Stand: 27.08.2018 08:33 Uhr

Eindringlicher Appell, die Freiheit zu verteidigen

Faschismus
von Madeleine Albright
Vorgestellt von Marion Ammicht
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Mit ihrem Buch "Faschismus" will Madeleine Albright ihre Leser aufrütteln.

Der Titel ihres neuen Buches ist kurz und prägnant. "Faschismus. Eine Warnung" heißt es. Dass er aufschreckt und elektrisiert, ist ganz im Sinne der Autorin. Madeleine Albright, die Grande Dame der amerikanischen Außenpolitik, will ihre Leser aufrütteln. "Wenn das Buch alarmiert, ist es gut so."

Weltgeschichte, die die Autorin selbst erlebt hat

Albright erzählt Weltgeschichte, die sie selbst erlebt und gestaltet hat. Sie schlägt einen historischen Bogen vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart und kommt zu dem Schluss: Es gibt eine neue faschistische Gefahr. "Wir sollten uns des Angriffs auf die demokratischen Werte bewusst sein", schreibt sie. "Die Versuchung ist stark, die Augen zu verschließen und darauf zu hoffen, dass das Schlimmste einfach vorübergeht. Aber die Geschichte lehrt uns, wenn unsere Freiheit weiterbestehen soll, muss sie verteidigt werden, und wenn Lügen unterbunden werden sollen, muss man sie entlarven."

Eigene Erfahrungen mit dem Faschismus

Sie hatte kaum laufen gelernt, als die Faschisten das erste Mal in ihr Leben eingriffen. Madeleine Albright, 1937 als Tochter eines tschechischen Diplomaten in Prag geboren, floh zehn Tage nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März 1939 mit ihren Eltern nach London. Nach dem Krieg kehrte die Familie noch einmal in die tschechoslowakische Republik zurück - aber nur für kurze Zeit. 1948, nach dem kommunistischen Staatsstreich, emigrierte sie in die USA. Dass sie einer jüdischen Familie entstammt und ein Großteil ihrer Verwandten dem Holocaust zum Opfer fiel, sollte Madeleine Albright erst viele Jahre später erfahren. "Ich habe selbst erlebt, was es heißt, wenn sich die USA in der Welt engagieren. Und ich weiß auch, was es heißt, wenn sie es nicht tun."  

Diplomatische Karriere

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Die ehemalige US-Außenministerin warnt vor einem Angriff auf die Demokratie.

Nach dem Studium der Politik-, Rechts- und Staatswissenschaften begann sie ihre außergewöhnliche Karriere als politische Beraterin und Diplomatin, die sie bis an die Spitze des amerikanischen Außenministeriums führte. Von 1997 bis 2001 gehörte sie als erste Frau im Amt des "Secretary of State" dem Kabinett von Bill Clinton an.

Die 81-Jährige könnte längst im Ruhestand sein. Doch noch immer beschäftigen sie die großen weltpolitischen Fragen. Vor allem beunruhigt sie das Wiedererstarken radikaler, autoritärer und nationalpopulistischer Kräfte in Europa und den USA. "Wie eine Schlingpflanze" schleiche sich der Faschismus in den gesellschaftspolitischen Diskurs. Er nähere sich Schritt für Schritt, rühre an die Wurzeln der liberalen Demokratie, ohne bemerkt zu werden.

Trump gab Anstoß zum Buch

Den letzten Anstoß zu ihrem aktuellen Buch gab der Mann, der gerade dabei ist, die alte Weltordnung zu zerschlagen: Donald Trump, 45. Präsident der USA. Sie wolle ihn nicht als Faschisten bezeichnen, betont sie. "Er ist keiner, aber er ist der am wenigsten demokratische Präsident, den wir in der amerikanischen Geschichte hatten." In ihren Augen ist Trump ein Symptom für das, was derzeit passiert. Für hoch gefährlich hält sie seine Versuche, die US-Gesellschaft zu spalten. Anstatt Kompromisse zu suchen und das Gemeinsame zu finden, zerstöre er die Möglichkeit zum Ausgleich.

Eine Optimistin, die sich Sorgen macht

Genau darin, in der Spaltung der Gesellschaft, sieht Madeleine Albright die Parallele zum Faschismus. Es ist ein Angriff auf die Demokratie, der langsam daherkommt: indem demokratische Institutionen untergraben werden, die freie Presse als Volksfeind diffamiert wird und in den Einwanderern Fremde gesehen werden, die das Gemeinwohl gefährden. Doch trotz alarmierenden Zeichen ist Madeleine Albright überzeugt von der Widerstandskraft der modernen Demokratie. "Ich bin nicht verzweifelt", sagt sie, "ich bin eine Optimistin, die sich Sorgen macht." Mit Nachdruck plädiert sie dafür, unsere in die Jahre gekommenen westlichen Institutionen rundum zu erneuern und zu stärken. "Das ist unsere wichtigste Aufgabe!"

Faschismus

von
Seitenzahl:
320 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Dumont
Bestellnummer:
978-3-8321-8361-5
Preis:
24 €

Dieses Thema im Programm:

Bücherjournal | 29.08.2018 | 00:00 Uhr