Stand: 07.03.2018 08:11 Uhr

Roberto Saviano stellt neuen Mafia-Roman vor

von Annkathrin Bornholdt

"Ich bereue es, dieses Buch geschrieben zu haben. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich es nicht noch mal tun." Mehrfach hat sich der italienische Autor und Journalist Roberto Saviano so und ähnlich über sein Buch "Gomorrha" geäußert. Roberto Saviano schreibt dennoch weiter. Gerade ist sein neuestes Buch "Der Clan der Kinder" über jugendliche Mafia-Gangs in Neapel erschienen. Nun war Saviano auf Einladung des "Spiegel" mit seinem neuen Buch zu Gast in Hamburg.

Roberto Saviano wirkt weder eingeschüchtert noch verängstigt, im Gegenteil. Er betritt die Bühne im Foyer des "Spiegel"-Gebäudes winkend und mit einem Lächeln. Das Thema seiner Bücher ist und bleibt jedoch grausam und bedrückend. Der Schauspieler Martin Bross liest zwei lange Passagen aus "Der Clan der Kinder", hörspielartig, sodass man gleich mitten drin ist in dieser Szene in Neapel, als die jugendlichen Mafiosi aus purer Langeweile auf eine Gruppe Migranten schießen.

Roberto Saviano präsentiert "Clan der Kinder" in Hamburg

"Das sind eigentlich Genies"

Nachdem die Riege der alten Mafia-Bosse größtenteils im Gefängnis gelandet ist, haben diese Jungs die Lücke gefüllt, sind eingestiegen in Drogenhandel und Erpressung. Ein 15-Jähriger verdiene bis zu 200.000 Euro im Monat, erzählt Saviano: "Indem er zum Beispiel einen Drogenumschlagsplatz wie eine Art Megastore-Manager führte, Preise festsetzte, Gehälter bestimmte, die Korruption der Polizei bewältigte. Und das sind eigentlich Genies, diese kleinen Jungs, die mit einer gewaltigen Begabung oder Berufung dieses Geschäft vollbringen."

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(v.l.) Dolmetscher Johannes Hampel, Autor Roberto Saviano und "Spiegel"-Redakteur Volker Weidermann bei der Buchpräsentation in Hamburg.

Die Form des Romans habe es ihm ermöglicht, auch in die Gedankenwelt der Jugendlichen einzutauchen. Schon seit "Gomorrha" wird Saviano allerdings oft der Vorwurf gemacht, er könne mit seinen Figuren, schlechte Vorbilder kreieren. "Das Gegenteil ist richtig", so der Autor. "Sowohl die Serie als auch die Bücher zeigen nur eine Realität auf, die schon vorher bestand, und diejenigen, die Teil der Mafia-Welt sind, spiegeln sich darin und finden sich darin wieder. Alle anderen haben eben durch die Bücher gelernt, das wahrzunehmen, was ohnehin schon da war."

Brutalität mit skurrilen Zügen

Die Brutaliät trägt in Savianos Roman auch skurrile Züge. Er habe durchaus eine gewisse Freude an der Darstellung der Erbärmlichkeit seiner Protagonisten gehabt, räumt er ein. So erzählt er dann ein wenig zu ausführlich von den drolligen Spitznamen einiger Mafiabosse. Stattdessen hätte man gern noch mehr darüber erfahren, wie Saviano eigentlich an sein Insiderwissen kommt. Der Autor ist sehr klar in dem, was er sagt - manchmal wirkt er ein fast ein wenig zu cool.

Roberto Saviano führt seinen literarischen Kampf gegen die Mafia weiter. Man kann ihn für diesen Mut nur bewundern. Auch in Deutschland gebe es da noch viel zu tun, sagt er. Gefragt nach Gemeinsamkeiten mit dem ebenfalls angefeindeten Salman Rushdie räumt er dann doch ein, dass er sich von dessen Gelassenheit noch etwas abgucken könne.

Romanverfilmung

Saviano-Verfilmung über Mafiakids in Neapel

Die Verfilmung "Paranza - Der Clan der Kinder" eines Robert-Saviano-Romans über Kids im Sog der örtlichen Mafia wirkt durch Laiendarsteller und Handkamera relativ realistisch. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 22.08.2019 | 07:20 Uhr

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