Der Künstler Janosch im Februar 2021 vor einer Hauswand auf Teneriffa © --/Art 28, Tübingen/dpa Foto: --/Art 28, Tübingen/dpa

Der Erfinder von Tiger und Bär: Janosch feiert 90. Geburtstag

Stand: 12.03.2021 00:13 Uhr

Horst Eckert alias Janosch, der Erfinder von Tiger und Bär und vielen anderen Kinderbuchfiguren, ist am 11. März 90 Jahre alt geworden.

Porträtfoto des Kinderbuchautors Janosch © picture alliance / dpa Foto: Angelika Warmuth
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von Martina Kothe

Vor 90 Jahren, am 11. März 1931, kam Horst Eckert im damals oberschlesischen Hindenburg (heute Zabrze) zur Welt. Unter seinem Geburtsnamen hat er jedoch nie veröffentlicht, sondern immer unter seinem Künstlernamen: Janosch.

"Ich halte die Kinder für viel intelligenter als die Eltern", sagte Janosch einmal. Und das merkt man all seinen Kinderbüchern an. Janosch wäre an seiner Kindheit fast zerbrochen. Das Elternhaus, die Schule, der Krieg - alles ist einschüchternd und brutal: ein prügelnder, trinkender Vater, eine nicht minder brutale Mutter und die Kirche, die ihn mit 13 Jahren soweit hatte, dass er, wie er selbst sagt, "total psychotisch" war. Von diesen nicht gerade idealen Startbedingungen konnte Janosch sich befreien, indem er begann, zu malen und zu schreiben.

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Horst Eckert schreibt und malt gegen die Schatten der Kindheit

Die Familie verlässt Polen nach dem Krieg. Janosch arbeitet in einer Textilfabrik und lernt bei Gerhard Kadow, einem Schüler von Paul Klee, an der Textilingenieurschule in Krefeld, Musterzeichnen. Der Einfluss von Klee auf seine Malerei ist bis heute spürbar. Ebenso die langen Schatten der Kindheit. "Ich musste immer saufen, wenn ich was malen wollte", sagt Janosch. Mit Bär, Tiger und Tigerente, so der Autor, wollte er gut verkäuflichen Kitsch schaffen. Es sind Bücher gegen die Angst geworden, wie auch der fliegende Onkel Poppoff, das Auto Ferdinand, Schnuddelbuddel und Schnuddelpferd oder das kleine Schiff Pyjamahose, Lari Fari Mogelzahn,Traumstunde für Siebenschläfer und noch viele mehr.

Lebensmittelpunkt ist Teneriffa

Als scheinbar nichts mehr geht in seinem Leben, nimmt Janosch, so erzählt er es, seinen ganzen Besitz und verbrennt ihn im Garten. In Bayern war das, Anfang der 80er-Jahre. Er reist seitdem mit leichtem Gepäck, lebt und arbeitet auf Teneriffa. Aus Polen hat er, so sagt Janosch, die "Gene des kleinen Wahnsinns". Malerei hätte er gerne studiert, wird aber an der Münchner Kunsthochschule nicht weiter ausgebildet. Der Knoten platzt, als er alles hinter sich gelassen hat, nur noch ganz wenig Materielles sein Eigen nennt und äußerlich wie innerlich frei geworden ist.

Janosch: "Wie heilt man sich selbst - seelisch?"

Eine Zeichnung von Janosch im "Zeit Magazin". © picture alliance/dpa/Janosch film & medien AG
Aus gesundheitlichen Gründen gibt Janosch zu seinem 90. Geburtstag keine Interviews. Im ZEIT-Magazin erscheint jedoch diese Wondrak-Zeichnung als Gruß von ihm.

Janosch schreibt und malt nicht nur für Kinder. Nebenher entstehen Bücher, etwa der Roman "Polski Blues", ein Theaterstück im Jahr 1991 und immer Gemälde. Sein anarchischer Witz, seine reduzierte Bildsprache und die Tatsache, dass man bei den Aussagen über sein Leben nie so ganz weiß, was Dichtung und was Wahrheit ist, machen den Künstler Janosch aus.

Bekannt und beliebt sind auch seine Zeichnungen, die er ab 2013 jahrelang fürs ZEIT-Magazin zeichnet und aufschreibt, wie diese: Wondrak, Janoschs Held, macht einen entspannten Kopfstand - natürlich samt kopfstehender Tigerente. Er trägt wie immer seinen gelb-schwarz gestreiften Einteiler. Dazu die Frage: "Wie heilt man sich selbst - seelisch?" Und Wondraks Antwort: "Mit einem Kopfstand. Dann ist es andersherum: Was schlecht ist, ist gut - zack, sind alle Probleme gelöst."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 13.03.2021 | 09:20 Uhr

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