Stand: 26.06.2019 12:10 Uhr

Hannoveraner beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb

von Andrea Schwyzer

Leander Fischer nimmt im Rahmen der deutschsprachigen Literaturtage in Klagenfurt am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teil. Bei der dreitägigen Lese-Veranstaltung tragen vorausgewählte Bewerber bislang unveröffentlichte Prosatexte oder Ausschnitte vor. Vom 26. bis zum 30. Juni wird der Hannoveraner gegen 13 Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus dem deutschsprachigen Raum antreten.

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Der österreichische Schriftsteller Leander Fischer lebt seit zwei Jahren in Hannover und studiert in Hildesheim.

Leander Fischer sitzt auf seiner bevorzugten Bank an der Lutherkirche in Hannovers Nordstadt. Er trägt eine graue Strickjacke, eine senfgelbe Chino-Hose und blaue Lederschuhe. Der Wind weht die Sonnenstrahlen von der Haut. "Ich komme hier gern öfter mal her, um einfach hier zu sitzen und mich ein bisschen umzuschauen und dem Treiben zuzusehen", sagt Fischer.

Kinder fahren mit ihrem Roller über den Platz, ein Pärchen bringt zwei leere Kästen Bier weg, einige tätowierte Halbstarke tänzeln um einen Hund. Eine junge Frau fährt eine Wassermelone spazieren.

Was ihm vor allem daran gefalle, sei, dass Leute aus den unterschiedlichsten Schichten hier zusammenkommen. "Ich bin im Frühling mal hier vorbeigegangen, da war hier ein riesiges Punker-Treffen mit 200 Leuten in schwarzen T-Shirts und ich glaube 500 Hunde", schildert Fischer. "So viele Hunde habe ich das letzte Mal mit acht Jahren im Hundesportklub Salzkammergut auf einem Haufen gesehen.

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Kindheit in Österreich

Leander Fischer ist in Oberösterreich mit einem Hund und zwei Schwestern aufgewachsen. Solange er denken kann, wollte er von dort weg. Seit zwei Jahren wohnt er in Hannover. Ein heute großer, schlanker 26-Jähriger mit schwarzen Haaren, Dreitagebart und beneidenswerten langen, schön geschwungenen Wimpern.

Er wirkt erst einmal schüchtern. Doch wenn er über das Schreiben, die Literatur und über Dinge, die er beobachtet, spricht, dann wird er leidenschaftlich. Sich selbst bezeichnet er noch mehr als einen Lesenden anstatt als Schreibenden.

Einer seiner Dauerbrenner sei William Faulkner. "Weil es literarisch so ambitioniert ist und weil es wie so eine kleine Stilfibel ist, so viele verschiedene Erzähltechniken sind miteinander verbunden", schwärmt Fischer. Das letzte Buch, was er gelesen habe, sei aber "Die Verführung" von Marlene Streeruwitz gewesen. "Es geht um eine alleinerziehende Frau in Wien. Ich vermute, dass es nicht der Lokalkolorit war, was ich so toll fand an dem Buch, sondern was anderes."

Leander Fischer liebt Rituale

Er selbst arbeitet am Schreibtisch seiner Freundin - einem massiven Holztisch, der den ganzen Wohnbereich einnimmt. Da kann er stundenlang sitzen und vergessen zu essen oder zu rauchen. Hauptsache, es steht alles an seinem Platz und er kann sich seinen Kaffee morgens blind einschenken.

"Ich neige zu Ritualen und so selbstgesetzten, kleinen Ticks, die ich machen muss. Mir geht es ganz schlecht, wenn ich nicht dreimal die Woche Joggen kann oder wenn sich irgendetwas in der Wohnung verändert", sagt Fischer. "Das ist jetzt nicht übermäßig zwangsneurotisch, aber ich brauche schon so ein bisschen Struktur." Außerdem mag Leander Fischer gern ziellos umherreisen: egal ob mit dem Zug, dem Auto, das er nicht besitzt, als Jogger oder Fahrradfahrer.

Fischer ist großer Fan des Bachmannpreises

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Der österreichische Schriftsteller Christian Ankowitsch moderiert seit 2013 den Ingeborg-Bachmann-Preis.

Fischer liebt den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Die Einladung kam genau zum richtigen Zeitpunkt. "Das war mit sehr viel Freude verbunden. Ich hatte vorher eine extrem schlechte Zeit und habe sehr lange Zeit immer nur Absagen bekommen", erinnert sich der Schriftsteller. Seine Bank hätte ihm sogar den Dispo gestrichen. "Das war sehr problematisch und gerade diese Nominierung hat dann ein bisschen Auftrieb gegeben und das hat sich sehr gut angefühlt."

Seit sieben Jahren verfolgt Leander Fischer den Wettbewerb im Fernsehen, lädt Freunde und Studienkollegen ein. "Wir treffen uns dann alle in der WG und dann machen wir Pfannkuchenteig", sagt Fischer lachend. Sie. "Wenn da so drei Texte am Stück gelesen werden, dann ist der Kopf irgendwann voll. Und derjenige, dessen Kopf grad voll ist, der macht dann für alle Pfannkuchen." In diesem Jahr nun liest Leander Fischer selbst in Klagenfurt. Ob seine Freunde dann Pfannkuchen essend vor dem Fernseher sitzen werden? "Das hoffe ich! Das werde ich ihnen wohl geraten haben."

Alle Lesungen und Diskussionen um den Ingeborg-Bachmann-Preis werden von 3sat übertragen. Zudem stellt der ORF einen Livestream.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 26.06.2019 | 06:40 Uhr

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