Stand: 23.01.2019 09:15 Uhr

Kolumne: Nur eine Minute

von Inga von Thomsen
Bild vergrößern
Kirchenredakteurin Inga von Thomsen hat die App "Zeit für Freiräume" abonniert.

"Hallo, hast du Zeit für eine kurze Unterbrechung?" Eine Nachricht poppt auf meinem Handy auf. Eigentlich mache ich gerade etwas ganz anderes. Schnell weggeklickt, arbeite ich weiter. Am nächsten Tag passiert das wieder. Als ich gerade dabei bin, die Nachricht wegzuwischen, halte ich inne. Absender ist kein Mensch, den ich kenne. Sondern es handelt sich um eine App-Benachrichtigung - eine Anwendung, die ich selber installiert und eingestellt habe. Sie soll mich erinnern! Ich klicke auf die Nachricht und öffne die App: "XRCS" steht etwas ominös in der Bezeichnung - eine Abkürzung für "exercise", also Übung. Entwickelt hat diese Software die Landeskirche Hannovers im Rahmen des Mottojahres "Zeit für Freiräume".

App bietet Denkanstöße für den Alltag

Bewusst soll diese App meinen Alltag unterbrechen, auf zwei verschiedene Weisen. Zum einen als Inspiration - eine kurze Frage, die mich zum Nachdenken auffordert, wie "Wer hat heute dein Frühstück zubereitet?" Das kann ich leicht beantworten, denn das macht morgens mein Mann, während ich unter der Dusche stehe. Bei der Frage "Achte auf die Gegenwart Gottes. Kannst du sie wahrnehmen?", gerate ich dagegen ins Schleudern. Um mich mal eben darauf einzulassen, ist mir das spontan zu komplex. Ich speichere die Frage ab, um mich später damit zu beschäftigen. Dieser andere Modus heißt Exerzitien und steht in der alten christlichen Form der spirituellen Übungen. Mir als Anfängerin zu umfangreich, um mich mal eben und ohne Anleitung darauf einzulassen. Ich schalte wieder um auf die Inspirationen.

Eine Minute, das regt die App an, könnte ich mir doch Zeit nehmen für jede der inspirierenden Fragen. Ob ich sie ein-, zwei- oder dreimal am Tag erhalten möchte sowie den ungefähren Zeitraum kann ich einstellen. Trotzdem merke ich nach einigen Tagen, dass mich die Fragen rausreißen und ich es nicht schaffe, spontan zu antworten. Warum ist das so? Ich stelle fest, ich benötige einen festen oder geplanten Zeitpunkt, um mich damit zu beschäftigen. So gut mir die Idee gefällt, ein engerer Rahmen täte mir gut. Hätte ich vorher gar nicht nicht erwartet.

Aber ich möchte versuchen, einen Weg finden, um diese wunderbaren Denkanstöße im Alltag unterzubringen. Vielleicht beantworte ich die Fragen während der morgendlichen Bahnfahrt. Oder ich schreibe etwas darüber auf meinem Blog, um mehr Zeit zum Reflektieren zu haben. Damit die Beschäftigung damit wirklich eine "Zeit für Freiräume" wird. Denn: Es ist ein wunderbares Motto, finde ich. Ein Herz der Liebe für diese gute Idee und die Anstöße.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr