Stand: 18.05.2020 22:21 Uhr

Leverkusen für Werder eine Nummer zu groß

von Hanno Bode, NDR.de
Maximilian Eggestein (l.) war mit Werder gegen Bayer chancenlos.

Für Werder Bremen hat der Re-Start in der Fußball-Bundesliga nicht die erhoffte Trendwende gebracht. Die Hanseaten unterlagen zum Abschluss des ersten Geisterspieltags in der deutschen Beletage Bayer Leverkusen mit 1:4 (1:2) und haben nun bereits fünf Zähler Rückstand auf Relegationsplatz 16. Das Team von Coach Florian Kohfeldt konnte der Werkself dabei nur phasenweise Paroli bieten. Kai Havertz (28., 33.), Mitchell Weiser (61.) und Kerem Demirbay (78.) waren für die Rheinländer erfolgreich. Theodor Gebre Selassie hatte zwischenzeitlich für die Hausherren egalisiert (30.).

Kohfeldt: "Am Ende hochverdient verloren"

"Wir haben okay begonnen. Leverkusen ist in der Offensive sehr sicher, aber wir bekommen die Gegentore viel zu einfach und müssen selbst weitere Treffer erzielen", resümierte Werder-Kapitän Niklas Moisander. Kohfeldt sagte: "Es war bis zum 1:3 ein offenes Spiel. Man hat aber schon gesehen, dass wir noch nicht im Rhythmus sind. Am Ende haben wir hochverdient verloren."

Bremen läuft zumeist hinterher

Bild vergrößern
Bemüht, aber glücklos: Bremens Leonardo Bittencourt (l.).

Die Bremer liefen von Beginn an viel - überwiegend allerdings den Leverkusenern hinterher. Die fußballerisch hochveranlagte Werkself um den 17 Jahre alten Bundesliga-Debütanten Florian Wirtz ließ den Ball fein durch die eigenen Reihen zirkulieren, ohne dabei allerdings zu zwingenden Offensivaktionen zu kommen. Werder kam in den ersten zehn Minuten überhaupt nicht in die Zweikämpfe, stand aber immerhin im Zentrum sicher. Dies war auch ein Verdienst vom "ewigen Philipp". Der hört auf den Nachnamen Bargfrede, steht seit 2004 bei den Hanseaten unter Vertrag und bestritt nun seine 200. Erstliga-Partie für den viermaligen deutschen Meister. Peu à peu schaffte es der Abstiegskandidat dann, etwas mehr Zugriff auf das Spiel zu bekommen.

Umso ärgerlicher für die Kohfeldt-Elf, dass sie wieder einmal in dieser Serie durch ein vermeidbares Tor in Rückstand geriet. Marco Friedl, Vertreter des verletzten Stamm-Linksverteidigers Ludwig Augustinsson, ließ sich von Moussa Diaby viel zu leicht abschütteln, der Franzose flankte präzise zu Havertz, der aus wenigen Metern recht ungestört einköpfen konnte.

Gebre Selassie sorgt für kurze Bremer Freude

Sollte nun alles seinen erwarteten Lauf nehmen? Vorerst nicht. Denn lediglich 120 Sekunden später sorgte Gebre Selassie nach einem Eckstoß des sehr bemühten Leonardo Bittencourt für den Ausgleich. Kohfeldt ballte die Faust. Aber seine Freude über das 1:1 währte nur 180 Sekunden, dann kam Havertz nach einem Freistoß von Demirbay völlig unbehelligt im Bremer Strafraum zum Kopfball und vollendete mühelos. Hätte auf der Gegenseite doch nur Bittencourt bei seiner Großchance in der 39. Minute auch diese Ruhe und Abgeklärtheit des Bayer-Kapitäns gehabt. Die Hausherren wären wohl mit einem 2:2 in die Halbzeit gegangen. Aber der Offensivmann verzog freistehend überhastet.

Werder geht die Puste aus

26.Spieltag, 18.05.2020 20:30 Uhr

Werder Bremen

1

B. Leverkusen

4

Tore:

  • 0:1 Havertz (28.)
  • 1:1 Gebre Selassie (30.)
  • 1:2 Havertz (33.)
  • 1:3 Weiser (61.)
  • 1:4 Demirbay (78.)

Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Friedl - Vogt (85. Osako) - M. Eggestein, Bargfrede (54. J. Eggestein) - Bittencourt (71. Woltemade), Selke (71. Sargent), Rashica (85. Bartels)
B. Leverkusen: Hradecky - Weiser, Tapsoba, S. Bender, Sinkgraven - Ch. Aranguiz (85. Paulinho), Demirbay - Wirtz (62. Bellarabi), Amiri (71. Baumgartlinger), Diaby (62. Bailey) - Havertz (85. Alario)
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Werder konnte das Geschehen in den ersten 15 Minuten nach dem Wiederbeginn offen gestalten. Dann jedoch luden die Bremer die Werkself durch viel zu passives Abwehrverhalten abermals zu einem Tor ein. Diaby wurde vor seiner Flanke maximal halbherzig angegangen, und im Fünfmeterraum übersah Kevin Vogt den heranstürmenden Weiser, der das dritte Leverkusener Kopfball-Tor an diesem Abend erzielen durfte. Hernach hatten die Gastgeber sowohl fußballerisch als auch konditionell nicht mehr viel zuzusetzen. Bayer konnte weitgehend ungehindert kombinieren und kam zu weiteren guten Chancen. Eine davon nutzte Demirbay zum Endstand, als er Keeper Jiri Pavlenka aus der Nahdistanz überwand. Es war die endgültige Entscheidung in einem Spiel, in dem Werder phasenweise zwar ganz gut mithalten konnte, über die gesamte Distanz gesehen jedoch keine Steigerung zu seinen überwiegend mäßig bis schwachen Auftritten vor der Corona-Pause zeigte.

Fan-Versammlungen bleiben aus

Derweil sind Fan-Versammlungen vor dem Stadion am Montagabend ausgeblieben. Rund um die Arena war ein halbes Dutzend Polizeiwagen im Einsatz. Besondere Vorkommnisse gab es vor und während der Partie laut der Polizei keine. Der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte sieht die Fortsetzung der Bundesliga-Saison während der Corona-Pandemie dennoch weiterhin sehr kritisch. Er sei zwar froh über den reibungslosen Verlauf dieses Spieltags, sagte der SPD-Politiker im Ersten: "Aber es bleibt das ganz problematische Signal an die Öffentlichkeit: Wir predigen überall "Abstand halten", im Kindergarten, in der Schule, in den Gaststätten. Und dann lassen wir sportliche Großereignisse zu, bei denen es zum Programm gehört, dass sich 22 Menschen auf die Pelle rücken. Und zwar nicht aus zwei Haushalten, sondern aus 22 verschiedenen Haushalten."

Weitere Informationen

Ergebnisse und Tabelle Fußball-Bundesliga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr

02:42
Sportclub

Werders wilde Woche vor dem Re-Start

Sportclub

Verletzte Stammspieler, ungeliebte Pläne der DFL, ein positiver Test im Umfeld eines Spielers - unter schwierigen Umständen greift Werder Bremen am Montag wieder in den Abstiegskampf ein. Video (02:42 min)

Corona: Ein Werder-Profi 14 Tage in Quarantäne

Im direkten Umfeld eines Profis von Werder Bremen hat es einen positiven Corona-Befund gegeben. Auch wenn der Test bei dem nicht benannten Spieler negativ war, fehlt er dem Bundesligisten vorerst. mehr

Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 18.05.2020 | 20:00 Uhr

Mehr Sport

02:31
Hamburg Journal