Stand: 30.01.2019 16:30 Uhr

Die Angst vor Boko Haram sitzt tief

von Udo Schmidt

In dieser Woche schaut NDR Info auf die Lage im Nordosten Nigerias. Dort terrorisiert die islamistische Terrorgruppe von Boko Haram seit vielen Jahren die Bevölkerung. Sieben Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Fast zwei Millionen Nigerianer sind Flüchtlinge im eigenen Land. Sie mussten ihre Dörfer nach Angriffen der Islamisten verlassen und leben jetzt in Lagern etwa am Rande der Provinzhauptstadt Maiduguri. Dort werden sie unter anderem von der Hilfsorganisation Plan International betreut. Udo Schmidt war vor Ort.

"Boko Haram" - dieser Name, den die Menschen im Nordosten Nigerias der Terrorgruppe vor Jahren gegeben haben und der "Westliche Bildung ist Sünde" bedeutet, dieser Name legt sich schwer über das Leben in der Provinzhauptstadt Maiduguri.

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Die Nigerianerin Hauwa Adamu konnte sich vor der Gewalt von Boko Haram in Sicherheit bringen.

Hauwa Adamu sitzt mit sehr traurigem Blick unter einem schattenspendenden Baum am Stadtrand Maidiguris und ist froh, dass ihr als Binnenflüchtling hier geholfen wird. Sie lernt gerade, noch besser und nahrhafter zu kochen, mit lokalem Gemüse, und ihre Kinder besser zu versorgen. Über Boko Haram und die Gründe ihrer Flucht mag die 31-Jährige kaum sprechen. Sie wolle nicht schon wieder weinen, sagt sie - und erzählt dann doch: "Ich bin mit meinen sechs Kindern aus unserem Ort Cubio geflüchtet, vor Boko Haram. Mein Mann ist wegen seines Ladens dort geblieben. Hier sind wir erst in einem Zeltlager für Flüchtlinge untergekommen und dann bei Verwandten." Ihre beiden Geschwister seien getötet worden.

"Boko Haram hat uns vertrieben"

Nicht weit von Hauwa sitzt Salima Yussuf auf einem weißen Plastikstuhl. Sie ist erst 16 Jahre alt und bereits Mutter - frühe Ehen sind im Norden Nigerias normal und häufig sogar gewünscht. Salima möchte gerne reden, über ihre Flucht und darüber, dass es ihr jetzt in Maidiguri gut geht. Aber sie schafft es nicht so recht. "Boko Haram hat uns vertrieben", sagt sie leise, flüsternd. Dann schaut sie zu Boden - mehr möchte sie nicht gefragt werden.

Tipps für das Leben

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Fatima verbessert die Kochkünste der geflüchteten Frauen.

Fatima Yagana steht in ein rotes Tuch gehüllt, das auch als Hijab dient und ihren Kopf bedeckt, neben ihrer Kollegin, die einer Gruppe Frauen gerade erklärt, dass sie während einer Schwangerschaft zum Arzt gehen müssen. Es geht hier um Lebenspraktisches, um das Großziehen von Kindern, um gute Ernährung: "Wir zeigen ihnen die verschiedenen Arten der Zubereitung, mit lokalen Zutaten, sodass die Kinder es auch essen."

Im Camp ist es sicher

Jafari Calvin kümmert sich ebenfalls im Auftrag von Plan International um die geflüchteten Frauen. Die Angst vor Boko Haram lasse einen hier nie los, sagt sie: "Das ist schon ein bisschen zum Fürchten, manchmal kann ich nicht schlafen. Abends hört man Schüsse, manchmal Explosionen. Aber hier im Camp ist es sicher. Ich hoffe, es bleibt so", sagt Jafari Calvin.

Dann wird es laut. Luftballons werden an die Kinder verteilt, es sind wohl nicht genug für alle da. Also wird lachend gestritten. Es ist so etwas wie ganz normaler Alltag. Der Streit um Luftballons ist angesichts der anhaltenden Bedrohung durch Boko Haram ein Grund zur Freude.

Weitere Informationen

Jahrelang in den Händen von Boko Haram

Hauwa Mohammad ist als Schulmädchen von der Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria verschleppt worden. Nach vier Jahren kann sie flüchten. Nun berichtet sie von der Gefangenschaft. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 31.01.2019 | 06:20 Uhr