Oliver Zille, der Direktor der Leipziger Buchmesse © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Sebastian Willnow

Leipziger Buchmesse: Sonderausgabe mit 400 Veranstaltungen

Stand: 27.05.2021 15:56 Uhr

Die Leipziger Buchmesse kann auch in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. Stattdessen laden die Veranstalter zu einer Sonderausgabe des Lesefests ein. Ein Gespräch mit dem Messedirektor Oliver Zille.

Oliver Zille, der Direktor der Leipziger Buchmesse © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Sebastian Willnow
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Herr Zille, es findet ein "Leipzig liest extra" statt - ist das so etwas wie ein Messe-Ersatz?

Oliver Zille: "Leipzig liest" ist normalerweise die Verlängerung der Leipziger Buchmesse. Nach der ersten Absage der Buchmesse im vergangenen Jahr haben wir uns verschiedene Szenarien überlegt, was in 2021 passiert: Messe mit Festival, Messe mit kleinem Festival, nur Festival? Wir wollten im Mai 2021 das Mögliche unternehmen, Literatur sichtbar zu machen. Die pandemischen Bedingungen haben dann darüber entschieden, dass das jetzt das Mögliche ist: das Festival fürs Ganze zu nehmen und mit unseren Möglichkeiten vor Publikum für die neue Literatur des Frühjahrs zu werben.

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Was ist denn in den kommenden drei Tagen möglich?

Zille: Mit unseren Partnern, den ausstellenden Verlagen, den Veranstaltungsorten in Leipzig, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dem Buchhandel, haben wir ein Programm mit 400 Veranstaltungen an 80 Orten in Leipzig zusammengestellt. Diese Veranstaltungen werden fast alle gestreamt, einige sind online, und 100 Veranstaltungen sind mit Publikum. Die Inzidenz in Leipzig gibt das gut her, und mit Tests kann man die Autorinnen und Autoren live vor Ort erleben.

Wie sehr schmerzt es Sie als Ausrichter beziehungsweise die Buchbranche als Aussteller, dass die Frühjahrsbuchmesse schon zum zweiten Mal in Folge nicht wie gewohnt stattfinden kann?

Zille: Für uns als Messeorganisatoren ist das das bitterste Szenario, was man sich vorstellen kann: diese Messe als Mutterschiff nicht organisieren zu können. Das hat auch Auswirkungen auf den Buchmarkt. Wir sind in Leipzig der absolute Fixpunkt im gesamten deutschsprachigen Raum, der Frühjahrsliteratur einen Schub zu geben. Viele junge Autorinnen und Autoren, viele Debütanten leben davon, dass Leipzig auf die Pauke haut und Literatur in die Öffentlichkeit bringt. In Deutschland erscheinen im Jahr über 80.000 neue Titel, und es braucht für die Titel, die im Frühjahr erscheinen, unbedingter PR und Aufmerksamkeit. Das kann nur eine Messe in der Dimension, wie es die Leipziger Buchmesse ist, leisten.

Müssen Sie nicht befürchten, dass Sie mit dem Lesefest "Leipzig liest extra" unfreiwillig den Beweis antreten, dass es auch ohne Messe geht? Denn viele Aussteller stöhnen schon seit Jahren, dass gerade Leipzig als Publikumsmesse - im Gegensatz zu Frankfurt als Geschäftsmesse - viel Geld kostet, den Ausstellern aber eigentlich nicht wirklich viel einbringt.

Zille: Das könnte man annehmen, aber meine Erfahrungen in den Gesprächen mit den Verlagen sind komplett die gegenteiligen. Man sieht, dass es für die Autorinnen und Autoren und für die Verlage lebenswichtig ist, den Kontakt zum Publikum zu pflegen. Es geht gar nicht darum, an vier Tagen ein unmittelbares Geschäft vor Ort zu machen, sondern es geht um Kontaktpflege, um PR, ums Sichtbarmachen der neuen Titel, um Image-Arbeit. Das kann man nur auf einer Messe leisten. Was ich aus den großen wie aus den kleinen, unabhängigen Verlagen höre, die ja mit uns auch das Festival organisiert haben, ist: Wir machen das, weil es das einzig Mögliche im Frühjahr ist - aber wir stehen zu Leipzig. Im nächsten Jahr wollen wir auf dem Messegelände wieder eine Messe haben, so wie wir sie kennen. Wie sich das dann realisieren lässt, das werden wir im Detail sehen. Aber ich bin guten Mutes, dass die Messe eher noch mehr die Aufgabe übernehmen muss, für kleine, unabhängige Verlage Sichtbarkeit zu erzielen, um im Medienwettbewerb das Buch nach vorn zu bringen.

Das Interview führte Jürgen Deppe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 27.05.2021 | 18:00 Uhr

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