Montage: Simon Terodde von Schalke 04 (M.) sowie die Bremer Marvin Ducksch (l.) und Niclas Füllkrug © Imago / Nordphoto/RHR-Foto/Claus Bergmann

Schalke 04 - Werder Bremen: Das Zweitliga-Topspiel im Datencheck

Stand: 23.04.2022 10:14 Uhr

Es ist das Zweitliga-Topspiel schlechthin: Tabellenführer Schalke 04 empfängt am Sonnabend den Zweiten Werder Bremen. Und nicht nur tabellarisch treffen die beiden besten Teams aufeinander, sondern auch nach den Daten. Der Teamvergleich.

von Florian Neuhauss

Dass die beiden Bundesliga-Absteiger am Ende der Zweitliga-Saison die beiden ersten Plätze belegt haben, war zuletzt 2016/2017 der Fall. Damals schafften der VfB Stuttgart und Hannover 96 die direkte Rückkehr in die Erste Liga. Fünf Jahre später könnte es wieder so sein.

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Werder Bremens Leonardo Bittencourt (l.) im Zweikampf © Witters

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Schalke und Werder haben ein bisschen gebraucht, um in Fahrt zu kommen. Bei beiden Clubs hat sich aber ein Trainerwechsel als der richtige Impuls erwiesen - von Dimitrios Grammozis zu Mike Büskens und von Markus Anfang zu Ole Werner. Mittlerweile sind die Teams laut unserer Daten die besten der Liga. Wegen ihrer Schwächephasen müssen jedoch beide im Saisonendspurt unbedingt weiter punkten - und am besten schon im Topspiel.

Vergleich der Torhüter

Schalke hat nach dem HSV die zweitwenigsten Gegentore kassiert. Großen Anteil daran hat Keeper Martin Fraisl, obwohl sein GSN-Index von 55,23 ihn lediglich als durchschnittlichen Zweitliga-Torhüter ausweist. Werders Jiri Pavlenkas GSN-Index liegt hingegen bei 69,69 - und damit an der Schwelle zwischen Bundesliga und internationaler Klasse.

Allerdings hat der Tscheche in dieser Saison bereits fünf Fehler gemacht, die zu Gegentoren führten (Fraisl zwei). Und es sprechen noch andere Zahlen gegen den 30-Jährigen, der bereits seit fünf Jahren bei den Grün-Weißen unter Vertrag steht. Mit seinem Performance-Score (54,75) belegt er im Ligavergleich nur Rang sechs, Fraisl (55,75) ist der Zweitbeste. Pavlenkas Quote bei den gehaltenen Schüssen (69,95 %) liegt unter der seines Gegenübers (71,24 %) - wobei die Qualität der Schüsse eigentlich schlechter war.

Auf der anderen Seite zeigt der Bremer auch immer wieder seine Fähigkeiten im Spielaufbau, ist besser bei der Passquote (89,66 zu 86,11 Prozent). Ganz stark: Alle Abwürfe und Kurzpässe sind bisher beim Mitspieler angekommen. Und Pavlenka ist spektakulärer, zeigt im Schnitt 1,11 Glanzparaden im Spiel, Fraisl kommt auf (0,87). Das Duell ist eins auf hohem (Zweitliga-) Niveau.
Als kompletterer Torhüter holt Pavlenka knapp den Punkt im Vergleich.

Kann Schalkes Defensive die Werder-Offensive stoppen?

Schalkes Spiel beruht auf der ballsicheren Defensive. Marcin Kaminski (Performance-Score 59,00), Malick Thiaw (60,25) und Kô Itakura (57,75) sind alle in den Top 20 der Liga bei den erfolgreichen Aktionen, Kaminski und Itakura auch bei der Passquote. Zudem wissen alle drei, sich immer wieder offensiv in Szene zu setzen. Das gilt auch auf den Außenbahnen, wo Thomas Ouwejan (59,50) und Kerim Calhanoglu (54,50) zu den Top 10 bei den Flankengebern gehören.

Allerdings ist Schalkes Defensive zweikampfschwach, sowohl innen als auch außen steht kein Spieler unter den Top 20.

Auf der anderen Seite stehen die für Stürmerverhältnisse zweikampfstarken Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug. Mit Performance-Scores von 60,75 und 59,25 sind die beiden die aktuell besten Stürmer der Liga. Schalkes Simon Terodde kommt auf 58,85 und belegt damit Rang drei - aber dazu später mehr.

Hinter Ducksch und Füllkrug hat Werder mit Romano Schmid (59,25), Leonardo Bittencourt (56,75) und Niklas Schmidt (57,11) drei der zehn besten offensiven Mittelfeldspieler der Liga in seinen Reihen. Sie können erfolgreiche Offensivaktionen kreieren und das Sturmduo gefährlich in Szene setzen.

