HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld vor dem Volksparkstadion © Witters

Wüstefeld, der HSV und die Woche der Wahrheit

Stand: 22.09.2022 08:20 Uhr

HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld steht stark unter Druck. Ein Ausschuss innerhalb des Vereins soll ermitteln, ob er bei seinen akademischen Titeln betrogen hat. Gleichzeitig muss der 53-Jährige bei der Stadt Hamburg für die dringend benötigte Bürgschaft für die Stadionsanierung werben.

Es könnte die Woche der Wahrheit für Thomas Wüstefeld und auch den Fußball-Zweitligisten werden. Gremienvertreter aus dem Ehren- und Seniorenrat des HSV sollen von Wüstefeld Unterlagen erhalten, um zu prüfen, ob die vom "Hamburger Abendblatt" recherchierten Zweifel an seinen akademischen Titeln "Prof. Dr." berechtigt sind, oder nicht.

Hinzu kommen die massiven Vorwürfe im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Medizinunternehmer. Es geht um Millionenklagen, eine mögliche Strafanzeige wegen Untreue und angeblich illegal verkaufte Medizinprodukte. Unter dem Aktenzeichen 415 HKO 44/21 verhandelt das Landgericht Hamburg einen Wettbewerbsverstoß. Der Finanzvorstand des Hamburger SV hat alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Wüstefeld als angeschlagener Bittsteller bei der Stadt

Als solcher wird der 53-Jährige heute beim Haushaltsausschuss der Hamburger Bürgerschaft vorstellig, um über den Stand der Sanierung des Volksparkstadions zu berichten, in dem 2024 fünf EM-Spiele angepfiffen werden sollen. Wüstefeld tritt an als extrem angeschlagener Bittsteller, der einen Bürgen für das Darlehen in zweistelliger Millionenhöhe des HSV-Hauptsponsors HanseMerkur braucht.

VIDEO: Kann sich der HSV den Vorstand Wüstefeld noch leisten? (5 Min)

Schwer vorstellbar, dass er mit einer Zusage aus dem Rathaus geht. "In der jetzigen Gemengelage halte ich eine Bürgschaft für ausgeschlossen", sagte der haushaltspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Thilo Kleibauer, dem "Hamburger Abendblatt". Auch sein SPD-Kollege Milan Pein sagte: "Der HSV täte allein aus Imagegründen gut daran, sich um eine Lösung in der freien Wirtschaft zu bemühen."

Millionen für Stadiongrundstück sind weg

Die Verärgerung in weiten Teilen der Politik über den Umgang des HSV mit den Einnahmen aus dem Stadiongrundstücksverkauf ist groß. Die Stadt Hamburg hatte dem Traditionsclub vor zwei Jahren für 23,5 Millionen Euro das Grundstück abgekauft, auf dem das Volksparkstadion steht. Der HSV sollte das Geld eigentlich für die Sanierung des Stadions verwenden, die bis zu 40 Millionen Euro kosten soll. Tatsächlich aber steckte der Zweitligist die Millionen in den laufenden und während der Corona-Pandemie sehr verlustreichen Geschäftsbetrieb und muss die Stadionsanierung nun aus anderen Quellen finanzieren.

Weitere Informationen
Montage: Die HSV-Spieler (v.l.) Moritz Heyer, Jean-Luc Dompé, Daniel Heuer Fernandes und Robert Glatzel © picture alliance/Witters

HSV überragt alle - Das Daten-Zwischenzeugnis der Zweiten Liga

Die Hamburger führen die Tabelle nach neun Spieltagen nicht zufällig an. Die Daten zeigen ihre aktuelle Übermacht deutlich auf. mehr

Berichte über abspringende Sponsoren hat der HSV dementiert, doch die Gemengelage mit vielen Baustellen, die ein belasteter Vorstand abarbeiten soll, ist explosiv und lässt wieder einmal das Sportliche in den Hintergrund rücken, wo das Team von Trainer Tim Walter gerade die Tabellenspitze erobert hat.

"Der HSV muss Transparenz herstellen", sagte Dennis Paustian-Döscher, der haushaltspolitische Sprecher der Grünen. Anders formuliert: Thomas Wüstefeld muss Transparenz herstellen.

Weitere Informationen
Thomas Wüstefeld © Witters

HSV: Wieder Wirbel um Wüstefeld - Aufsichtsrat gefordert

Obwohl es auf dem Platz für Zweitliga-Spitzenreiter HSV rund läuft, steht Vorstand Thomas Wüstefeld im Mittelpunkt der Berichterstattung. mehr

Hamburgs Sportsenator Andy Grote © Witters

HSV-Stadionsanierung: Stadt prüft Bürgschaft - "Hürden sehr hoch"

Es geht um den 23-Millionen-Euro-Kredit des Hauptsponsors des Fußball-Zweitligisten. Sportsenator Andy Grote äußerte sich auch zum 120-Millionen-Angebot von Milliardär Kühne. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 21.09.2022 | 15:17 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

HSV

2. Bundesliga

Mehr Fußball-Meldungen

Werders Profis feiern ein Tor. © IMAGO / foto2press

Ducksch und Füllkrug treffen - Werder Bremen schlägt Hoffenheim

Das Bremer Sturmduo zeigte sich vor dem Augen von Bundestrainer Hansi Flick in Sinsheim eiskalt vor dem Tor. mehr