Sendedatum: 28.08.2011 17:20 Uhr  - NDR Kultur  | Archiv

Power Platon

Power Platon
von Platon Antoniou, Essay von David Remnick
Vorgestellt von Mathias Heller

Am 21. September, treffen sich wieder über 100 Staatschefs der Welt in New York zur UN-Vollversammlung. Diesen Anlass hatte vor zwei Jahren der renommierte Fotograf Platon Antoniou genutzt, um die Mächtigen der Welt in einer Fotoserie für das Magazin "The New Yorker" festzuhalten. Der Bildband "Power - Platon" vereint viele dieser Porträts - Mathias Heller hat ihn sich angesehen.

In den Nachrichten sind sie oft die Hauptpersonen - die Staats- und Regierungschefs der Welt. Barack Obama, Vladimir Putin, Silvio Berlusconi. Ihre Bilder zieren Zeitungs- und Zeitschriftentitel. Festgehalten auf Presseterminen von dutzenden Fotografen aus abgeschirmter Entfernung.

Aus nächster Nähe

Bei Platon ist es ganz anders: keine Absperrung, keine Ablenkung. Er steht den Mächtigen der Welt gegenüber, Auge in Auge - meist einen Meter, manchmal etwas mehr. In der Hand seine Mittelformatkamera in die er von oben hineinschaut, fokussiert und auslöst. Mit einem Ergebnis das selbst den Fotografen überrascht - wie beim bolivianischen Präsidenten Evo Morales.

Platon (über Morales): "Das Aufregendste an diesem Bild ist, wie schön das Gesicht strukturiert ist und wie sehr es sich von jedem anderen unterscheidet. Morales trägt die Besonderheiten seiner Kultur mit einem solchen Stolz. Und sein einfaches, dunkles Haar unterstreicht noch die schöne Form seines Gesichts."

In einem abgeschirmten Gang hinter dem Rednerpult hat er sein mobiles Studio aufgebaut. Licht, ein Stuhl für den Gast und ein Assistent der ihn unterstützt. Manchmal hat er eine Viertelstunde, manchmal nur drei Sekunden Zeit. So schafft er es, an nur fünf Tagen über 130 Präsidenten, Premierminister und Diktatoren aus aller Welt zu porträtieren, wie den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Platon (über Nintanjahu): "Als ich dieses Porträt gemacht habe, lehnte er sich nach vorne und sagte: 'Platon mach, dass ich gut aussehe.' Und das Bizarre an der Geschichte ist, dass, nachdem das Shooting vorbei war, hielten wir ab und zu einen kleinen Plausch, und immer wenn er mit seiner Entourage in den nächsten Tagen vorbei kam, kam er zu mir, gab mir die Hand, plauderte mit mir und flüsterte mir ins Ohr: 'Platon, mach dass ich gut aussehe'. Das war wie eine Art Gehirnwäsche von Mister Netanjahu. Und als es an die Nachbearbeitung der Fotos ging, bemerkte ich, wie ich dabei war, ihn gut aussehen zu lassen."

Unverstellte Einblicke

Seine Porträts sind brillant. Sie erinnern an Gemälde alter Meister. Man glaubt, Caravaggios Handschrift in einigen Bildern wieder zu erkennen. Kräftiges Licht, inszenierte Blicke. Und die Zweideutigkeit der Abbildung. Platon gelingt es, selbst die finstersten Despoten menschlich wirken zulassen. Auf den Bildern sind sie Personen in deren Augen Wut, Lebensfreude, Hass, Selbstherrlichkeit, Ungewissheit oder auch einfach nur Vertrauen zu erkennen ist.

Estlands Präsident Toomas Ilves lächelt und wirkt mit seiner blaugestreiften Fliege, dem grün leuchtenden Augen und der randlosen Brille wie ein Fernsehmeteorologe. Christina Fernandez, Argentiniens Präsidentin, faltet ihre Hände vor ihrem roten Kostüm und lächelt den Kopf leicht zur Seite geneigt wie eine PR-Managerin kurz vor Ihrem Vortrag im Manager Seminar. Und Finnlands Präsidentin Tarja Halonen überrascht selbst den Fotografen.

Platon (über Halonen): "Wie man sehen kann, ist ihre Pose etwas altertümlich. Aber anstatt dies zu verbergen, wollte ich es gerne zeigen. Aber als ich dann das Bild gemacht hab, rief ich ihr zu: 'Aha, als Letztes eine Dame!'. Das veränderte ihr Gesicht sofort und gab dem Bild das gewisse etwas."

Momente der Zeitgeschichte

Die Bilder die Platon schießt, sind nicht nur Porträts der Macht, es sind inszenierte Momente der Zeitgeschichte gepaart mit einem Hauch Unberechenbarkeit von Eitelkeiten. Die Bilder faszinieren. Zeigen sie doch auch die Menschen, die unseren Alltag durch ihre Entscheidungen und Beschlüsse maßgeblich mitbestimmen. "Power - Platon" ist ein Buch, das man nur schwer aus der Hand legen kann.

Power Platon

von
Seitenzahl:
192 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Schirmer Mosel, 192 Seiten, 110 Abbildungen
Bestellnummer:
978-3-8296-0532-8
Preis:
29,80 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 28.08.2011 | 17:20 Uhr

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