Stand: 22.01.2020 11:33 Uhr  - Das Erste

Jochen Rausch' "Krieg": Kein Land bleibt unbescholten

Krieg
von Jochen Rausch
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg

Am Mittwochabend läuft um 20.15 Uhr im Ersten der Spielfilm "Fremder Feind". Das TV-Drama basiert auf dem Buch "Krieg" von Jochen Rausch. NDR Kultur hat den Roman 2013 nach dessen Veröffentlichung besprochen.

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Jochen Rausch Roman "Krieg" wurde von Rick Ostermann mit dem Titel "Fremder Feind" verfilmt.

Der Leser lernt Arnold Stein kennen, als dieser sich schon auf eine Hütte in den Bergen zurückgezogen hat und nur zum Einkauf des Nötigsten runter ins Dorf kommt. Ein Fremder schleicht um seine Hütte, sein Hund wurde schwer verletzt. Durch die rätselhafte Bedrohung entsteht eine untergründige Spannung. Stück für Stück erfahren wir, warum er dort oben in einer Berghütte grübelt und allein sein will.

Arnold Steins Sohn war als Soldat nach Afghanistan abkommandiert worden. Die Eltern gerieten außer sich vor Sorge, der Sohn richtete seine E-Mails nur an den Vater, seine Mutter sollte gar nicht wissen, wie schlimm es ihm dort wirklich ging.

"Ich will noch nicht sterben. Er sagt es ganz leise, kaum hörbar. Du stirbst nicht. Und wenn doch?" Leseprobe

"Krieg": Die Realität ist schlimmer als die Vorstellung

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Jochen Rausch ist Journalist und Musiker - und zudem viel beachteter Schriftsteller.

Die Nachrichten, die vom Sohn aus Afghanistan kommen, werden immer düsterer. Er berichtet dem Vater, dass sein engster Kamerad seine Beine bei einer Explosion verloren und sich zu Hause das Leben genommen hat. Er beschreibt, wie er sich selbst schuldig gemacht oder es zumindest so empfunden hat.

Dann hält vor dem Haus der Eltern ein Wagen der Bundeswehr, zwei Offiziere steigen aus. Sie kommen immer zu zweit für solche Nachrichten.

"Es war ein feiger, anonymer Sprengstoffanschlag, der einen jungen Mann buchstäblich aus dem Leben gerissen hat ..." Leseprobe

Jochen Rausch zeigt, dass Krieg immer in die Heimat dringt

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TV-Drama "Fremder Feind" im Ersten

Arnold Stein zieht sich mit seinem Hund in die Einsamkeit einer abgelegenen Berghütte zurück. Doch auch hier findet er keinen Frieden. extern

Jochen Rausch' Geschichte zeigt, dass kein Land sich an einem Krieg beteiligen kann, ohne dass dieser Krieg auch in dieses Land dringt - in welcher Weise und guten politischen Absicht auch immer. Durch Soldaten, die Entsetzliches erlebt und gesehen haben und unter posttraumatischen Störungen leiden, durch die Gefallenen und durch das, was im Krieg Zivilisten angetan wird.

Zum Schluss wird unerwartet Rache geübt. Das Erschütternde daran ist, dass der Autor auf jede Form oder auch nur Andeutung von moralischer Entrüstung verzichtet. Es bleibt ein grummelndes Gefühl. Den Rest muss der Leser mit sich allein ausmachen.

"Erst jetzt schläft er ein und versinkt mit gebrochenem Herzen in trostlosem Schlaf." Leseprobe

Krieg

von
Seitenzahl:
224 Seiten
Genre:
Roman, Krimi
Verlag:
Piper
Bestellnummer:
978-3-8333-0988-5
Preis:
9,99 €

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | 22.01.2020 | 20:15 Uhr

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