Stand: 16.04.2018 21:33 Uhr

Ludwig Haas: Der ewige Doktor Dressler

Auf der Straße sprechen ihn die Menschen schon mal als Doktor Dressler an - kein Wunder, denn seit 33 Jahren mimt Ludwig Haas den Arzt in Deutschlands ältester Soap, der "Lindenstraße". "Dass ich diese Rolle schon so lange spielen darf, darauf bin ich sehr stolz", sagt Haas. "Wo gibt es so was denn heutzutage noch?" Von ihm aus könne es so weitergehen, "so lange mein Kopf funktioniert", meint der Schauspieler, der in Neumünster sowie auf Mallorca lebt.

Lebensrolle in der "Lindenstraße"

Es ist aber nicht so, dass Ludwig Haas nur auf ein Leben als Serien-Darsteller zurückblicken kann. Nach dem Abitur 1950 besucht der am 16. April 1933 in Eutin geborene Haas die Staatliche Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Dort absolviert er von 1951 bis 1953 seine Schauspielausbildung. Engagements an namhaften Bühnen folgen - wie zum Beispiel am Schauspielhaus in Hamburg und an den Kammerspielen in München. Immer wieder geht Haas auf Theatertournee, darunter mit Bühnengrößen wie Theo Lingen. Von ihm lernt er, wie man seine Unarten ausspielt, um in Rollen unverwechselbar zu sein.

Auch international gefragt

Ebenso erfolgreich wie auf den Bühnen bewegt sich Ludwig Haas auch ab Anfang der 80er-Jahre im nationalen und internationalen Filmgeschäft. Zumeist ist er in Spielfilmen auf die Rollen des bösen Deutschen festgelegt. Allein Adolf Hitler verkörpert Haas dreimal: unter anderem in "Wie ein Licht in dunkler Nacht" an der Seite von Michael Douglas und im französischen Film "Pétain". Auch im Oscar-prämierten niederländischen Film "The Assault" (Der Anschlag) aus dem Jahr 1986 ist Haas zu sehen.

Dauerbrenner in der "Lindenstraße"

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Ludwig Haas mit seinem Kollegen Georg Uecker, der in der "Lindenstraße" seinen Stiefsohn Carsten Flöter spielt.

1985 übernimmt er die Rolle des Doktor Dressler in der "Lindenstraße". Er ist damit von Anfang an dabei. Dort meistert der Mediziner ein Leben voller Schwierigkeiten - als Witwer, Alkoholiker und Vater eines Drogensüchtigen. Langweilig sei ihm die Rolle nie geworden, sagt Haas. Bei Doktor Dressler war ja auch immer was los. Seit in Folge 169 im Jahr 1989 ein Unfall im Drehbuch stand, ist er in der WDR-Serie querschnittgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Geplant war dieser Part nur für ein bis zwei Jahre. Doch Haas wurde schlichtweg "vergessen", wie er in einem Interview mit dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung" erzählt: "Hans Geißendörfer, der Erfinder und Kopf der 'Lindenstraße', hat das auch einmal zugegeben."

"Irgendwann war der passende Moment dann einfach vorbei. Den Doktor Dressler nach so langer Zeit wieder laufen zu lassen, das wäre unglaubwürdig gewesen und hätte Menschen mit Behinderungen womöglich falsche Hoffnungen gemacht", sagt Haas. Das Interessante sei aber etwas anderes: "Niemand weiß, woran Doktor Dressler eigentlich leidet. Nicht einmal ich."

"Huch, Sie können ja laufen"

Passanten auf der Straße seien häufig überrascht, wenn sie ihn sehen. Immer wieder komme es vor, dass fremde Menschen ihn verwundert ansprechen mit Sätzen wie "Huch, Sie können ja laufen", erzählt der Schauspieler. Häufig sei er auch um medizinischen Rat gefragt worden - weil Doktor Dressler ja schließlich Allgemeinarzt ist. "Gerade in den ersten Jahren der Serie konnten manche Zuschauer nicht zwischen der Rolle und meiner Person unterscheiden", sagt Haas.

Auf die Arzt-Rolle abonniert

Er gehört als Doktor Dressler zu den dienstältesten Medizinern - wenn auch nicht mehr "praktizierend" - in der deutschen TV-Landschaft. Auch in anderen Produktionen schlüpft der Schauspieler immer wieder in die Arzt-Rolle. So verkörpert er 1992 in der "Tatort"-Folge "Das Experiment" einen "Weißkittel" und im Jahr zuvor in der Krimireihe "Der Alte" in der Episode "Der Tagebuchmord" ebenfalls. Seine Lebensrolle bleibt allerdings Doktor Dressler. In einem Interview sagt Haas einmal, dass er diese Rolle als Geschenk empfinde. Auf die Frage, ob er nie bereut habe, nicht aus der Serie ausgestiegen zu sein, antwortet Haas: "Nie. Ich habe eine Alterskarriere hingelegt. Immerhin besser als eine junge Karriere, die schnell verglüht. Ich war als Schauspieler nie arbeitslos, habe nie gestempelt. Darauf bin ich heute noch stolz." Der Serie ist Ludwig Haas bis heute treu geblieben. Er sagt, er wolle so lange drehen, bis er tot umfalle.

In seiner Freizeit betätigt sich Haas als Maler und Bildhauer. Im Fernsehen sieht er gerne Dokumentationen und politische Talkshows. Die "Lindenstraße" schaut er auch, aber er betrachte das nicht als Pflichtprogramm: "Manchmal verpasse ich auch mal ein paar Folgen", sagt er und schmunzelt dabei.

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Hier gibt es Videos und alle Infos rund um die ARD-Serie "Lindenstraße" auf der offiziellen Website. extern

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Dieses Thema im Programm:

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