Richard Sukuta-Pasu vom SV Meppen © imago images/Werner Scholz

Sukuta-Pasu und das Abenteuer Fußball: EM-Titel, China, Meppen

Stand: 15.11.2021 09:54 Uhr

Richard Sukuta-Pasu hat in seiner Karriere schon einiges erlebt: Der 31-Jährige war U19-Europameister, spielte in der Bundesliga und in Asien. Aktuell sorgt der Stürmer mit dem SV Meppen in der Dritten Liga für Furore.

Der Fußball hat dem 1,90-Meter-Mann einiges gegeben. Seine Familie hatte wenig Geld und zeitweise nicht einmal eine eigene Wohnung. Doch auf dem Fußballplatz konnte Sukuta-Pasu, Sohn eines kongolesischen Vaters und einer französischen Mutter, seine Probleme vergessen.

Mit den A-Junioren von Bayer Leverkusen wurde er deutscher Meister und Pokalsieger, bis zur U21 spielte Sukuta-Pasu auch für Deutschland. Als Profi wurde Sukuta-Pasu zum Weltenbummler, spielte bei 13 verschiedenen Clubs, unter anderem in Österreich, Belgien und Asien. Im Interview spricht der 31-Jährige über seine schon jetzt außergewöhnliche Karriere.

Herr Sukuta-Pasu, der SV Meppen schwimmt in der Dritten Liga auf einer Erfolgswelle. Was zeichnet das Team gerade aus?

Richard Sukuta-Pasu: Dass es so gut läuft, ist für die Fans und auch die Stadt sehr erfreulich. Wir bekommen eine gute Mischung hin: Wir genießen den Lauf und bleiben trotzdem fokussiert. Ich bin ein Freund davon, dass man in einer Saison jeden Moment lebt. Und jetzt können wir uns auch einfach freuen - die Stimmung ist im Club und natürlich auch in der Kabine richtig gut. Der Verein hatte im letzten Jahr genug schlechte Momente.

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Meppens Spieler bejubeln einen Treffer. © IMAGO / Werner Scholz

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Welchen Anteil haben Sie am Höhenflug?

Sukuta-Pasu: Ich bin ja erst seit ein paar Wochen da - und habe auch noch nicht so viel gespielt. Aber es freut mich, dass ich in der kurzen Zeit schon Einfluss nehmen konnte. Einerseits in Gesprächen mit meinen Mitspielern - ich habe Erfahrung mit ins Team gebracht. Andererseits aber auch auf dem Platz, ich habe schon einige Chancen kreiert und auch selbst gehabt.

Getreu dem Motto von Toni Schumacher "Ich spiele doch nicht in Meppen" könnte Ihr Wechsel zum SVM schon als exotisch bezeichnet werden. Aber Sie haben zuletzt in China, Südkorea und Thailand gespielt. Wie sind Sie zum Weltenbummler geworden?

Sukuta-Pasu: (lacht) Also erst mal möchte ich betonen, dass es überhaupt keinen Grund gibt, Meppen kleinzureden. Der SVM ist ein Traditionsclub und hat Fans, auf die so mancher Zweitligist neidisch sein dürfte.

Aber zur Frage: Irgendwann in meiner Duisburger Zeit habe ich plötzlich das Angebot aus China bekommen. Ich konnte das zuerst gar nicht glauben, war sogar ein bisschen schockiert. Wir mussten dann erst mal herausfinden, wie seriös das Angebot überhaupt war. Ich habe auch lange gezögert, dann aber die Chance gesehen. Und noch mal hätte ich sie wohl nicht bekommen. Als ich in Asien war, wollte ich auch ein bisschen bleiben.

Richard Sukuta-Pasu macht in Asien ein Selfie mit Kindern © Richard Sukuta-Pasu
Beliebter Weltenbummler: Richard Sukuta-Pasu in Asien.

Sie sind 2019 zu Guangdong Southern Tigers gewechselt. Ist Ihnen ein Erlebnis ganz besonders in Erinnerung geblieben?

Sukuta-Pasu: Wo soll ich da anfangen und wo aufhören? (lacht) Vielleicht das Problem mit dem Zeugwart - den gab es in meinem Club nämlich gar nicht. Wie ich das aus Europa gewöhnt war, bin ich vor meinem ersten Auswärtsspiel einfach zum Treffpunkt gefahren, ohne groß etwas mitzunehmen. Erst vor Ort habe ich dann festgestellt, dass ich mein Trikot und meine Schuhe selbst hätte mitbringen müssen. Ich stand als einziger ohne irgendetwas da. Zum Glück kannten sie das im Verein schon von den Europäern, es wurde schnell Ersatz besorgt und ich konnte doch noch mitspielen.

Wie hat es sonst mit der Verständigung geklappt?

