Cover des Buchs "Das Ende der Evolution" von Matthias Glaubrecht © Random House

"Das Ende der Evolution": Matthias Glaubrecht warnt vor Artensterben

Stand: 13.11.2020 00:00 Uhr

Das Buch "Das Ende der Evolution" steht auf der Shortlist für den 12. NDR Kultur Sachbuchpreis. Darin hat sich der Autor Matthias Glaubrecht mit dem Klimawandel und dem Artensterben befasst.

Cover des Buchs "Das Ende der Evolution" von Matthias Glaubrecht © Random House
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von Claas Christophersen

Der Klimawandel ist in aller Munde. Teils damit zusammen hängt noch eine andere Katastrophe: ein Massen-Artensterben. Eine Vielzahl von Arten in unterschiedlichen Ökosystemen sei betroffen, argumentiert der Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg, Matthias Glaubrecht, anschaulich und eindrucksvoll in seinem mehr als 1.000 Seiten starken Buch "Das Ende der Evolution".

Glaubrecht: "Ich mache mir Sorgen um den Menschen"

"Wenn Sie einen Naturforscher fragen - und gönnen ihm einige Sekunden der Überlegung -, was der singulär entscheidende Faktor für Veränderungen in der Natur heute ist , dann wird er Ihnen sehr schnell sagen: Es ist der Mensch selber", so Glaubrecht noch vor der Veröffentlichung seines jüngsten Buchs. Darin erkundet er zunächst auch die Evolutionsgeschichte jenes ganz besonderen Tieres, das als Pionier und gnadenloser Räuber die Erde eroberte. So sind wir, wie Glaubrecht zeigt, bereits vorgegangen, als wir vor 65.000 Jahren erstmals in Australien auftauchten: "Hier stieß der Mensch auf eine für ihn bizarre neue Tierwelt aus Großsäugern wie Riesenbeuteltieren. Innerhalb kurzer Zeit danach verschwand diese Tierwelt, vernichtet von einem Steinzeitmenschen mit vergleichsweise simpler Technologie, die ihm dennoch den 'Overkill' eines ganzen Ökosystems ermöglichte."

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Zugleich wurden die Menschen immer mehr, und das immer schneller. Fast acht Milliarden Menschen leben heute auf der Erde. Dass eine mögliche Überbevölkerung ein so großes Problem wird, wie Glaubrecht es in seinem Buch zumindest in den Raum stellt - diese Einschätzung muss man nicht teilen. Denn es gelingt dem Evolutionsbiologen auch so, eindringlich darauf hinzuweisen, wie dramatisch die Lage ist - vor allem weil wir Menschen mit unserer Flächennutzung, der intensiven Landwirtschaft etwa, vielen Tierarten den Lebensraum nehmen: "Ich mache mir nicht um die Evolution Sorgen oder dass es Tierarten gibt, die das alles überleben", erklärt Glaubrecht. "Sondern ich mache mir eigentlich Sorgen um den Menschen. Denn wir hängen ganz eng vernetzt mit all diesen ganzen Arten zusammen." So haben es in der Hand, das Artensterben, also das zumindest vorübergehende "Ende der Evolution", aufzuhalten.

"Das Ende der Evolution": Ein leidenschaftlicher Appell

Ein Vorschlag, den Glaubrecht aufgreift, wäre, die Hälfte der Flächen auf der Erde unter Naturschutz zu stellen. Das mag utopisch klingen, aber wir sollten unsere Fähigkeiten auch nicht unterschätzen, so sein Plädoyer. Gerade als Evolutionsbiologe muss er das wissen: "Wir haben gelernt zu überleben, nicht nur in einer Umwelt; stattdessen schaffen wir uns unsere eigene Umwelt, seit vielen Tausenden von Jahren. Wenn wir auch dies als unser Erbe akzeptieren, wird klar, dass wir tatsächlich die Wahl haben, dass es an uns liegt. Zusammen mit Wissen und Willen ist es diese Hoffnung, die zählt."

Matthias Glaubrecht hat ein aufrüttelndes Buch über die ökologische Krise geschrieben, das wegen der Komplexität des Gegenstandes notwendig lang werden musste. Dabei benutzt Glaubrecht eine klare Sprache, wägt nüchtern ab wie ein Wissenschaftler und appelliert doch leidenschaftlich an uns alle, deutlich mehr zu tun. Damit wir nicht weiter das natürliche Fundament untergraben, auf dem wir Menschen stehen.

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Das Ende der Evolution. Der Mensch und die Vernichtung der Arten

von Matthias Glaubrecht
Seitenzahl:
1072 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
C.Bertelsmann Verlag
Veröffentlichungsdatum:
10.02.2020
Bestellnummer:
978-3-570-10241-1
Preis:
38,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 13.11.2020 | 10:20 Uhr

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