Damit dürfte die Schalker Defensive Probleme bekommen. Allerdings sind Füllkrug und Ducksch mehr als sonst in der Arbeit gegen den Ball gefragt, um den guten Spielaufbau der "Königsblauen" zu unterbinden.
Hier geht der Punkt im Vergleich ebenfalls an Werder.

Welches Mittelfeld drückt dem Spiel den Stempel auf?

Auch im Mittelfeld stehen sich die besten Spieler der Liga gegenüber. Im defensiven Mittelfeld ist niemand besser als Werders Christian Groß (58,35). Nicolai Rapp (55,86) und Jean-Manuel Mbom (55,11) zählen auf ihren Positionen jeweils genauso zur Top 10 wie auf Schalker Seite Victor Pálsson (58,10), Reinhold Ranftl (54,11), Mehmet Aydin (55,86) und Andreas Vindheim (57,36).

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Aydin führt die Statistik der erfolgreichen Defensiv-Aktionen mit 13,09 pro Spiel vor Vindheim (10,91) an. Dass so viele Angriffe der Schalker auf der rechten Seite ihren Ursprung haben, kommt nicht von ungefähr: Vindheim mit 6,82 abgefangenen Bällen pro Spiel, Aydin (6,68) und Ranftl (5,30) belegen hier ligaweit die ersten drei Plätze.

Offensiv kommt von beiden Mittelfeldreihen zu wenig, kein Spieler ist bei den erfolgreichen Aktionen in den Top 20. Bei den Bremern verzeichnet allerdings auch kein Profi defensiv genügend erfolgreiche Aktionen, um hier unter den besten 20 zu landen. Nicht nur deshalb haben die Hausherren an dieser Stelle Vorteile.
Schalke verkürzt im Vergleich auf 1:2.

Macht Terodde mal wieder den Unterschied?

Neben Terodde stehen im Team aus Gelsenkirchen in Marius Bülter (54,86), Rodrigo Zalazar (58,84) und Dominick Drexler (56,61) noch drei weitere Spieler, die auf ihren Positionen zu den besten Zehn der Liga gehören. Während Werder seit der Amtsübernahme von Werner meist im 3-1-4-2 spielt, hat sich unter Büskens ein 4-2-3-1 herausgebildet.

Die königsblaue Offensive besticht durch ihre Vielseitigkeit. Schalkes Mittelstürmer (Terodde) ist mit 0,89 Treffern pro 90 Minuten der torgefährlichste Spieler der Liga. Bülter ist der Teamplayer - verzeichnet mit 0,4 die zweitmeisten Vorlagen. Zalazar führt mit 15,40 die meisten Offensivzweikämpfe und mit 7,56 die zweitmeisten Dribblings. Drexler steht bei den Dribblings, Zweikämpfen und Flanken in den Top 20. Wie auf Bremer Seite arbeitet das Quartett allerdings auch verhältnismäßig wenig nach hinten.

Werders Defensive ist im Spielaufbau extrem eingebunden - zudem haben alle Verteidiger nach GSN-Index mindestens Bundesliganiveau. Marco Friedl ist mit einem Performance-Score von 61,35 der beste Innenverteidiger der Liga. Ömer Toprak folgt auf Rang drei. Auch die Außenbahnspieler Felix Agu (58,35), Mitchell Weiser (58,10) und Anthony Jung (57,61) gehören zu den zehn Besten. Alle eint jedoch ihre Schwäche im Defensivzweikampf. Und genau dort dürften die Bremer Probleme bekommen.
Der letzte Punkt geht an Schalke.

Fazit des Teamvergleichs

Das Topspiel verspricht viel Spannung. Schalke und Werder begegnen sich auf Augenhöhe, was auch das 2:2 im Teamvergleich zeigt. Werder ist im Tor besser besetzt, Schalke im Mittelfeld. Zudem haben beide Offensivreihen Vorteile gegenüber den Abwehrreihen, die gehörig unter Druck geraten dürften. Unabhängig vom Endergebnis ist es wahrscheinlich, dass beide Clubs am Ende direkt aufsteigen werden.

Die Ideal-Aufstellungen:

Schalke: Fraisl - Vindheim, Kaminski, Thiaw, Calhanoglu - Pálsson, Itakura - Drexler, Bülter, Zalazar - Terodde
Werder: Pavlenka - Mai, Veljkovic, Friedl - Groß - Agu, Rapp, Schmid, Jung - Ducksch, Füllkrug

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 24.04.2022 | 22:50 Uhr

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