Michael Schiele bei der Braunschweiger Aufstiegsfeier © IMAGO / Hübner

Teamcheck Eintracht Braunschweig: Raus aus dem Fahrstuhl

Stand: 08.07.2022 09:02 Uhr

Eintracht Braunschweig ist zurück in der zweiten Fußball-Bundesliga. Nach dem Wiederaufstieg wurde der Kader punktuell verstärkt. Auch zwei Rückkehrer sollen dafür sorgen, dass den Niedersachsen der Klassenerhalt gelingt. Der Teamcheck.

So lief die vergangene Saison

Die direkte Rückkehr in die Zweite Liga nach dem Abstieg 2021 war für Eintracht Braunschwieg kein Muss, das Projekt Wiederaufstieg eigentlich auf zwei Jahre angelegt. Doch der aufstiegserfahrene Coach Michael Schiele und Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann hatten ein Team mit Potenzial zusammengestellt, das sich in vielen Phasen der Saison in einer stabileren Verfassung zeigte als die Konkurrenz.

Zwar gab es zunächst Rückschläge wie das 0:4 im ersten Heimspiel gegen Aufsteiger Viktoria Berlin und das frühe Aus im Landespokal gegen Regionalligist VfV Hildesheim, doch ab dem 17. Spieltag stand die Eintracht in der Drittliga-Tabelle immer unter den Top 3.

Die Aufstiegs-Entscheidung fiel dann kurios: Der BTSV hatte den ersten "Matchball" mit einer 2:3-Niederlage beim SV Meppen vergeben. Doch einen Tag später patzte Konkurrent Kaiserslautern in seinem letzten Spiel - den "Löwen" war Rang zwei nicht mehr zu nehmen. Zur spontanen Aufstiegsfeier im Stadion an der Hamburger Straße, wo das Team die Partie am TV verfolgt hatte, strömten mehr als 2.000 Fans.

Kader: Die Aufstiegshelden gehalten

Eine große Personalrochade wie ein Jahr zuvor gab es diesmal nicht. Einziger namhafter Abgang ist Martin Kobylanski. Der 28-Jährige, in der vergangenen Saison meist nur Reservist, wechselte zu 1860 München. Dafür wurde Angreifer Luc Ihorst, bislang nur von Werder Bremen ausgeliehen, fest verpflichtet. Insgesamt holten die "Löwen" bislang sieben neue Spieler.

Mit Fabio Kaufmann und Saulo Decarli kehren zwei Akteure zurück, die früher bereits das Trikot der Eintracht trugen. Innenverteidiger Decarli, der von 2014 bis 2017 in Diensten der Eintracht stand, kam ablösefrei vom Bundesligisten VfL Bochum. Mittelfeldspieler Kaufmann, 2020/2021 beim BTSV, war zuletzt beim Zweitligisten Karlsruher SC unter Vertrag. Er soll mehr Tempo und Torgefahr ins Eintracht-Spiel bringen. Mit Torhüter Ron-Thorben Hoffmann (Bayern München, zuletzt an den englischen Drittligisten AFC Sunderland ausgeliehen) bekommt Stammkeeper Jasmin Fejzic Konkurrenz.

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Von RB Leipzig wurde der erst 19 Jahre alte Offensivakteur Mehmet Ibrahimi ausgeliehen. In Immanuel Pherai kommt zudem ein kreativer Kopf fürs Mittelfeld. Der 21-jährige Niederländer machte in der vergangenen Saison 31 Drittliga-Spiele für die Zweitvertretung des BVB, sowie ein Bundesligaspiel für die Dortmunder Profis. Für die linke Abwehrseite verpflichtete die Eintracht den 24 Jahre alten Anton Donkor.

Trainer Schiele: "Haben eine super homogene Mannschaft"

Noch ist der Kader nicht final zusammengestellt, gesucht werden noch ein Linksaußen, ein Stürmer und ein Innenverteidiger. Aber BTSV-Coach Schiele gab sich in der "Braunschweiger Zeitung" dennoch zuversichtlich: "Ich habe keine Bedenken, mit dieser Mannschaft auch ins erste Spiel zu gehen." Sein Team sei "auf einem guten Stand".

Zum Abschluss des Trainingslagers im baden-württembergischen Lautenbach gab es eine 0:1-Niederlage gegen den luxemburgischen Erstligisten Hesperange. Zuvor hatten die Braunschweiger alle fünf Vorbereitungspartien gegen unterklassige Teams gewonnen (Torverhältnis: 41:0). Und auch am Mittwoch siegte die Eintracht im Test gegen den Europa-League-Teilnehmer 1. FC Union Berlin mit 1:0. Torschütze: Neuzugang Pherai (55.). Das im vergangenen Jahr hervorragende Teamgefüge stimme erneut, hob Schiele hervor: "Wir haben eine super homogene Mannschaft."

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Schwere Aufgaben zu Saisonbeginn

Zuletzt hatte sich Eintracht Braunschwieg den zweifelhaften Ruf der Fahrstuhlmannschaft eingehandelt. Konstanz? Fehlanzeige! Zeitweise drohte sogar die Gefahr eines Totalabsturzes in die Viertklassigkeit. Nun haben sich die "Löwen" sportlich und finanziell wieder in ruhigere Gefilde bugsiert. Dieses Mal hat die Sportliche Leitung bei der Zusammenstellung des Kaders auch einen anderen Weg gewählt als in den Vorjahren.

"Die Aufstiegs-Euphorie müssen wir mitnehmen." Eintracht-Coach Michael Schiele

Anstatt fast das gesamte Personal auszutauschen, vertrauen Vollmann & Co. nun vermehrt ihren Aufstiegshelden. Fast alle Schlüsselspieler konnten gehalten werden. In der Zweiten Liga wird es für die Eintracht einzig und allein um den Klassenerhalt gehen.

"Die Aufstiegs-Euphorie müssen wir mitnehmen", setzt Schiele beim Liga-Neuling auf einen psychologischen Effekt zum Saisonstart. Der hat es allerdings in sich: Der BTSV empfängt zum Auftakt am 17. Juli (13.30 Uhr) den HSV zum Nordduell an der Hamburger Straße. Anschließend warten in Heidenheim, Darmstadt, Kiel und Düsseldorf, Bielefeld und Nürnberg weitere Schwergewichte der Liga. Eine Niederlagenserie könnte sich als schwerer Rucksack für den weiteren Saisonverlauf erweisen.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 08.07.2022 | 15:17 Uhr

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