Stand: 09.12.2018 06:26 Uhr

Bücher und Lesen - ein Thema in der Kunst

Die Kunst zu lesen
von David Trigg
Vorgestellt von Andrea Schwyzer

Menschen und ihre Bücher - eine ganz persönliche Beziehung. Was machen Bücher mit uns? Welchen Wert haben sie? Wie lesen wir sie? Mit diesen Fragen befasst sich ein neuer Bildband: "Die Kunst zu lesen" vereint rund 300 Kunstwerke aus verschiedenen Epochen und Stilrichtungen und macht Lust auf: Lesen!

Das Buch in der Bildenden Kunst

Gelesen wird in allen Lebenslagen

Zusammengekauert sitzt ein kleiner Junge im untersten Fach eines Bücherregals und liest. Obwohl er sich ganz schön klein machen muss, lächelt er und ruht mit dem Arm bequem auf einem Bücherstapel.

Auf einer Bank vor einer Backsteinmauer sitzen drei Mädchen: Überwurfkleidchen, Strümpfe, Lederschuhe. Jedes hat ein großes Buch auf dem Schoß. Die Augen sind geschlossen, doch die Finger ertasten Linie für Linie. Blinde Kinder beim Lesen - eine Fotografie aus den 1920er-Jahren.

Auf dem Tisch stehen zwei Weingläser und ein Obstkorb. Zwei junge Schnösel im Anzug warten auf den ersten Gang. Die Halskrause erlaubt ihnen, kaum zu atmen. Zwischen ihnen sitzt eine kecke Frau im schwarzen Abendkleid mit weitem Dekolleté. Lässig hat sie den Ellenbogen auf den Tisch gestützt und liest in einem Buch. Der Titel der Karikatur ist eine Lithografie von 1900:

"Ein Rat für Kluge: Nimm dir ein Buch mit für den Fall, dass dir langweilig wird." unbekannt

Überall wird gelesen: Zu Tisch, auf dem Sofa, am Strand, in der Bibliothek, im Garten, im Zug, am Fenster und natürlich im Bett:

"Der ideale Bettgenosse ist ein gutes Buch." Robertson Davies

Bilder aus allen Epochen und Stilrichtungen

Der Bildband "Die Kunst zu lesen" dokumentiert die Geschichte des Buches, wie sich sein Wert und sein Stellenwert über die Zeit hinweg verändert hat. Diese Geschichte zeigt sich in Madonnenbildern und biblischen Fresken, in russischer Ölmalerei, japanischen Holzschnitten und in Gemälden von Cézanne, Dalí, Dürer, Magritte, Rembrandt und Botticelli. Die vielen Abbildungen vermitteln ein schönes Gefühl dafür, welche Beziehung wir zu unseren Büchern pflegen und pflegten. Hin und wieder bringt ein Zitat den Leser zum Nachdenken:

"Hüte dich vor Menschen, die nur ein einziges Buch gelesen haben!" Thomas von Aquin

Eine Frau liegt seitlich auf ihrem Bett, den Kopf in ihr Kissen geschmiegt, graublau die dünne Decke, die ihren nackten Körper nur leicht bedeckt. Sie zeigt dem Betrachter ihren elfenbeinfarbenen Rücken und ist ganz in ihr Buch vertieft. Hinter dem Betthimmel erscheint ein dämonischer Bibliothekar, der ihr neuen Lesestoff liefert. Im Begleittext steht:

Mit diesem Aquarell thematisiert Félicien Rops die im 18. und 19. Jahrhundert verbreitete Auffassung, Romane könnten der weiblichen Moral abträglich sein. Der Wunsch, statt zur Erbauung zum Vergnügen zu lesen, galt als verwerflich. Leseprobe

Auch die Art der Darstellung hat sich gewandelt

Thematisiert wird natürlich auch die Erfindung des Buchdrucks: Ein Gemälde zeigt Gutenberg etwa, wie er in seiner Werkstatt sitzt und grübelnd die kleinen Blöcke, die beweglichen Lettern betrachtet, mit denen er die Buchherstellung revolutioniert hat. Andere Werke erinnern an die Verbrennungen von Büchern und dass es auch heute noch Länder gibt, in denen gewisse Bücher verboten sind.

"Das Papier brennt, doch die Worte fliegen in die Freiheit." Akiba ben Joseph (um 50-135 n. Chr.)

Eine weiße Wand bricht auf. Eine Flut von Büchern ergießt sich vom Nebenraum auf den Boden. Literatur im Überfluss. Eine Installation der spanischen Künstlerin Alicia Martín. Bücher sind zum Wegwerfprodukt geworden. Das verdeutlicht auch eine monumentale Fotografie von Andreas Gursky: Sie zeigt das gigantische Amazon-Depot in Phoenix, Arizona. Ein buntes Büchermeer, die Buchrücken stehen dicht an dicht. Wie kann jedes dieser Bücher zu seinem Besitzer finden?

"Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt." Jorge Luis Borges

Das Format des Bildbands überrascht ein wenig: Das Buch "Die Kunst zu lesen" ist handlich, nicht größer als ein Roman. Die Abbildungen sind dadurch nicht ganz so überwältigend, machen aber dennoch neugierig, die Nase tiefer ins Buch zu stecken und mehr zu erfahren: Über uns und unsere Bücher.

Die Kunst zu lesen

von
Seitenzahl:
352 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
Hardcover, Pappband, 13,7x20,3, 280 farbige Abbildungen
Verlag:
Prestel
Bestellnummer:
978-3-7913-8478-8
Preis:
22,00 €

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