Stand: 05.02.2018 10:42 Uhr

Fernando Aramburu: Autor aus dem Baskenland

von Katja Weise

Beispielhaft lässt sich an dem Roman "Patria" von Fernando Aramburu nachvollziehen, was passiert, wenn politische Konflikte in den Alltag hineinwirken, wenn sie Familien und Freundschaften zerstören. Das erklärt - gerade vor dem Hintergrund des Konfliktes in Katalonien - auch den großen Erfolg des Buches in Spanien. Sein Autor lebt seit seit vielen Jahren in Hamburg.

Bild vergrößern
Seit den achtziger Jahren lebt Fernando Aramburu in Hannover - der Liebe wegen.

"Ich habe, als ich Student war, ein hübsches, deutsches Mädchen kennengelernt. Sie stammt aus Hannover, wir sind immer noch zusammen und haben zwei Töchter. Als ich gekommen bin, konnte ich kein Wort Deutsch, aber das war mir egal, ich wollte unbedingt mit meinem Mädchen zusammen sein." Mit "sein Mädchen" meint Fernando Aramburu seine Frau. Sie ist für ihn eine wichtige Ratgeberin und Gesprächspartnerin. Sie "immer auf dem Laufenden“.

Literarische Beschäftigung mit der ETA

Buchtipp

Eine zerrissene Gesellschaft

Fernando Aramburus Roman "Patria" besticht vor allem durch literarische Raffinesse und Figuren, die sich trotz ihrer Härte unmerklich ins Herz der Leser schleichen. mehr

Zuletzt brauchte Aramburus Frau vermutlich einen langen Atem: Drei Jahre hat er an "Patria" geschrieben. Das Thema - der terroristische Kampf der ETA für ein unabhängiges Baskenland und seine Folgen - beschäftigte ihn allerdings deutlich länger: "Es war nicht einfach für mich, den richtigen Ton zu finden. Deswegen habe ich es zuerst mit kleinen Geschichten versucht, dann mit einem kurzen Roman und jetzt mit 'Patria'."

Es ist ein opulenter Roman von immerhin fast 800 Seiten. Woher kommt dieser Drang, sich so lange und so ausführlich mit dem Konflikt im Baskenland zu beschäftigen? Die Antwort liegt überraschend nahe: "Ich bin in San Sebastián geboren. Das ist die Stadt, wo die Untergrundorganisation ETA gegründet wurde und zwar im selben Jahr, in dem ich geboren bin. Das bedeutet, dieses Phänomen war immer in meiner Nähe."

Komplexes Bild seines Heimatlandes

1959 war das. Erst 2011 erklärte sich die ETA bereit, die Waffen niederzulegen. In diesem Jahr lässt Aramburu seinen Roman beginnen. Ausgangspunkt war also die große Geschichte, aber davon erzählen wollte Fernando Aramburu mit kleinen Geschichten. Deshalb entschied er sich dafür, zwei Familien zu erfinden, die sich nach langer Freundschaft plötzlich auf verschiedenen Seiten wiederfinden: "Ich dachte, wenn dieser Roman von einer relativ großen großen Anzahl von Protagonisten repräsentiert wird, dann habe ich die Möglichkeit, am Ende ein gesamtes, ein komplexes Bild meines Heimatlandes zu schaffen."

Der spanische Autor Fernando Aramburu. © Copyright Iván Giménez / Tusquets Editores, 2017 Fotograf: Iván Giménez

Porträt über den Schriftsteller Fernando Aramburu

NDR Kultur -

Drei Jahre lang hat Fernando Aramburu an seinem Roman "Patria" geschrieben. Es geht darin um den Terror der ETA im Baskenland. Vorbilder für seine Figuren fand er in der eigenen Familie.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Vorbilder in der eigenen Familie

Vorbilder - insbesondere für die beiden Frauenfiguren im Zentrum des Romans - fand der Autor in der eigenen Familie: "Diese Frauen, die so stark sind, die zu Hause das Kommando haben, die verwalten, die sind gang und gäbe im Baskenland. Meine Mutter war so, meine Tante auch und Nachbarinnen, und diese Frauen, die ich ständig in der Nähe hatte, haben mich natürlich inspiriert."

Viele Preise hat Aramburu in Spanien für "Patria" bekommen und, was ihm beinahe noch wichtiger ist: "Patria" ist in seiner Heimat ein Bestseller. Jetzt wolle er sich allerdings neuen Themen zuwenden: "Das brauche ich unbedingt, ich kann nicht das ganze Leben über die gleichen Melodien singen."

am morgen vorgelesen
NDR Kultur

Eva Mattes liest Fernando Aramburu

05.02.2018 08:30 Uhr
NDR Kultur

Mit seinem Roman "Patria" hat Fernando Aramburu eine baskische Familiensaga geschrieben, die 2017 in Spanien die Bestsellerliste anführte. Eva Mattes liest daraus. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 05.02.2018 | 07:20 Uhr

Mehr Kultur

28:30
NDR Fernsehen
04:56
Bücherjournal

Der lange Weg vom Flüchtling zum Arzt

21.02.2018 00:00 Uhr
Bücherjournal
05:34
Bücherjournal

Robert Harris' Sicht auf das Münchner Abkommen

21.02.2018 00:00 Uhr
Bücherjournal