Damon Galgut: "Das Versprechen" (Cover) © Luchterhand

Preisgekrönter Roman über Südafrikas Geschichte

Stand: 03.01.2022 12:05 Uhr

Im gerade abgelaufenen Jahr 2021 ging der renommierte Booker Preis an Damon Galgut aus Südafrika, für seinen Roman "Das Versprechen", der nun auch auf Deutsch erscheint.

Damon Galgut: "Das Versprechen" (Cover) © Luchterhand
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von Danny Marques Marcalo

Es ist die Geschichte einer weißen Familie über mehrere Jahrzehnte. Die Mutter gab vor ihrem Tod das Versprechen ab, dass die schwarze Haushälterin ein Haus geschenkt bekommen soll. Doch einlösen will das so recht niemand, auch nachdem aus dem Land der Apartheid eine Demokratie wird.

Südafrika auf dem Weg in ein freies Land

Amor wurde vom Blitz getroffen. Amor, das ist die jüngste Tochter der weißen Familie Swart, die Mitte der 1980er-Jahre eine riesige Farm nahe Pretoria besitzt. Vielleicht, weil sie vom Blitz getroffen wurde, ist Amor feinfühliger, als der Rest ihrer Familie. Denn als einzige will sie sich an das Versprechen der verstorbenen Mutter halten. Die schwarze Haushälterin Salome soll ein, auf dem Grundstück stehendes, Haus geschenkt bekommen. Amor und ihr Bruder Anton diskutieren.

"Amor", sagt er mit sanfter Stimme. - "Was?" - "Salome kann gar kein Haus besitzen. Selbst wenn er wollte, könnte Pa es ihr nicht schenken." - "Warum nicht?", sagt sie verwirrt. - "Darum", sagt er. Weil das Gesetz es verbietet. Leseprobe

Es herrscht Apartheid. Die Jahre vergehen, Südafrika wird ein freies Land. Dann stirbt auch der Vater. Dann die älteste Schwester. Immer wieder bringt Amor das Versprechen zur Sprache. Ohne Erfolg. Damon Galgut schreibt von Weißen, die kaum dazu zu kriegen sind, ihre Privilegien aufzugeben, die festhängen an einer längst vergangenen Zeit. "Das Thema Landbesitz ist Teil der Geschichte Südafrikas. Schon die ersten weißen Siedler haben den Menschen, die dort vorher gelebt haben ihr Land weggenommen. Man tat so, als sei dort vorher niemand gewesen. Das ist ein Konflikt, der sich durch die gesamte südafrikanische Geschichte zieht", sagt Autor Damon Galgut, selbst weiß, im Interview mit einer britischen Buchhandelskette.

Die Suche der weißen Siedler nach ihrem Platz

Das Versprechen steht im Roman nicht so sehr im Vordergrund, wie es der Titel vermuten lässt. Vielmehr geht es darum, wie die Swarts ihren Platz in einem sich verändernden Land suchen.

Die Aussicht aus dem Taxifenster ist etwas verblüffend. (…) Noch nie hat das Stadtzentrum so ausgesehen, so viele Schwarze, die zwanglos durch die Gegend schlendern, als gehörten sie hierher. Fast wie in einer afrikanischen Stadt. Leseprobe

In solchen Passagen steckt, wie im gesamten Roman, ein düsterer Humor drin. Denn natürlich sind Städte in Südafrika afrikanisch. Und dass so viele Schwarze ein normales öffentliches Leben führen, kann einen nur wundern, wenn man in einem Land aufwächst, in dem Schwarze bestenfalls Bedienstete sind.

Inhaltlich und formell herausforderndes Buch

Es ist sowohl inhaltlich, als auch formell ein herausfordernder Text. Der Erzähler kommentiert, schaut in die Köpfe viele Nebenfiguren rein. "Während der Arbeit an dem Buch arbeitete ich parallel auch an Film-Drehbüchern. Und mir wurde klar, was man beim Erzählen machen kann. In meinem Buch verhält sich der Erzähler wie eine Kamera im Film. Man kann zwischen Personen und Orten springen. Man kann einen Cut setzen und plötzlich wo anders sein. Das hat mir viel Freiheit gegeben", sagt Damon Galgut.

Bitterer gesellschaftlicher Kommentar

Als Leser ist man aber dennoch nie verloren und kann sowohl dem Plot folgen, als auch den bitteren gesellschaftlichen Kommentar darunter verstehen. Nachdem auch der Bruder stirbt, ist Amor am Ende die letzte der Swarts. Sie geht nochmal auf Salome zu. Über 30 Jahre, nachdem das Versprechen abgegeben wurde.

Beide Frauen wissen, dass sie sich nie wiedersehen werden. Aber warum ist das wichtig? Sie stehen sich nahe und doch auch nicht. Sie sind verbunden und doch auch nicht. Eine der seltsamen, simplen Fusionen, die dieses Land zusammenhalten. Manchmal nur so eben. Leseprobe

Den Booker Preis haben vor Damon Galgut zwei andere Südafrikaner gewonnen. J.M.Coetzee und Nadine Gordimer. Beide wurden auch mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Das wäre zu viel der Ehre für Galgut. Lesenswert ist "Das Versprechen" aber allemal. Allein wegen der Erkenntnis, dass das Verspechen der Rainbow Nation, in der alle zusammenkommen, nicht eingelöst ist.

Das Versprechen

von Damon Galgut, aus dem Englischen von Thomas Mohr
Seitenzahl:
368 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Luchterhand
Bestellnummer:
978-3-630-87707-5
Preis:
24,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 03.01.2022 | 12:40 Uhr

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