Stand: 12.11.2018 13:22 Uhr

Demokratischer Rückschritt als Folge von Wahlen

Wie Demokratien sterben. Und was wir dagegen tun können
von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt
Vorgestellt von Claas Christophersen

Schafft sich mit Donald Trump die amerikanische Demokratie selbst ab - oder wird das System stärker sein als der Amtsinhaber? Die US-amerikanischen Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt von der Harvard-Universität haben versucht, diese Frage zumindest vorläufig zu beantworten - und wollen dabei erkennbar über den Tellerrand ihres eigenen Landes hinausschauen.

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Das Buch "Wie Demokratien sterben" ist im DVA Sachbuch Verlag erschienen.

Wenn Steven Levitsky und Daniel Ziblatt schon mit dem Titel ihres Buches versprechen, aufzuzeigen, "wie Demokratien sterben", dann geht es ihnen eigentlich um das Gegenteil: demokratische politische Systeme zu retten, ja, sie vielleicht sogar noch demokratischer zu machen. Dafür müssen die Autoren allerdings zunächst die Gefahren benennen, denen sich Demokratien heute weltweit gegenübersehen - und die sind tückisch, wie Levitsky und Ziblatt überzeugend herausarbeiten:

"Die offene Diktatur ist weltweit nahezu verschwunden. In den meisten Ländern werden reguläre Wahlen abgehalten. Demokratien sterben weiterhin, aber auf andere Weise. Der demokratische Rückschritt beginnt heute an der Wahlurne." Leseprobe

Und dort, wo Autokraten gewählt wurden, beginnen diese mit der Aushöhlung demokratischer Rechte.

"Da sie schrittweise und unter dem Anschein der Legalität vorgehen, löst das Abgleiten in eine autoritäre Herrschaft nicht immer Alarmglocken aus. Oft erkennen die Menschen erst spät, dass ihre Demokratie demontiert wird - auch wenn es vor ihren Augen geschieht." Leseprobe

 

Cover des Buches "Wie Demokratien sterben" von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt. © DVA

Sachbuchpreis für "Wie Demokratien sterben"

Kulturjournal -

Sie lehnen demokratische Spielregeln ab und fangen an, die Medien zu neutralisieren: In "Wie Demokratien sterben" nennen die Autoren Kriterien für autoritäres Verhalten von Politikern.

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Die USA wird beschrieben, aber die Welt gemeint

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NDR Kultur

Levitsky und Ziblatt erhalten Sachbuchpreis 2018

12.11.2018 06:00 Uhr
NDR Kultur

Der NDR Kultur Sachbuchpreis 2018 geht an Steven Levitsky und Daniel Ziblatt. Sie erhalten die Auszeichnung für ihr Buch "Wie Demokratien sterben. Und was wir dagegen tun können". mehr

"Wir haben uns beide viel mit Ländern außerhalb der USA beschäftigt. Ich habe zwei Bücher über die politische Geschichte Europas geschrieben, und Michael hat zu Lateinamerika geforscht", sagt Harvard-Professor Daniel Ziblatt, der sich zurzeit als Gastprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München aufhält. "Und als wir während des letzten Präsidentschaftswahlkampfes den Kandidaten Trump erlebten, erinnerte uns das an unsere Studien über andere Teile der Welt. Wir hatten also Erkenntnisse, die wir nun auf die Situation in den USA anwenden konnten. Das war unsere Motivation."

Das Buch "Wie Demokratien sterben" ist in verständlichem, schnörkellosen Stil geschrieben, und man erfährt viel Aufschlussreiches über die Hintergründe der US-Verhältnisse, die die Autoren mit historischer Tiefenschärfe herleiten. Schade ist, dass Levitsky und Ziblatt durch den Fokus auf die USA die eigene globale Perspektive abhanden kommt. Dabei entwickeln die Politikwissenschaftler anfangs durchaus klare Indikatoren, an denen Möchtegern-Autokraten zu erkennen sind, etwa wenn diese die Einschränkung staatsbürgerlicher Freiheiten fordern. Das kennen wir schließlich auch in Europa, genauso wie die politische Polarisierung, die die Harvard-Professoren in ihrem Land beklagen - und die es unbedingt zu überwinden gelte.

Im Kampf gegen autoritäre Tendenzen Spielregeln einhalten!

Bezogen auf die US-amerikanischen Verhältnisse heißt das für Daniel Ziblatt, dass man sich an demokratische Spielregeln halten sollte, wenn man Demagogen wie Trump etwas entgegenhalten will: "Die Demokratische Partei sollte sich nicht so verhalten wie die Republikaner. Das führt nur in eine Eskalationsspirale. Die Opposition der Demokraten sollte hart kämpfen, aber eben so, dass sie demokratischen Normen wieder zur Geltung verhelfen. Denn wenn sie das nicht tun, brauchen wir uns nur andere Teile der Welt anzuschauen, wo die eine Seite der anderen die Legitimität abspricht, und wir wissen, dass das nicht gut enden wird."

Wie Demokratien sterben. Und was wir dagegen tun können

von
Seitenzahl:
320 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
DVA Sachbuch
Veröffentlichungsdatum:
29.05.2018
Bestellnummer:
978-3-421-04810-3
Preis:
22,00 €

Dieses Thema im Programm:

Buchtipp | 30.06.2018 | 10:50 Uhr

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