Stand: 07.11.2016 08:24 Uhr

Niedersachsen-Derby verläuft ohne Krawalle

An 108 Fußball-Chaoten ist das mit 2:2 unentschieden ausgegangene Zweitliga-Spiel Eintracht Braunschweig gegen Hannover 96 einfach vorbeigezogen. Während die Fans beider Lager das Spiel am Sonntag im Stadion verfolgten, mussten die 108 noch bis zum Abend in Langzeitgewahrsam sitzen. Die Polizei hatte die 96-Anhänger am Freitagabend vor einer geplanten Massenschlägerei mit Braunschweigern in Hildesheim festgesetzt. Rund um das Eintracht-Stadion in Braunschweig waren Krawalle ausgeblieben, auch die Rückreise der Fans verlief friedlich. Einzig im Stadion kam es zu einem Zwischenfall: Zu Beginn der zweiten Halbzeit zündeten Fans Pyrotechnik, das Spiel musste zwischenzeitlich unterbrochen werden. Nach dem Derby brachten Busse die 96-Anhänger vom Stadion zu den Zügen am Hauptbahnhof in Braunschweig. Manche wurden auch direkt nach Hannover gefahren. Die Rückreise der Fans vom Eintracht-Stadion in Richtung Hannover sei ihm geradezu gespenstisch vorgekommen und habe an einen Schweigemarsch erinnert, sagt Martin Ackert von der Bundespolizei NDR 1 Niedersachsen. Rund 2.000 Braunschweiger Polizisten waren am Sonntag im Einsatz, hinzu kamen 564 Einsatz- und Spezialkräfte der Bundespolizei.

"Das ist wie in einer Haftzelle"

Für die 108 Fußball-Chaoten, die während des Spiels in Gewahrsam waren, war es ein eher trister Nachmittag: "Das ist wie in einer Haftzelle", sagte Holger Hilgenberg, Sprecher der Polizei Hannover. Ihre Handys seien ihnen abgenommen worden und einen Fernseher gebe es auch nicht. Für die Polizei sei es ein Erfolg, dass zum einen die Auseinandersetzung verhindert werden konnte und dass die 108 Personen für das Fußballspiel aus dem Verkehr gezogen wurden, so Hilgenberg. Wenn weniger potenzielle Gewalttäter unterwegs seien, sei das Gefahrenpotenzial zumindest reduziert. Der Langzeitgewahrsam sei eine reine Maßnahme zur Gefahrenabwehr, sagte Hilgenberg. Dadurch solle verhindert werden, dass die Fußball-Chaoten rund um das Derby Straftaten begehen.

Aufenthaltsverbot für minderjährige Chaoten

Ursprünglich hatte die Polizei bei dem Großeinsatz vor der Massenschlägerei am Freitagabend 170 Hannover-96-Anhänger festgenommen. Rund 50 wurden noch in der Nacht freigelassen, unter anderem, weil sie noch minderjährig waren. Für sie galt am Sonntag ein Aufenthaltsverbot für die Stadt Braunschweig. Die bei den Festgesetzten sichergestellten Gegenstände verdeutlichten, welches Gewaltpotenzial sich bei der Massenschlägerei entladen hätte. Es seien Schutzbewaffnungen gefunden worden, wie Handschuhe und Bandagen, die im Kampfsport genutzt werden, metallummantelte Schlagstöcke und Gegenstände, "mit denen unter Umständen schwerste Verletzungen zugefügt werden können", so Hilgenberg. Rund 200 Braunschweig-Anhänger wollten sich demnach offenbar mit ebenso vielen Chaoten aus Hannover prügeln. Die Braunschweiger hatten vermutlich vom Anrücken der Polizei Wind bekommen und waren geflüchtet.

Ein Polizist wird leicht verletzt

Um welche Gruppierung es sich bei den gewaltbereiten Fußball-Chaoten handelt, konnte Hilgenberg nicht sagen. Es sei für die Polizei nicht relevant, ob es Ultras, Hooligans oder sonstige Chaoten seien. Fakt sei, dass sie an der Massenschlägerei teilnehmen wollten. Bei dem Einsatz am Freitagabend wurde ein Polizist leicht verletzt, als er von einem flüchtenden Fußball-Chaoten mit dem Auto angefahren wurde.

Weitere Informationen

Braunschweig - Hannover: Rivalen aus Tradition

Erstmals seit 2014 treffen am Sonntag Eintracht Braunschweig und Hannover 96 aufeinander. Das Niedersachsenderby ist mehr als ein Nachbarschaftswettstreit. Die Rivalität reicht weit zurück. (02.11.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.11.2016 | 06:30 Uhr

Mehr Sport

30:00
Sportclub
02:48
Sportclub
80:18
Sportclub

DM der Formationen Standard und Latein

10.11.2018 23:20 Uhr
Sportclub