Spieler des SSV Hennstedt trainieren auf einem Fußballfeld im Rahmen eine Modellprojekts. © NDR

Modellprojekt SSV Hennstedt: Fußballtraining wie vor Corona

Stand: 27.04.2021 05:00 Uhr

Der Verein SSV Hennstedt (Kreis Dithmarschen) darf wieder ganz normal trainieren, trotz der vielen Corona-Verschärfungen. Denn die Fußballabteilung des Clubs - die SG Norderhamme - ist von Sportministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) zum Modellprojekt ernannt worden.

von Sven Jachmann

Zum ersten Mal seit etwa sechs Monaten steht Trainer Simon Mortensen, umringt von seinen Spielern, an diesem Freitagabend wieder auf dem Platz. "Ich weiß, es brennt bei Euch, ihr wollt endlich wieder richtig spielen." Alle sind negativ getestet. Voraussetzung dafür ist ein Konzept ihres Trainers. "1A mit Sternchen" sei das gewesen, sagte Schleswig-Holsteins Sportministerin Sabine Sütterlin-Waack, als sie verkündete, welche Sportmannschaften wieder trainieren dürfen. "Als der Trainer das in unsere Whats-App Gruppe postete, war die Freude unglaublich groß", beschreibt Spieler Alexander Schröder den Moment. 

Schnelltest und digitale Kontaktnachverfolgung

Simon Mortensen lächelt in die Kamera. © NDR Foto: Sven Jachmann
Trainer Simon Mortensen freut sich über die Rückkehr auf den Fußballplatz.

Simon Mortensen hat in den vergangenen Wochen häufig über Corona diskutiert und sich Gedanken gemacht, wie seine Mannschaft zumindest im Training wieder richtig Fußball spielen kann. Erste Notizen hatte er dazu angelegt, da war es naheliegend, dass er daraus ein Konzept entwickelt, erzählt er. Es umfasst 15 Seiten: "Die wichtigsten Voraussetzungen sind ganz klar die Testungen aller Teilnehmer vor jeder Trainingseinheit und die IT-gestützte Kontaktnachverfolgung." Wichtig sei außerdem, so steht es in Mortensens Konzept, die örtlich zuständige Gesundheitsbehörde mit ins Boot zu holen. "Deren Mitarbeiter hatten den Verein auch bei der Erstellung des Konzeptes beraten", schreibt der Fußballtrainer. 

"Alles in Ordnung - Du bist negativ!"

Und so funktioniert es: Die Spieler betreten das Vereinsgelände einzeln, mit Maske und mit Abstand. Am Eingangstor desinfizieren sie ihre Hände. Dann geht es zum Schnelltest ins Vereinshaus. Im Treppenhaus müssen sie ihr Handy an einen QR-Code halten. Anmelden über die Luca App, die sich jeder heruntergeladen hat. Die App registriert, dass sich die Spieler auf dem Trainingsgelände in Hennstedt befinden. Dann wartet der Corona-Schnelltest. Jeder Spieler hat einen eigenen Termin. Zwei Helferinnen vom Testzentrum in Hennstedt übernehmen die Testungen. Die Kosten für die Schnelltests hat die Gemeinde übernommen. 500 Tests haben sie bestellt. Die Fußballer trainieren zwei Mal die Woche. Das Prozedere dauert zwei Minuten, über eine Außentreppe verlässt jeder Spieler den Testraum im ersten Stock und geht hinter das Gebäude.

Dann heißt es: Warten auf das Ergebnis. Bis über ihnen die Balkontür aufgeht. Eine der Mitarbeiterin kommt heraus und ruft das Ergebnis herunter: "Nico, alles in Ordnung, Du bist negativ!" Erst nach dieser Ansage nehmen die Spieler die Maske ab und gehen zum Trainingsplatz. Bei einem positiven Corona-Test muss der Betroffene mit Maske das Gelände verlassen. Auch die Spieler, die zuletzt privaten Kontakt zu ihm hatten. Die Daten aus der Luca App gehen ans Gesundheitsamt. Der positiv getestete Spieler muss zum PCR-Test. Ist der positiv, müssen auch die Kontaktpersonen vorsorglich in Quarantäne. Nicht jedoch die gesamte Mannschaft.

