Zwei Bagger auf dem Rasen an der Lübecker Lohmühle. © IMAGO / Nordphoto

VfB Lübeck: Aufbruch an der Lohmühle direkt nach dem Abstieg

Stand: 18.05.2021 13:29 Uhr

Der VfB Lübeck ist nach nur einem Jahr Dritte Liga wieder im Amateurfußball angekommen. Die Enttäuschung ist riesig, die Gründe sind vielschichtig. Trotz aller Trauer verliert der Traditionsclub keine Zeit beim Neuaufbau.

von Matthias Heidrich und Rudi Dautwitz

Die Szenerie an der Lübecker Lohmühle wirkte skurril: Der VfB-Abstieg in die Regionalliga war nach der Pleite gegen Zwickau gerade erst besiegelt, alle Lübecker wandelten im Tal der Tränen über den Rasen, als die VfB-Zukunft auf selbigem begann. "Mir blutet das Herz, wenn ich die Bagger auf dem Feld sehe, und sehe, dass hier ein neues Spielfeld mit Rasenheizung entsteht, mit allem was dazugehört", sagte Trainer Rolf Landerl im NDR Interview.

Neuer Rasen an der Lohmühle

Wie geplant, schickte der Verein nur Minuten nach dem Abpfiff den ersten Bautrupp auf den Platz, um die Lohmühle Profifußball-tauglich zu machen. Die Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) schreiben für Drittligisten eine Rasenheizung vor, Lübeck durfte ein Jahr mit einer Ausnahmegenehmigung spielen.

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Landerl war die Verbitterung anzumerken bei dem Gedanken, dass in der nächsten Saison mit Unterstützung vom Land Schleswig-Holstein ein niegelnagelneuer Rasenteppich für das VfB-Team bereitliegen wird, den seine Elf gut hätte gebrauchen können. "Für eine Mannschaft, die gerne den Ball laufen lässt, hat uns der Platz nicht immer in die Karten gespielt", formulierte es der Trainer noch diplomatisch.

"Der Verein und die grün-weißen Farben haben einen fixen Platz in meinem Herzen." Der scheidende VfB-Trainer Rolf Landerl

Für den 45-Jährigen, der nach fünf Jahren in Lübeck seinen Hut nehmen muss, einer von vielen Gründen, warum es für den Traditionsclub aus Schleswig-Holstein direkt zurück in die Regionalliga geht. "Es ist ein Stück weit ein Lehrjahr geworden. Wir sind öfters an Kleinigkeiten gescheitert."

Landerl: "Heikel, wenn 26 Verträge auslaufen"

Landerls Liste der "Kleinigkeiten" ist lang: mangelnde Chancenverwertung auf dem Platz, die späte Zusammenstellung des Kaders, interne Querelen (Beispiel Florian Riedel), Druck im Umfeld, schlechte Trainingsmöglichkeiten und die Vereins-Politik der Einjahresverträge.

"Es ist natürlich eine heikle Geschichte, die notwendige, hundertprozentige Identifikation aufzubauen, wenn 26 Verträge auslaufen", so Landerl. "Ich verstehe aber natürlich die Vereinsseite."

Boland und Grupe noch gebunden

Mit Mirko Boland und Kapitän Tommy Grupe haben nur zwei Stammspieler noch laufende Arbeitspapiere beim VfB. Eine neue Mannschaft aufzubauen, wird an der Lohmühle eine Herausforderung, zumal der Etat für die kommende Regionalliga-Saison kleiner sein wird, als der aus dem Aufstiegsjahr.

"Es tut mir unfassbar leid für die Zuschauer, die sich nach schwierigen Zeiten Drittliga-Fußball so sehr gewünscht, danach gelechzt haben. Das tut unglaublich weh, das ist kacke." VfB-Routinier Mirko Boland

Der Club hat hart an den Folgen der Corona-Pandemie zu knabbern. Mit 4.900 Zuschauern im Schnitt hatte der VfB bei Heimspielen geplant, was 1,1 Millionen Euro in die Vereinskasse gespült hätte. Letztlich durfte außer zu Beginn der Serie ein paar Hundert niemand ins Stadion kommen. Auf der anderen Seite schlugen rund 200.000 Euro Extrakosten für die zu erfüllenden Hygienemaßnahmen (Tests, Anreise zu Auswärtsspielen per Charterflügen etc.) zu Buche. Corona-Hilfe vom Land bekamen die Lübecker anders als andere Clubs nicht, da der VfB in den Vergleichsmonaten in 2019 noch in der Regionalliga gespielt hatte.

Schikorra: "Dritte Liga als Ziel nicht aus den Augen verlieren"

So hatte es zum Teil auch wirtschaftliche Gründe, warum in der Winterpause nicht in die Mannschaft investiert wurde, um die Qualität zu erhöhen. Auf der anderen Seite war es aber auch eine bewusste Entscheidung des Clubs, der das Geld lieber in Steine statt Beine gesteckt hat.

"Mit der verbesserten Infrastruktur und der deutlich verbreiterten Sponsorenbasis haben wir ein gutes Fundament für einen erfolgreichen Neuaufbau", sagte der Vorstandsvorsitzender Thomas Schikorra. "Die Dritte Liga als Ziel werden wir nicht aus den Augen verlieren." Aufsichtsratschef Oliver Bruss ergänzte: "Ich habe schon vor einigen Jahren gesagt, dass es kein Sprint ist, sondern ein Marathonlauf, einen Verein im Profifußball zu etablieren."

Gespräche mit Trainer-Kandidaten geführt

Kurzfristig muss zunächst einmal ein Ersatz für Trainer Landerl her, der, so die bittere VfB-Realität, für die Regionalliga zu teuer ist. "Es wurden bereits Gespräche geführt", sagte Vorstand Florian Möller dem NDR. Wer das sein kann und wann der Nachfolger präsentiert wird, ist offen.

Sicher ist, dass der Neue auch einen neuen Rasen zum Saisonstart an der Lohmühle vorfinden wird. Der alte ist dann Geschichte, soll vorher aber noch zum Neuaufbau beitragen. Fans können einzelne Rasenstücke kaufen und so ein bisschen Geld in die klamme Clubkasse fließen lassen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.05.2021 | 19:30 Uhr

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