraphie
Drei Schauspieler stehen auf der Bühne vor einem Orchester und Chor © Theater Lüneburg/ joeigraphie Foto: joeigraphie
Drei Schauspieler stehen auf der Bühne vor einem Orchester und Chor © Theater Lüneburg/ joeigraphie Foto: joeigraphie
AUDIO: "Stadtsinfonie": Theater Lüneburg auf Heldinnen- und Heldensuche (3 Min)

"Stadtsinfonie": Theater Lüneburg auf Heldinnen- und Heldensuche

Stand: 27.04.2023 08:36 Uhr

Für jede und jeden ist ein Held etwas Anderes. Der Regisseur Michael Uhl wollte es genau wissen und hat mit seinem Team Lüneburger Bürgerinnen und Bürger dazu befragt. Aus den Antworten ist ein Theaterabend mit Textfragmenten und Musik geworden.

von Katrin Schwier

"Unsere Eltern mussten einfach durch die Entbehrungen durch, das war die Zeit damals. Vielleicht war es gar nicht heldenhaft, weil es normal war. Erzählen diese Heldengeschichten eher etwas über uns, als über die Menschen damals?" Zitat aus "Stadtsinfonie"

Es geht um Helden beim Theaterabend mit dem Titel "Stadtsinfonie". Drei Schauspielerinnen und Schauspieler des Theater Lüneburg präsentieren Texte zu dem Thema. Die Ideen dazu kommen von Menschen aus Lüneburg: Rund 30 Bürgerinnen und Bürger haben ihre Gedanken über Heldinnen und Helden mit dem Regisseur Michael Uhl geteilt. Eine von ihnen ist Angelika Zuber. Für die 63-Jährige ist ihre Mutter eine Heldin: "Sie ist aus Böhmen geflohen, war in russischer Gefangenschaft. Mein Vater ist früh gestorben. Sie hat viel erlebt, hat uns viel mitgegeben und hat nicht darüber gesprochen. Ich habe noch viele Fragen, die ich ihr gerne stellen würde. Sie ist 2010 gestorben."

Persönliche Heldinnen- und Heldengeschichten aus Lüneburg

Angelika Zuber ist doppelt an diesem Theaterabend beteiligt. Sie hat ihre persönliche Geschichte erzählt und sie singt mit in einem der beiden mitwirkenden Chöre. Für Zuber hat das eine große Bedeutung: "Es ist für mich eine Art, ihr noch einmal meine Dankbarkeit und Anerkennung zu zeigen, was ich als Tochter nicht so konnte. Im Nachhinein sehe ich die Sachen anders, bewundere jetzt meine Mutter für viele Sachen."

Die Lüneburgerinnen Maria Jürgens und Gabriele Reichel haben ganz anderen Gedanken zum Thema Helden beigesteuert: "In der Nazizeit war ein Held etwas Anderes als heute. Ich habe einen Nazigroßvater, der ist für mich bestimmt kein Held - damals wäre er einer gewesen." Und: "Flüchtige sind für mich Helden - weil sie das überlebt haben."

"Stadtsinfonie" sucht keine Antworten

Was ein Held ist und was nicht - darauf liefert der Theaterabend keine allgemeingültige Definition. Das sei auch nicht das Ziel, sagt Regisseur Michael Uhl: "Es ist ein Abtasten zu dem, dass jede Zeit ihre eigenen Heldinnen und Helden schafft. Wen bezeichnet man warum als Helden? Da gibt es keine abschließende Antwort. Es ist eine Auseinandersetzung damit, was wir heldenhaft finden, was wir überhaupt nicht heldenhaft finden."

