Stand: 14.10.2018 10:27 Uhr

Kiel-Coach Walter: "Wir haben noch einiges im Köcher"

Seit dem Sommer bei Holstein Kiel in der Verantwortung: Trainer Tim Walter.

Tim Walter hat im vergangenen Sommer kein leichtes Erbe beim Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel angetreten. Nach dem erst in der Relegation geplatzten Traum vom Durchmarsch in die Bundesliga und einem personellen Umbruch auf allen Ebenen ist es an dem Neuling im Profibereich, seinen Weg mit den "Störchen" zu finden. Im NDR Interview spricht der 42-Jährige über die Wundertüte Holstein Kiel, seine manchmal unbequeme Art und seinen Wechsel von der zweiten Mannschaft des FC Bayern München an die Kieler Förde.

Herr Walter, wie geht es Ihnen als Süddeutscher hier im hohen Norden?

Tim Walter: Am Anfang war es ungewohnt. Aber mittlerweile ist es meine zweite Heimat geworden. Ich fühle mich hier sehr wohl, die Menschen haben mich gut aufgenommen und inzwischen kenne ich mich auch in Kiel ganz gut aus. Mir geht's gut hier.

Welche Unterschiede gibt es denn zwischen Nord- und Süddeutschland?

Walter: Im Süden gibt es direkt ums Eck überall Berge. Wasser gibt es dort auch, aber nicht so viel wie hier. Die Mentalität der Menschen ist ein Stück weit anders, die Sprache sowieso.

Inwiefern ist die Mentalität anders?

Walter: Man kennt die Norddeutschen als eher zurückhaltend. Das kann ich nicht bestätigen. Ich habe hier sofort Unterstützung erfahren und bin sehr positiv überrascht.

Wir würden auch gerne über Sie persönlich sprechen. Was schätzen andere Menschen an Ihnen?

Walter: Das ist ganz schwer zu sagen. Über mich selber zu reden, liegt mir nicht. Ich habe es lieber, wenn andere über mich urteilen.

Würden Sie unterschreiben, dass Sie hin und wieder etwas unbequem sein können?

Walter: Definitiv. Ich sage nicht das, was alle hören wollen. Ich habe meine eigene Meinung und die versuche ich zu vertreten. Auch wenn es anderen nicht passt. Das ist meine offene und ehrliche Art. Ich möchte mich nicht verstellen. Auch wenn es manchmal angebracht wäre, sich auf die Zunge zu beißen.

Wie kommt das bei Ihren Spielern an, sind die manchmal genervt von Ihnen?

Walter: Ich bin sehr hartnäckig in Dingen, die ich einfordere. Ich weiß, dass das einige manchmal nervt. Aber es kommt ihnen am Ende zugute.

Gibt es Dinge, die Sie so richtig auf die Palme bringen?

Walter: Ja. Wenn die Bereitschaft fehlt, Leistung abzuliefern und im Training oder Spiel alles zu geben. Und wenn jemand nicht ehrlich ist. Dann kann ich schon unbequem werden. Ehrlichkeit und Vertrauen sind für mich die Basis für eine gute Zusammenarbeit.

Sie haben vor ihrem Engagement in Kiel beim FC Bayern München gearbeitet und dort die zweite Mannschaft trainiert. Große Unterschiede?

Walter: Im Gegensatz zum großen FC Bayern ist Kiel noch ein kleines Fleckchen auf der Fußball-Landkarte. Wir haben hier aber viel Entwicklungspotenzial und gewachsene Strukturen.

Mittlerweile tragen Sie seit viereinhalb Monaten die Verantwortung bei Holstein Kiel. Wie fällt Ihr Zwischenfazit nach neun Spieltagen aus?

Walter: Nur positiv. Wir spielen sehr gut Fußball und treten geschlossen auf. Uns fehlen ein paar Punkte, die machbar gewesen wären.

Sie haben zu Beginn der Saison gesagt, dass Holstein Kiel eine Wundertüte ist. Was steckt noch drin in dieser Wundertüte?

Walter: Wir haben noch einiges im Köcher. Wir müssen Woche für Woche daran arbeiten, besser zu werden. Wenn es uns künftig noch besser gelingt, immer alles in die Waagschale zu werfen, dann haben wir noch viel zu bieten.

Warum wollten Sie partout keinen Tabellenplatz als Saisonziel formulieren?

Walter: Weil mich die Tabelle nicht interessiert. Mich interessieren nur Siege. Und wenn Kiel immer gewinnt, dann kann man sich ausmalen, wo wir am Ende landen (lacht).

Das Interview führte Ina Kast, NDR Hörfunk

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 14.10.2018 | 14:30 Uhr

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