Stand: 22.04.2019 11:19 Uhr

St.-Pauli-Krise: Kommt nun der große Umbruch?

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In der Krise: Marvin Knoll hat mit dem FC St. Pauli seit sechs Partien nicht mehr gewonnen.

Im vergangenen Sommer verzichteten die Verantwortlichen des FC St. Pauli darauf, einen personellen Schnitt zu machen, obgleich die Saison für den Hamburger Fußball-Zweitligisten enttäuschend verlaufen war. Stattdessen wurde an anderen Stellschrauben wie den Trainingsbedingungen und der Videoanalyse gedreht. Zunächst mit Erfolg. Der Kiezclub gehörte bis vor wenigen Wochen zu den heißen Aufstiegsanwärtern. Doch nach zuletzt teils indiskutablen Auftritten wie gegen den HSV und Sandhausen (jeweils 0:4) sowie nun in Heidenheim (0:3), verbieten sich für die Hanseaten eigentlich jegliche Gedanken an einen Sprung ins Oberhaus.

"Wir haben seit ich weiß nicht wann keine vernünftigen 90 Minuten mehr auf den Rasen gebracht. Und wenn wir gar keine Punkte mehr holen, werden wir am Ende noch Zehnter oder Elfter", befürchtete Keeper Robin Himmelmann im Gespräch mit NDR 90,3 nach der blamablen Vorstellung am Sonntag beim FCH.

Schonungslose Selbstkritik nach Heidenheim-Pleite

Nicht die Niederlage an sich war es, die St. Paulis Spielern und Verantwortlichen zu denken gab, sondern die Art und Weise, wie sie zustande kam. "Klar, der Trainer will etwas offensiver spielen - wir versuchen es. Ich verlange ja nicht, dass alles sofort funktioniert. Aber dann muss wenigstens Biss da sein, du musst wenigstens laufen und dir den Arsch aufreißen. In der ersten Halbzeit war das nicht der Fall, und dann verlierst du so ein Spiel", ging Mittelfeldmann Marvin Knoll hart mit sich und seinen Teamkameraden ins Gericht. Der neue Coach Jos Luhukay war "frustriert und auch irritiert" von der blutleeren Vorstellung seiner Equipe im ersten Durchgang. Die Aufstiegsträume seien zwar noch "im Hinterkopf", gab der 55-Jährige offen zu. "Aber man muss realistisch sein. Das, was wir jetzt von der Mannschaft sehen, ist nicht so, dass man über den Aufstieg oder Platz drei sprechen kann", sagte Luhukay NDR 90,3.

Rettig: "Möglicherweise harte Entscheidungen treffen"

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Geschäftsführer Andreas Rettig denkt über personelle Konsequenzen nach.

Also werden sie am Millerntor über andere Dinge sprechen. Beispielsweise über einen personellen Umbruch, auf den wie eingangs erwähnt im vergangenen Sommer ja bewusst verzichtet wurde. "Das wird sicherlich das eine oder andere Fragezeichen jetzt mehr aufwerfen - gar keine Frage. Da müssen wir sehen, welche Schlüsse wir daraus ziehen, möglicherweise auch harte Entscheidungen treffen - aber nicht jetzt aus der Emotion heraus", sagte Geschäftsführer und Interims-Sportchef Andreas Rettig.

Duo geht - viele Fragezeichen bleiben

Nicht ausgeschlossen also, dass der 55-Jährige und Luhukay in Bälde dem einen oder anderen Akteur einen Wechsel ans Herz legen werden. Fest stehen bis dato die Abgänge von Richard Neudecker (Ziel unbekannt) und Jeremy Dudziak (HSV), die St. Pauli allerdings gerne gehalten hätte. Die Kontrakte von Sami Allagui, Jan-Marc Schneider, Alexander Meier, Brian Koglin und Ersatzkeeper Korbinian Müller laufen aus. Ob die bis zum Saisonende ausgeliehenen Luca Zander und Justin Hoogma eine Zukunft am Millerntor haben werden, ist fraglich. Alle anderen Spieler des Kaders haben teils noch langfristige Arbeitspapiere. Aber auch eine Perspektive am Millerntor?

Kein Trainer-, sondern ein Kaderproblem

Eine personelle Blutauffrischung scheint dringend notwendig. Denn auch als die Resultate noch stimmten, wussten die Hamburger fußballerisch häufig nicht zu überzeugen. Ein Umstand, der Luhukay-Vorgänger Markus Kauczinski seinen Arbeitsplatz kostete. Präsident Oke Göttlich warf dem Ex-Coach nach dessen Entlassung öffentlich vor, Angsthasen-Fußball gespielt haben zu lassen. Unter Luhukay sollte alles besser werden. Im Idealfall ganz schnell. Doch die ersten beiden Partien unter der Ägide des Niederländers waren - mit Ausnahme des Auftritts in der zweiten Hälfte gegen Bielefeld (1:1) - ernüchternd. Ein Umstand, der eigentlich nur einen Schluss zulässt: Das Problem des FC St. Pauli war und ist nicht der Trainer, sondern ein sportlich und vielleicht auch charakterlich schlecht austarierter Kader.

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Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 28.04.2019 | 18:00 Uhr