Durchdachte Wege

"Wichtig waren uns die Wege, dass sich die Spieler nicht in die Quere kommen. Sie müssen die Abstände einhalten. Der Ablauf muss für sie auch nachvollziehbar sein. Und aus den ersten Gesprächen eben konnte ich heraushören, dass es sehr gut funktioniert", sagt Trainer Simon Mortensen. Nun muss sich sein Konzept zum ersten Mal in der Praxis bewähren. Mortensen ist überzeugt, es lässt sich auch auf andere Sportarten im Freien übertragen. "Natürlich mit entsprechenden Anpassungen an die örtlichen Gegebenheiten." An diesem Freitag sind alle negativ, das Training startet pünktlich um 19:00 Uhr.

Fußball unter Aufsicht der Wissenschaft

Sechs Monate haben sie keinen Fußball mehr gespielt, sie waren höchstens mal joggen. Kurze Ansprache auf dem Platz: "Wir wollen den Ball richtig laufen lassen und Spaß haben", kündigt der Trainer an. Er lässt sie spielen, erst auf dem Kleinfeld, die letzten 45 Minuten geht es über den ganzen Platz. Nach eineinhalb Stunden habe bei einigen doch die Kraft gefehlt, sagt er. "Ich habe aber auch strahlende Gesichter gesehen", freut er sich über seine Mannschaft. Die muss gleich nach Trainingsende einen Fragebogen am Handy ausfüllen. Der kommt von der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Sportwissenschaftler begleiten das Projekt. Die Spieler brauchen rund zehn Minuten für die Beantwortung der Fragen.

Freude pur - abhängig vom Inzidenzwert

"Man hat in den letzten Wochen in der Vorbereitung schon gemerkt, wie die Anspannung größer wurde", beschreibt Torwart Frank Zander die Stimmung im Team. "Das war richtig gut, die Spritzigkeit fehlte noch, aber endlich mal wieder mit Kontakt, macht richtig Spaß", sagt Spieler Ove Offermann. "Das Konzept von Simon ist eine Bank", freut sich Mitspieler Alexander Schröder. "Da kann man nur ein riesiges Dankeschön sagen. Ich bin pudelfroh, dass wir wieder auf dem Platz stehen dürfen. Das war Freude pur." Wie lange die Freude anhält, hängt vom Inzidenzwert ab. Steigt der Wert im Kreis Dithmarschen über 100, ist das Modellprojekt beendet. Doch davon geht Trainer Simon Mortensen erstmal nicht aus. Heute ist zunächst das nächste Training angesetzt.

Weitere Informationen
Ein leerer Sportplatz. © Pressefoto Baumann Foto: Julia Rahn

Sieben Modellprojekte sollen Sport möglich machen

Die ausgewählten Bewerber kommen unter anderem aus Kiel und Dithmarschen, die Sportarten gehen von Schwimmen bis zum Turnen. mehr

Ein Lübecker Boxtrainer hat neue Ideen für Training in Corona-Zeiten.
3 Min

Sport in Corona-Zeiten: Lübecker Boxer trainieren draußen

So kann der Lübecker Box-Club in Gruppen trainieren. Auch für Vereinschef Tolga Tanriverdi ist es eine neue Erfahrung. 3 Min

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 24.04.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

HSV-Trainer Horst Hrubesch (r.) gibt Moritz Heyer die Hand. © picture alliance / dpa

Hrubesch erweckt HSV zum Leben - Relegation im Blick

Nach der starken Leistung gegen Nürnberg ist bei den Hanseaten der Glaube an den Bundesliga-Aufstieg zurück. mehr

Fußball im Netz © Mikael Damkier

NDR Fußball-Tippspiel - Jetzt mitmachen!

Das NDR Tippspiel für die Saison 2020/2021 läuft. Einsteigen, mittippen und Teams gründen: Wir suchen den Fußball-Experten im Norden. mehr