Kiels Hauke Wahl (l.) und Darmstadts Phillip Tietz kämpfen um den Ball. © WITTERS Foto: LeonieHorky

Holstein Kiel im Datencheck: Besser als der Tabellenplatz

Stand: 06.01.2022 09:28 Uhr

Im vergangenen Jahr klopfte Holstein Kiel ans Tor der Fußball-Bundesliga, aktuell sind die "Störche" nur Zwölfter. Dabei zeigt der Datencheck, dass die KSV besser performt, als es der Tabellenrang ausdrückt. Würden Transfers daran etwas ändern?

von Johannes Freytag

Der sportliche Einbruch im Vergleich zum Vorjahr lässt sich mit den Abgängen von Leistungsträgern wie Jae-Sung Lee (Mainz), Janni Serra (Bielefeld) oder Jonas Meffert (HSV) erklären. Allein der aktuelle Performance-Score von Meffert (56,67, zweitbester Wert der defensiven Zweitliga-Mittelfeldspieler) zeigt, wieviel Qualität Kiel abgegeben hat und warum der Club kein Aufstiegskandidat mehr ist.

Dabei ist Holstein auf nahezu allen Position gut aufgestellt, Baustellen gibt es nur bedingt und diese sind eher mittel- bis langfristig zu beheben. So ist beispielsweise auf die Defensive, trotz der Tatsache, dass beim jüngsten 3:0-Erfolg gegen St. Pauli erst zum zweiten Mal zu null gespielt wurde, Verlass.

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Neumann bester Rechtsverteidiger der Liga

Vor den soliden Torhütern Ioannis Gelios und Thomas Dähne agiert eine Abwehrreihe, die starke Werte vorweisen kann. Die drei Innenverteidiger Hauke Wahl (Performance-Score 53,78), Simon Lorenz (54,67) und Stefan Thesker (54,22) sind allesamt besser als der Liga-Schnitt (52,94), auch auf den Außenbahnen ist Kiel gut besetzt. Links agieren Mikkel Kirkeskov und Johannes van den Bergh ebenso überdurchschnittlich wie auf der rechten Seite Phil Neumann und Julian Korb.

Neumann ist sogar der beste Performer der Hinrunde auf der Rechtsverteidigerposition. Er hatte mehr eigene Torchancen und mehr kreierte Torchancen als der Schnitt. Dazu gewann er starke 66,15% der Zweikämpfe, bei den Defensiv-Zweikämpfen sind es herausragende 70,42%.

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Knoll-Transfer wäre unpassend

Fast genauso gut sieht es im Mittelfeld aus, wo das angebliche Interesse der Kieler an einer Verpflichtung von Marvin Knoll anhand der Daten ein wenig verwundert. Der St. Paulianer ist noch ohne Saisoneinsatz und älter als die Kieler Marcel Benger (52,22) und Patrick Erras (52,00), die aktuell stark performen. Zudem ist das Duo variabel, Benger ist der zurückgezogene Spielmacher, Erras der defensive Abräumer. Und in der Hinterhand hat man noch den Routinier Aleksandar Ignjovski, der auch auf beiden defensiven Außenbahnen aushelfen kann.

Schwachstelle Skrzybski

Im zentralen Mittelfeld ist Holstein mit Alexander Mühling (Performance-Score 53,78) als Balleroberer und Lewis Holtby (53,56) als zurückgezogener Spielmacher überdurchschnittlich aufgestellt.

Schlechter sieht es im offensiven Mittelfeld aus, wo Steven Skrzybski und Finn Porath systembedingt oft außen eingesetzt werden und dort nicht überzeugen. Vor allem Skrzybski spielt schlecht für einen Spieler mit seiner Klasse. Sein Performance-Score liegt bei 48,00. Bei Porath sieht es mit 52,89 etwas besser aus. Bekommen die Kieler Skrzybski zum Laufen, brauchen sie nicht zwingend etwas tun.

Auf den Außenbahnen bestens aufgestellt

Die stärkste Position von Holstein Kiel sind die Außenbahnen, vor allem auf der linken Seite sind die Schleswig-Holsteiner mit Fabian Reese (GSN Index 63,66), Joshua Mees (62,09) und Fin Bartels (64,78) bestens aufgestellt. Alle drei haben über Ligaschnitt performt.

Dass vor allem Bartels oft auf der rechten Seite spielt, hat seinen Leistungen keinen Abbruch getan. Auch Porath und Skrzybski kamen wie schon erwähnt dort zum Einsatz, weil Kiel eben nicht über einen etatmäßigen Rechtsaußen verfügt.

Im Sturm klemmt es ein bisschen

Bleibt die vorderste Angriffsreihe, die vielleicht die einzige wirkliche Problemzone der "Störche" darstellt. Benedikt Pichler (GSN Index 62,35), Fiete Arp (64,35), Hólmbert Fridjónsson (56,70) und der derzeit verletzte Noah Awuku (51,99) bringen durchaus Qualität mit, sind sich aber auch vom Typ her sehr ähnlich. Zudem ist Pichler mit seinen sechs Treffern der einzige Stürmer, der mit seinem Performance-Score (48,89) knapp über dem Durchschnitt liegt (48,36).

Fazit: Kiel würde ein klassischer Flügelspieler für die rechte Außenbahn gut tun, im Angriff sollten sich die "Störche" nach einem echten "Knipser"umsehen.

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