Yannick Gerhardt vom Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg © IMAGO / Treese

Arbeiter mit Torinstinkt: Yannick Gerhardt ist Wolfsburgs Trumpf

Stand: 22.10.2022 10:03 Uhr

Der VfL Wolfsburg hat sich nach schwachem Start in die Fußball-Bundesliga mit fünf sieglosen Partien in Folge zuletzt gefangen. Der Aufschwung des Werksclubs begann dabei nicht zufällig in dem Moment, als in Yannick Gerhardt ein echter Malocher aufs Feld zurückkehrte.

von Hanno Bode

Dass es im Zweitrunden-Duell des DFB-Pokals beim klassentieferen niedersächsischen Rivalen Eintracht Braunschweig keinen Schönheitspreis zu gewinnen gibt, bekamen die Bundesliga-Fußballer des VfL Wolfsburg am Dienstagabend von Beginn an zu spüren. Die Hausherren mähten jeden Grashalm im Stadion an der Hamburger Straße um und scheuten keinen Zweikampf. "Gegenhalten" hieß also die Devise für die individuell überlegenen Gäste.

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Ein Schild mit der Aufschrift "Mitfahrt nur mit Mund-Nase-Bedeckung erlaubt! Schützen Sie sich und andere!" klebt an der Zugtür eines ICE der Deutschen Bahn (DB) im Hauptbahnhof. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Karmann

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Die "Laufziege" geht voran

Und ein Wolfsburger ging dabei in puncto Einsatz- und Laufbereitschaft wie in den Vorwochen wieder voran: Yannick Gerhardt. Der 28-Jährige stopfte im zentralen Mittelfeld zuverlässig Löcher, schleppte Bälle nach vorn und tat seinen Gegenspielern im erlaubten Rahmen in den Eins-gegen-eins-Duellen weh. Die "Laufziege", wie ihn VfL-Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke liebevoll ruft, hatte damit großen Anteil am 2:1-Erfolg des Meisters von 2009.

Erster Saisoneinsatz am sechsten Spieltag

Auch wenn die Schlagzeilen nach dem mühsamen Einzug ins Achtelfinale diesmal anderen gehörten, hatte Gerhardt seinen Wert für Wolfsburg wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die ersten fünf Bundesliga-Spieltage hatte der aus dem nordrhein-westfälischen Würselen stammende Mittelfeldallrounder wegen einer Knieverletzung verpasst. Der VfL gewann keine der Partien.

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Wolfsburgs Yannick Gerhardt (r.) und Braunschweigs Keita Endo kämpfen um den Ball. © picture alliance/dpa | Swen Pförtner

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In Runde sechs gab Gerhardt sein (wenn auch nur einminütiges) Comeback in der Auswärts-Begegnung bei Eintracht Frankfurt, die mit 1:0 gewonnen wurde. Die Wende? Mitnichten. Das Spiel danach verloren die Niedersachsen bei Union Berlin mit 0:2, bevor Coach Niko Kovac die "Laufziege" von Beginn an laufen ließ.

Teamkameraden rufen Gerhardt jetzt "The Legend"

In den vergangenen drei Spielen stand der 28-Jährige jeweils über die ganze Distanz auf dem Rasen und zeigte dabei nicht nur sein altbekanntes Kämpferherz, sondern auch ganz neuen Vollstrecker-Qualitäten. Sowohl gegen den VfB Stuttgart (3:2), FC Augsburg (1:1) und Borussia Mönchengladbach (2:2) war Gerhardt jeweils einmal erfolgreich. Damit hat er nun bereits einen persönlichen Rekord aufgestellt. Denn zuvor lag sein Karriere-Bestwert bei zwei Saisontreffern.

Kein Wunder also, dass seine Teamkameraden Gerhardt einen neuen Spitznamen verpasst haben. "Er ist jetzt 'The Legend'. Er hat so ein Gespür für diese Tor-Situationen", erklärte VfL-Kapitän Maximilian Arnold der "Bild".

Sportdirektor Schäfer: "Er ist Gold wert für diesen Verein"

Eine Vereinslegende ist Gerhardt auch für Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer. Allerdings nicht wegen seiner Tore. "Er identifiziert sich zu 100 Prozent mit diesem Club. Und das wird manchmal total unterschätzt. Er ist Gold wert für diesen Verein, weil er einfach Arbeit, Fußball, Leidenschaft (das Vereinsmotto, d.Red.) im Herzen trägt", sagte der 38-Jährige dem NDR.

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Der Werksclub hat vor rund eineinhalb Jahren gut daran getan, den Kontrakt mit Gerhardt bis 2025 zu verlängern. Auf den Mittelfeld-Allrounder, der sowohl auf der "Sechs", "Acht" als auch "Zehn" spielen kann, war seit seinem Wechsel vom 1. FC Köln 2016 zum VfL stets Verlass.

Trifft Gerhardt auch in Leverkusen?

153 Mal lief der Bruder der Bundesliga-Spielerin Anna Gerhardt (Turbine Potsdam) inzwischen für die "Wölfe" in der Beletage auf. Heute in der Partie bei Bayer Leverkusen (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR) wird ziemlich sicher Einsatz 154 folgen. Und dann ja vielleicht auch der vierte Erstliga-Treffer in Folge?

"Ich genieße diesen Moment. Denn es ist etwas Besonderes, Tore zu schießen", erklärte der 28-Jährige. Doch selbst, wenn seine Serie unterm Bayer-Kreuz reißen sollte, wird er sich um seinen Stammplatz wohl keine Sorgen machen müssen. "Yannick Gerhardt fährt nach meiner Ansicht in der Bundesliga immer etwas unter dem Radar. Er ist ein sehr intelligenter Spieler, ein sehr guter Fußballer, ein Teamplayer mit einem sehr guten Charakter", adelte Coach Kovac seinen Mittelfeldakteur.

Mögliche Aufstellungen:

Bayer Leverkusen: Hradecky - Kossounou, Tah, Tapsoba - Frimpong, Andrich, Aranguiz, Sinkgraven - Diaby, Hudson-Odoi - Schick
VfL Wolfsburg: Casteels - Baku, Lacroix, van de Ven, Paulo Otavio - Arnold - Svanberg, Gerhardt - Paredes, Kaminski - L. Nmecha

Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 22.10.2022 | 13:00 Uhr

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