Sukuta-Pasu: Das ist natürlich besonders in der Freizeit ein großes Problem. Die Menschen sprechen ja nicht nur kein Englisch, sondern verstehen auch unsere Schrift nicht - und andersherum genauso. Zum Glück hatte ich einen Dolmetscher, ohne den wäre es sehr schwierig gewesen.

Und wie hat Ihnen das Essen geschmeckt?

Sukuta-Pasu: Ich bin ein Mensch, der eigentlich alles probiert. Das meiste sieht ja viel schrecklicher aus, als es schmeckt (lacht). Anders war es bei den Entenfüßen. Die essen da alle, also muss da was dran sein, dachte ich. Aber die habe ich kein zweites Mal runterbekommen. Und von der Schildkrötensuppe, in der sich die Schildkröte sogar noch ein bisschen bewegt hat, habe ich lieber gleich die Finger gelassen.

Von China ging es weiter nach Südkorea und Thailand. Wie fällt Ihr sportliches Fazit aus?

Sukuta-Pasu: Qualitativ sind die Unterschiede schon teilweise sehr groß. Da muss man sich nichts vormachen. Meist gibt es drei, vier Teams, die "Europa-Niveau" haben. Das war es dann aber auch.

Richard Sukuta-Pasu auf der Chinesischen Mauer © Richard Sukuta-Pasu
Richard Sukuta-Pasu auf der Chinesischen Mauer.

Am Ende ist Fußballprofi mein Beruf. Ich will kicken und meine Familie ernähren. Südkorea wird mir in ganz besonderer Erinnerung bleiben: In Seoul ist mein Sohn geboren. Aber wenn ich Spaß am Fußball und meine Familie bei mir habe, ist es eigentlich egal, ob ich in Thailand oder Meppen spiele. Ich habe auf jeder meiner Karriere-Stationen etwas für mein Leben mitgenommen.

Sie haben im A-Junioren-Alter die deutsche Meisterschaft sowie den Pokal gewonnen und gehörten 2008 zur U19-Nationalmannschaft, die den EM-Titel gewonnen hat. Hätten Sie sich damals vorstellen können, dass Ihre Karriere so verlaufen würde?

Sukuta-Pasu: Nein, natürlich nicht. In meinem Leben war aber auch wirklich wenig vorherzusehen. Ich weiß, woher ich komme. Ich habe wirklich mit nichts angefangen und bin stolz, dass ich es allein mit meiner Leistung so weit geschafft habe. Meine Karriere ist bestimmt keine gewöhnliche, aber ich bin dankbar, dass ich schon so viel erleben durfte.

Für Meppen haben Sie jetzt dreimal gespielt - und drei Siege geholt. Der Arbeitsnachweis kann sich sehen lassen.

Sukuta-Pasu: Absolut! (lacht) Es war insgesamt nicht mal eine Halbzeit, aber vielleicht kann man sagen, dass ich das nötige Glück mitgebracht habe. Nach jeder Einwechslung habe ich Wirbel gemacht und auch mit dem ersten Tor hat es schon geklappt. Das ist super.

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Meppen war in der vergangenen Saison sportlich schon abgestiegen, blieb dann aber doch in der Liga, weil Uerdingen die Lizenz verweigert wurde. Wissen Sie, wie es anderen Clubs in derselben Lage in den vergangenen Jahren ergangen ist?

Sukuta-Pasu: Ja, davon habe ich gehört. Die Clubs sind immer im nächsten Jahr aufgestiegen, oder?

Mehr noch: Darmstadt 98 und der SC Paderborn sind sogar in die Bundesliga durchmarschiert.

Sukuta-Pasu: Bei uns hätte niemand etwas dagegen, wenn es uns auch so gehen sollte (lacht). Aber im Ernst: Es ist noch früh in der Saison, und auch wenn wir gerade Dritter sind, wissen wir, wie eng die Liga ist. Das kann in zwei Wochen schon wieder ganz anders aussehen. Unser klares Ziel ist der Klassenerhalt. Das kann nach der letzten Saison auch gar nicht anders sein.

Ihr Vertrag läuft bis zum Sommer 2023. Was haben Sie in Ihrer Karriere noch vor? Können Sie ausschließen, noch mal zu einem Abenteuer aufzubrechen?

Sukuta-Pasu: Das ist eine gute Frage. (überlegt) Ich kann sie aber nicht beantworten. Ich versuche, an jedem Tag wieder eine bessere Version von mir selbst zu sein. Aber weiter nach vorn gucken kann ich nicht. Jetzt irgendeine Aussage zu treffen, würde nichts bringen. Im Leben kann man kaum etwas ausschließen und als Fußballprofi gilt das ganz besonders.

Das Interview führte Florian Neuhauss

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 20.11.2021 | 14:00 Uhr

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