Stand: 26.11.2017 12:40 Uhr

Frieda Klein will verschwinden

Blutroter Sonntag
von Nicci French, aus dem Englischen von Birgit Moosmüller
Vorgestellt von Christiane Irrgang
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Hinter dem Namen Nicci French verbirgt sich das Autorenpaar Nicci Gerrard und Sean French.

Gute fünf Jahre hat es gedauert, bis die Woche zu Ende ist: 2012 erschien der erste Band einer neuen Krimiserie von Nicci French, dem britischen Autorenduo. "Blauer Montag" lautete der erste Titel. Es folgten "Eisiger Dienstag", "Schwarzer Mittwoch" und so weiter.

Im Verlauf von sechs Bänden hat die Londoner Psychoanalytikerin Frieda Klein schon mehr durchgemacht als andere Menschen in einem ganzen Leben. Angefangen mit einer Vergewaltigung als Jugendliche über die Auseinandersetzung mit einem mörderischen Stalker, jede Menge Todesfälle und Gewaltverbrechen, skeptische und neidische Polizisten, feindlich gesinnte Kollegen und Pressevertreter bis zu einem Fall, in dem sie selbst unter Tatverdacht geriet. Nun sind wir beim "Blutroten Sonntag" angelangt, es ist Frieda Kleins siebter Fall. Aber ist das wirklich das Ende?

Eine Leiche im eigenen Haus

Frieda Klein kommt einfach nicht zur Ruhe. Dieses Mal wird eine Leiche unter dem Fußboden ihres Wohnzimmers gefunden. Damit trifft das Verbrechen auch den Ort, der immer die sorgfältig gehütete Zuflucht der Psychotherapeutin war. Doch wie reagiert Frieda?

"Sie machen einen recht ruhigen Eindruck", bemerkte Burge. Friedas Augen schienen noch eine Nuance dunkler zu werden. "Ist das ein Problem?", gab sie zurück. "In ihrem Haus wurde eine Leiche entdeckt. Die meisten Menschen fänden das sehr beängstigend und schockierend." "Tut mir Leid", erwiderte Frieda. "Großes Brimborium liegt mir nicht." Leseprobe

Sympathischer wird diese wortkarge und verschlossene Frau, die sich mit stundenlangen Fußmärschen durch das nächtliche London abregt, auch im siebten Band nicht. Trotzdem gibt es Menschen, die ihr am Herzen liegen, und ausgerechnet die geraten nun auch ins Visier des Täters.

Anschläge auf Friedas Freunde und Familie

Friedas chaotische Nichte Chloe wird entführt und wenige Tage später unversehrt, aber völlig verwirrt aufgefunden. Der kleine Sohn des ukrainischen Bauarbeiters Jozef verschwindet ebenfalls, und zwei weitere Freunde werden Opfer brutaler Anschläge.

Frieda presste einen Moment ihr Glas an die Stirn. "Ich habe alle in Gefahr gebracht", sagte sie schließlich. "Alle, die mir vertrauen." Sie wandte sich ihm zu. Im Zwielicht sah er ihre Augen glitzern. "So darfst du nicht denken." Leseprobe

Er, das ist der altgediente Polizeikämpe Malcolm Karlsson, Friedas langjähriger Weggefährte, der zurzeit allerdings krankgeschrieben ist. Die Ermittlungen leitet eine neu eingeführte Inspektorin namens Petra Burge, klein, dünn und auch sonst eine ungewöhnliche Erscheinung - Charaktere und Lokalkolorit sind eine echte Stärke von Nicci French.

Ist der Täter kein Unbekannter?

Ihr rotblondes Haar war im Nacken fast stoppelkurz, der schräg geschnittene Pony aber auf einer Seite so lang, dass er ein Auge verdeckte. Sie hatte ein schmales, blasses, leicht asymmetrisch wirkendes Gesicht mit farblosen Brauen und zimtbraunen Augen. Bekleidet war sie mit einem schwarzen Anorak, einem weiten grauen Pulli, einer dunklen Hose und orangeroten Turnschuhen. Leseprobe

Doch wer ist der Täter? Immer noch jener geheimnisvolle Dean Reeve, der Frieda seit Jahren verfolgt und an dessen Tod sie als einzige nie geglaubt hat? Die neuen Verbrechen tragen allerdings nicht seine Handschrift. Ein Nachahmer vielleicht? Inspektorin Burge bittet Frieda, sich für einige Presseinterviews zur Verfügung zu stellen. Dabei entwickelt ein Journalist ein auffällig großes Interesse an dem Fall und vor allem an Frieda Klein.

Als er ihr zum ersten Mal begegnet war, ging sein Puls plötzlich so schnell, dass er das Gefühl hatte, keinen klaren Gedanken mehr fassen zu können. Vor allem aber erinnerte er sich an ihre dunklen, klugen Augen, die ihn mehrfach so eindringlich gemustert hatten, dass er jedes Mal erschrocken dachte: Sie weiß es! Sie weiß es! Leseprobe

Schlauer als die Polizei

Tatsächlich: Frieda ist der Polizei wieder mal weit voraus und engagiert sogar auf eigene Kosten einen Detektiv, um ihre Lieben zu schützen. Doch das gelingt ihr nicht wirklich. Irgendwann ist der Täter zwar ausgeschaltet, aber die Überlebenden werden immer seine Spuren tragen.

Sie sah alle ihre Gesichter in ihren Träumen. Sie waren ihre Geister und würden sie immer heimsuchen. [...] Sie schauderte. Der Herbst kam. Und mit ihm die Dunkelheit. Das Ende nahte. Leseprobe

"Lassen Sie mich verschwinden." Mit dieser ominösen Bitte von Frieda an einen geheimnisvollen Regierungsagenten endet das Buch. Die Reihe endet damit allerdings nicht: Nicci French haben noch einen achten Band angekündigt, und der - ganz ehrlich - wäre nicht mehr nötig gewesen.

Blutroter Sonntag

von
Seitenzahl:
448 Seiten
Genre:
Krimi
Verlag:
Bertelsmann
Bestellnummer:
978-3-570-10316-6
Preis:
15,00 €

Dieses Thema im Programm:

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