Stand: 09.04.2020 14:41 Uhr

Regionalliga-Vereine trifft Corona-Krise hart

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Für Kapitän Lukas Paegelow und den Lüneburger SK ist die Krise besonders hart.

Wie hart die Corona-Krise den Amateurfußball getroffen hat, verdeutlicht ein Beispiel aus der Regionalliga Nord. Der Lüneburger SK Hansa wäre durch die Einnahme-Ausfälle zuletzt fast daran gescheitert, die Verbandsabgaben in Höhe von 3.750 Euro zu begleichen. Der LSK ist für eine staatliche Förderung wie das Kurzarbeitergeld zu klein, die Spieler verdienen zu wenig - und haben doch wie die Trainer auf einen Teil ihrer Bezüge verzichtet.

Während die Erst- und Zweitligisten zuletzt schon wieder das Training aufgenommen haben, ist im Amateurlager ein Ende der Beschränkungen noch nicht abzusehen. Doch Not macht auch erfinderisch, nicht nur in Sachen Training. Viele Clubs versuchen derzeit, durch kreative Aktionen im Internet zusätzliche Einnahmen zu generieren. Und auch hier ganz vorn dabei sind die Lüneburger. Ein Überblick:

VfB Lübeck: Der Spitzenreiter der Regionalliga Nord hat normalerweise über 3.000 Zuschauer im eigenen Stadion. "Wenn wir jetzt fünf Heimspiele nicht austragen können vor Zuschauern, fehlen uns 120.000 Euro", rechnet Vorstand Florian Möller dem Sportclub vor. "Nichtsdestotrotz konnten wir im März ohne Kurzarbeitergeld auskommen. Wir behalten das aber natürlich weiterhin im Blick und werden auch mit der Mannschaft in Austausch gehen, wie das dann für den April ausschaut."

Als "unglaublich bitter" bezeichnet Möller die Tatsache, dass sein Club nach Jahren in der Viertklassigkeit ausgerechnet auf dem Weg zurück ins Profigeschäft jäh gebremst worden ist. Endlich herrschte wieder Aufbruchsstimmung, die in Mirko Boland sogar schon einen prominenten Neuzugang zur kommenden Saison nach Lübeck gelockt hat. Die Schleswig-Holsteiner haben einen Antrag auf eine Sondergenehmigung zum Training gestellt, über den aber noch nicht entschieden worden ist. Immerhin kann sich der VfB auch in der Krise auf seine Fans verlassen: Durch Hamsterkäufe im Onlineshop wurde der Weihnachtsumsatz mehr als verdreifacht.

SSV Jeddeloh II: Ex-Profi und Cheftrainer Oliver Reck hofft, dass er in zwei Wochen wieder mit seinem Team trainieren kann. Statt Trübsal zu blasen, plant der ehemalige Torhüter von Werder Bremen bereits fleißig für die kommende Saison mit dem aktuellen Tabellen-15. "Wir können es vielleicht auffangen, wenn wir uns strecken. Wir haben den Vorteil, dass wir hauptsächlich Sponsoren aus der Lebensmittelbranche haben, die das nicht so betrifft, wie vielleicht andere Unternehmen", erklärte der 55-Jährige. "Aber natürlich fehlt uns der eine oder andere Euro durch Zuschauereinnahmen."

TSV Havelse: "Da beim TSV Havelse viel im Ehrenamt gearbeitet wird, sind die finanziellen Auswirkungen bisher nicht so gravierend", teilte Vereinspräsident Manfred Hörnschemeyer mit. Spurlos geht die Krise aber natürlich auch an dem Tabellenzehnten nicht vorbei. Einige Sponsoren hätten bereits ihren Vertrag gekündigt. Hörnschemeyer berichtete zudem: "Richtige Probleme hat die Clubgaststätte, hier hat der Verein vorerst die Pacht gestundet."

Altona 93: Die Hamburger haben aufgrund der großen Konkurrenz in Hamburg ohnehin einen schweren Stand. "Die finanziellen Einbußen aus den fehlenden Eintrittsgeldern machen uns schwer zu schaffen", heißt es in einer Vorstandsmitteilung. Der Vereine befinde sich in einer Phase der Konsolidierung und sei gut damit beschäftigt, die nächsten Monate zu planen." Die Corona-Krise ist für uns alle eine große Herausforderung. Aber wir setzen alles daran und sind überzeugt, dass es nach dieser Krise erfolgreich weitergeht."

SC Weiche Flensburg: Die Spieler und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle wurden in Kurzarbeit geschickt. Wie hoch genau der finanzielle Schaden ausfallen wird, vermag in Flensburg noch niemand zu sagen. Die Beitragserhöhung der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) kommt für den SC Weiche zur Unzeit. Konkrete Auswirkungen gelte es aber zunächst noch zu prüfen. Auch im hohen Norden versuchen die Fans zu helfen, wo sie können und kaufen online fleißig virtuelle Sitz- und Stehplatz-Tickets unter dem Motto "Gemeinsam gegen die Corona-Krise".

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Der LSK erhält viel Unterstützung durch die Aktion #fussballimhomeoffice.

Lüneburger SK Hansa: Im Online-Fanshop des LSK gibt es nicht nur Tickets für ein virtuelles Stadion, sondern auch gleich Wurst und Bier zu kaufen - sogar an die obligatorische Becherspende für den LSK-Nachwuchs wurde gedacht. Die Unterstützung der Fans ist überlebenswichtig für den chronisch klammen Club aus Niedersachsen. "Wir haben aktuell etwa 15.000 Euro eingenommen. Das deckt allerdings nur einen Bruchteil ab. Bei einem kompletten Abbruch hätten wir ungefähr 100.000 Euro Verlust", sagte Präsident Sebastian Becker dem Sportclub und ordnete die Zahl ein: "Das ist ungefähr ein Drittel unseres Gesamtetats für die Regionalliga-Truppe."

Neben den Einnahmen aus Ticket-, Wurst- und Bierverkauf helfen andere Spenden und "viele neue Mitglieder" dem Verein dabei, in der schweren Zeit über die Runden zu kommen, wie Finanzvorstand Henning Constien hinzufügte. "Die fehlenden Zuschauereinnahmen können wir kompensieren, die große Frage bei fast allen Regionallisten ist aber: Was ist mit den Sponsoren?", betonte Teamchef Rainer Zobel. "Es kommt für uns darauf an, dass unsere Sponsoren über die Runden kommen, denn in der Regionalliga nehmen wir ja praktisch keine TV-Gelder ein."

VfB Oldenburg: Anders als den Lüneburgern blieb dem VfB der Weg der Staatshilfen. "Kurzarbeitergeld und ein strikter Sparkurs bei allen internen Prozessen gehören zu unseren Sofortmaßnahmen", heißt es auf der Club-Homepage. Den Tabellen-Neunten trifft besonders hart, dass das Halbfinale im Niedersachsenpokal gegen den BSV SW Rehden am Ostermontag nicht stattfindet. Mit dem Kauf von Eintrittskarten für die Partie, die vielleicht nie stattfindet, können die Fans ihren Club trotzdem weiter unterstützen. Wie alle anderen Clubs kann auch der VfB gerade jeden Euro gebrauchen.

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Sportclub | 05.04.2020 | 22:30 Uhr