Diskussionen rund um eine Schiedsrichter-Entscheidung beim DFB-Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und Werder Bremen © IMAGO/Ulrich Hufnagel

Werders Pokal-Frust - und schon wieder Videobeweis-Diskussionen

Stand: 20.10.2022 15:15 Uhr

Das Zustandekommen des Ausscheidens in der zweiten Runde des DFB-Pokals in Paderborn sorgt bei Werder Bremen für Frust. Nach Eingreifen des vierten Offiziellen war ein Tor der Hanseaten annulliert worden. Aber warum gibt es eigentlich keinen Videobeweis, obwohl es möglich wäre?

von Florian Neuhauss

Auch mit ein wenig Abstand wusste Werder-Coach Ole Werner noch nicht so recht, wie es zu der Entscheidung kommen konnte. "Ich kann sie nicht verstehen", sagte der Fußball-Lehrer nach der 4:5-Niederlage im Elfmeterschießen (0:2, 2:2, 2:2). "Der Schiedsrichter hat eigentlich perfekte Sicht, steht zehn Meter daneben und gibt das Tor. Dann wird das von der Seitenlinie wieder revidiert. So etwas habe ich noch nie erlebt."

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Bremens Leonardo Bittencourt ist enttäuscht. © IMAGO / Ulrich Hufnagel

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Am Mittwochabend hatte Bremens Niclas Füllkrug in der ersten Hälfte der Verlängerung das vermeintliche Tor zum 3:2 der Hanseaten erzielt. Schiedsrichter Frank Willenborg entschied zunächst auf Tor, nahm dies aber nach Rücksprache mit dem vierten Offiziellen Frederick Assmuth zurück, da es zuvor ein Foul eines Bremer Spielers gegeben haben soll.

Das Problem: Einen Videobeweis gibt es im DFB-Pokal erst ab dem Achtelfinale. Das hat der DFB so festgelegt, weil es in den Stadien der unterklassigen Mannschaften in der Regel nicht die nötigen technischen Voraussetzungen für die Überprüfung durch bewegte Bilder gibt.

Braucht es im Pokal eine Regeländerung?

Das Stadion in Paderborn jedoch hätte natürlich die Voraussetzungen geboten - und so fragte Füllkrug Richtung Assmuth: "Es war ein Getümmel mit 21 Spielern, wie will er das aus 50 Metern sehen?" Und weiter sagte der verhinderte Torschütze: "Der DFB muss überlegen, ob es sinnvoll ist, ohne Videoassistent zu spielen, obwohl es möglich ist in so einem Stadion. Das gibt ja keinen Nachteil."

"Sie verlassen sich zu sehr auf den Videobeweis und können gar nicht mehr selbst entscheiden." Werder-Spieler Leonardo Bittencourt

In der Tat schadet es niemandem, wenn in dem einen Stadion ein Videoassistent zugeschaltet ist, während es in dem anderen, kleinen Amateur-Stadion dieses technische Hilfsmittel nicht gibt. Auch im Achtelfinale wird es immer wieder Überraschungsclubs geben, in deren Stadien im Alltag kein Videobeweis zum Einsatz kommt.

Füllkrugs Mitspieler Leonardo Bittencourt meint derweil, noch ein anderes Problem erkannt zu haben. "Ich habe so etwas das Gefühl, sie verlassen sich zu sehr auf den Videobeweis und können gar nicht mehr selbst entscheiden", sagte Bittencourt der ARD.

Das mag überspitzt formuliert sein. Allerdings ist es in der Bundesliga längst gängige Praxis, eine Szene lieber länger laufen zu lassen - und Tore oder Abseitsstellungen gegebenenfalls vom Videoassistenten korrigieren zu lassen.

Kwasniok: "Ich trinke auf jeden Fall mehr als die Jungs"

Lukas Kwasniok interessierte die Diskussion nach dem Abpfiff allenfalls am Rande. "Wenn du 60 Meter Luftlinie hast als Trainer, dann solltest du dich etwas zurückhalten", sagte Paderborns Coach zu Werders Beschwerden. Und ließ dabei außer Acht, dass der vierte Offizielle mitnichten dichter dran stand als die beiden Cheftrainer - geschweige denn auch nur im Ansatz so dicht wie der Schiedsrichter. Kwasniok hatte allerdings ganz anderes im Sinn. Bei "Sky" kündigte er an: "Ich weiß nicht, wie viel die Jungs trinken - ich auf jeden Fall mehr."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 19.10.2022 | 23:03 Uhr

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