Weitere Informationen
Die roten Sitze in einem Kino- oder Theatersaal. © Photocase Foto: kallejipp

Nach Corona: Theater blicken sorgenvoll in die Zukunft

Die Theater in Lüneburg, Stade und im Wendland müssen sparen. Ein Faktor sind die derzeit hohen Heizkosten. mehr

Zwei Laienchöre im Theater Lüneburg

Die Texte sind eng verwoben mit Musik. Zwei Laienchöre präsentieren Songs, die in irgendeiner Weise mit dem Thema "Helden" zusammenhängen: "Wir gehen einmal quer durch den Garten: Wir haben 'Rheingold' drin, Wagner, Liszt, Mozart", sagt Regisseur Michael Uhl. 70 Sängerinnen und Sänger stehen auf der Bühne. Alles Laien. Der vielstimmige Chor entwickelt eine besondere Kraft.

Auch für die Sängerinnen und Sänger ist das ein außergewöhnliches Erlebnis, sagt Chormitglied Annika Ziebel: "Musik erreicht ganz viele Leute. Vielleicht können wir über die Musik das Thema an die Leute herantragen, dass sich jeder als Held fühlen darf. Ich finde, jeder hat die Möglichkeit, ein Held zu sein, mit der kleinsten Tat. Vielleicht sind das nur aufmunternde Worte für jemanden, der sich traurig fühlt. Das transportieren zu dürfen und das mit den Stimmen der beiden Chöre im Theater Lüneburg, finde ich eine ganz große Erfahrung."

Weitere Informationen
Zwei Frauen sitzen auf dem Boden und schauen sich an, ein Mann steht daneben © Theater Lüneburg / Jochen Quast Foto: Jochen Quast

Premiere von "Vögel" in Lüneburg: Endloser Applaus und Raum für Diskussion

Nach den Antisemitismusvorwürfen gegen Wajdi Mouawads "Vögel" am Metropoltheater in München feierte "Vögel" gestern erstmals seit dem Eklat wieder Premiere. mehr

Regisseur Gregor Müller (l.) und Dramaturg Friedrich von Mansberg (r.) © NDR Foto: Katrin Schwier

Wie das Theater Lüneburg Menschen mit Behinderung ins Haus bringt

Das Theater Lüneburg hat eine Kooperation mit der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg gestartet, um Menschen mit Behinderung den Theaterbesuch zu ermöglichen. mehr

"Stadtsinfonie": Theater Lüneburg auf Heldinnen- und Heldensuche

Was macht eine Heldin oder einen Helden aus? Der Regisseur Michael Uhl hat Lüneburger Bürgerinnen und Bürgern diese Frage gestellt.

Art:
Konzert
Datum:
Ende:
Ort:
Theater Lüneburg, Großes Haus
An den Reeperbahnen 3
21335 Lüneburg
Telefon:
04131 / 752 0
Preis:
ab 19,50 Euro
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 27.04.2023 | 07:40 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Klassik

Theater

Der Arm einer Frau bedient einen Laptop, der auf einem Tisch in einem Garten steht, während die andere Hand einen Becher hält. © picture alliance / Westend61 | Svetlana Karner

Abonnieren Sie den NDR Kultur Newsletter

NDR Kultur informiert alle Kulturinteressierten mit einem E-Mail-Newsletter über herausragende Sendungen, Veranstaltungen und die Angebote der Kulturpartner. Melden Sie sich hier an! mehr

NDR Kultur App Bewerbung

Die NDR Kultur App - kostenlos im Store!

NDR Kultur können Sie jetzt immer bei sich haben - Livestream, exklusive Gewinnspiele und der direkte Draht ins Studio mit dem Messenger. mehr

Mann und Frau sitzen am Tisch und trinken Tee. © NDR Foto: Christian Spielmann

Tee mit Warum - Die Philosophie und wir

Bei einem Becher Tee philosophieren unsere Hosts über die großen Fragen. Denise M‘ Baye und Sebastian Friedrich diskutieren mit Philosophen und Menschen aus dem Alltag. mehr

Mehr Kultur

Anne Applebaum im Porträt © Anne Applebaum/Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V./dpa

Anne Applebaum erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Die US-amerikanische Historikerin, Autorin und Journalistin analysiert in ihrer Arbeit autokratische Herrschaftssysteme. mehr