Iris Hanika © picture alliance/dpa/Villa Massimo | Alberto Novelli

Iris Hanika gewinnt Preis der Leipziger Buchmesse 2021

Stand: 29.05.2021 09:54 Uhr

Der Preis der Leipziger Buchmesse geht in diesem Jahr an Iris Hanika. Sie wird für ihr Buch "Echos Kammern" ausgezeichnet.

von Maren Ahring

Cover des Buchs "Echos Kammern" von Iris Hanika © Droschl
"Echos Kammern" von Iris Hanika: Ein kluger, lustiger, verstörender Roman über Amerika, das Altern und unsere Mythen. Hanika erweist sich (wieder einmal) als kunstfertige, ironisch-lustvolle Spracherfinderin und Sprachverdreherin.

"Ich wollte eigentlich einen ordentlichen Roman schreiben, aber eben mit möglichst unwahrscheinlichen Wendungen, so dass man nicht denkt, er wäre realistisch", so Hanika. Ihr Buch spielt in New York und Berlin, ihre Heldinnen heißen Sophonisbe und Roxana. Hanika experimentiert mit alten Mythen, einer eigenen Sprache und verschiedenen Erzählformen. An Geschichten sei sie eigentlich nicht interessiert, sagt die Schriftstellerin, vielmehr an der Form.

Das lobte auch die Jury: "Iris Hanika übt in aller Virtuosität ihre Sprachexperimente aus und ja, sie hat diebische Freude daran, dass sie das jeden Moment den Roman kosten könnte. Eben dieses riskante Schreiben zeichnet sie aus", so die MDR-Kulturredakteurin Katrin Schumacher.

Fünf Romane nominiert

Mitte April hatte die siebenköpfige Jury die nominierten Titel für Preis der Leipziger Buchmesse benannt. Mit dabei war die norddeutsche Schriftstellerin Helga Schubert mit ihrem Roman "Vom Aufstehen" und Christian Kracht mit dem Roman "Eurotrash". Der Preis wurde in diesem Jahr wieder leider ohne Buchmesse erneut pandemiebedingt verliehen. 389 Bücher gingen insgesamt Rennen.

"Menschwerdung eines Affen" ist bestes Sachbuch

Als bestes Sachbuch wurde "Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung" von Heike Behrend ausgezeichnet. "Es ist geboren und geschrieben aus der Emphase für die Gemeinsamkeit dessen, was Menschsein ausmacht: die Überwindung von Vorurteilen. Solchen seiner selbst über andere und solchen anderer über einen selbst. Es ist ein erhellendes Buch in diesen sich verdunkelnden Zeiten", so die Jury.

Der Preis für die beste Übersetzung ging an die in Leipzig geborene Timea Tankó, für ihre Übertragung des Buches "Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus" von Miklós Szentkuthy: "Was für ein Satz, was für ein Schmelz in den Beschreibungen, welch ein sanfter Rhythmus, und was für ein eiskalter Knalleffekt am Ende. Dafür, dass sie sich dieser Prosa einfühlsam und doch selbstbewusst angeschmiegt und dabei immer die Spannung gehalten hat, dafür danken wir Timea Tankó."

Preis für Europäische Verständigung an zwei Essayisten

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ging an den britischen Essayist Johny Pitts und den ungarischen Essayist Laszlo Földenyi. Beim Festakt in der Leipziger Nikolaikirche kritisierte die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, einen Niedergang der Debattenkultur ihrer Branche in der Pandemie: "Wir reagieren derzeit schnell über und pflegen einen Diskurs, der nicht dem intellektuellen Diskurs entspricht, für den unsere Branche stand und stehen sollte."

Weitere Informationen
Iris Hanika © picture-alliance / Erwin Elsner Foto: Erwin Elsner

Leipziger Buchpreis an Iris Hanika: "Ein ungewöhnliches Buch"

Maren Ahring aus der Literaturredaktion von NDR Kultur hat die Preisverleihung verfolgt und sich "ein bisschen gewundert". mehr

Alexander Solloch © NDR Foto: Christian Spielmann

Leipziger Buchpreis 2021: Starke Titel in der Belletristik

Die Nominierten für den Leipziger Buchpreis stehen fest. NDR Kultur Literaturredakteur Alexander Solloch stellt die Bücher vor. mehr

Cover des Buchs "Echos Kammern" von Iris Hanika © Literaturverlag Droschl

"Echos Kammern": Iris Hanika sprengt eigene Echokammer

"Echos Kammern" von Iris Hanika ist ein Reise- und Liebesroman. Darin verweben sich modernes Großstadtleben und Mythos. mehr

Helga Schubert: "Vom Aufstehen" © dtv

NDR Buch des Monats März: "Vom Aufstehen"

In "Vom Aufstehen" erzählt Helga Schubert kurze Episoden über sich, ihre Mutter und ein Jahrhundert deutscher Geschichte. mehr

Christian Kracht: "Eurotrash" © Kiepenheuer & Witsch

"Eurotrash": Christian Krachts Mutter-Sohn-Geschichte

Die "Faserland"-Fortsetzung ist eine Komödie in Romanform, die auf unheimlich komische Weise vom Abgründigen erzählt. mehr

Cover des Buchs "da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete" von Friederike Mayröcker © Bibliothek Suhrkamp

Friederike Mayröcker bleibt dem Experimentellen treu

Die 95-jährige Österreicherin ist ungebrochen produktiv. Ein verbaler Rausch ist ihr neues Werk, das man nicht versuchen sollte zu verstehen. mehr

Das Cover von Uta Ruges "Bauern, Land. Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang" © Kunstmann

"Bauern, Land": Ute Ruges Buch über die Moorbauern

Über Jahrhunderte eroberten die Moorbauern das Land zwischen Stade und Bremen und machten es landwirtschaftlich nutzbar. mehr

Ein Bücherstapel vor einem gefüllten Bücherregal © picture alliance/dpa / Frank Rumpenhorst Foto: Frank Rumpenhorst

Die interessantesten literarischen Neuerscheinungen 2021

Neue Romane von Juli Zeh, Peter Buwalda, Krimi von Friedrich Ani und Sachbücher über mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 28.05.2021 | 17:20 Uhr

Mehr Kultur

Der Pianist Lars Vogt im Portrait. © NDR/Anna Reszniak Foto: Anna Reszniak

Pianist Lars Vogt: "Man nimmt diese Momente noch dankbarer an"

Der Pianist Lars Vogt hat bei NDR Kultur über seine Musik und über seine Krebserkrankung gesprochen. mehr