Stand: 12.08.2019 15:20 Uhr

Walace-Abgang fix: Ende eines Missverständnisses

von Johannes Freytag, NDR.de
Der Brasilianer Walace verlässt die Bundesliga nach nur zweieinhalb Jahren.

Zweieinhalb Jahre hat Walace Souza Silva - kurz Walace - in Deutschland die Fußballschuhe geschnürt, lief insgesamt 53-mal in der Bundesliga für den Hamburger SV und für Hannover 96 auf. Drei Tore und zwei Abstiege schlagen in dieser Zeit sportlich zu Buche. Für Wirbel und Gesprächsstoff hat der 24-jährige Brasilianer, der nun für rund sechs Millionen Euro von Hannover zu Udinese in die italienische Serie A wechselt, abseits des Platzes gesorgt.

Guter Einstand: Tor beim Bundesligadebüt

Dabei hatte alles so hoffnungsvoll begonnen, als der HSV im Januar 2017 die Verpflichtung des Defensivakteurs bekannt gab. Walace kam als Olympiasieger, trotzte dem 30-Grad-Temperatursturz im Vergleich zu seiner Heimat ("Es ist schon sehr kalt hier, und ich sehe zum ersten Mal Schnee") und erzielte gleich in seinem ersten Bundesligaspiel ein Tor. 19 Einsätze bis zur Winterpause 2017/2018 folgten, Walace etablierte sich als Sechser.

Urlaub verlängert, Einsatz verweigert, Training geschwänzt

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Walace wurde beim HSV nicht glücklich.

Doch dann begannen die Espakaden, Geldstrafen und Abmahnungen. Nach einer - für Brasilianer schon fast obligatorischen - eigenmächtigen Urlaubsverlängerung und einem geplatzten Wechsel zu Gremio Porto Alegre verzichtete HSV-Coach Markus Gisdol auf Walace. Unter Gisdol-Nachfolger Bernd Hollerbach wiederum stand der Brasilianer in allen sieben Partien in der Startelf. Mit dem nächsten HSV-Trainer folgte die nächste Volte in der Causa Walace: Christian Titz beorderte Walace in die Innenverteidigung. Das lehnte der Brasilianer ab, weshalb er wieder aus dem Kader flog.

Damit nicht genug. Statt das Bundesligaspiel gegen Hertha BSC im Stadion zu verfolgen, blieb Walace zu Hause und postete er Privatfotos in den sozialen Medien. Es folgte die Verbannung in die zweite Mannschaft des HSV, als Nicht-EU-Ausländer war er jedoch in der Regionalliga Nord nicht spielberechtigt. Im März 2018 schwänzte er das Training und veröffentlichte via Instagram Fotos seiner Shoppingtour aus Mailand.

Kurzer Aufschwung in Hannover

Nach dem Bundesliga-Abstieg der Hamburger wechselte Walace für sechs Millionen Euro (der HSV hatte zehn Millionen bezahlt) zu Hannover 96. Wie in seiner Anfangszeit an der Elbe sah es zunächst so aus, als hätte 96 einen guten Griff getan: "Ich kann mich nicht erinnern, in all den Jahren einen so guten Spieler gehabt zu haben", sagte Hannovers damaliger Sportchef Horst Heldt noch im Oktober 2018 voller Begeisterung. Walace überzeugte derart, dass er sogar wieder in die brasilianische Nationalmannschaft berufen wurde. "Bei ihm schauen die großen Vereine nun sicher hin", hoffte Heldt auf einen Transfercoup für Hannover, 35 Millionen Euro betrug angeblich die Ausstiegsklausel im bis 2022 laufenden Vertrag.

Slomka: "Ein richtig guter Typ"

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Es kam anders: Der Formverfall des Brasilianers war derart dramatisch, dass der wortgewaltige Club-Präsident Martin Kind sich im März dieses Jahres zu der Aussage hinreißen ließ: "Mit Spielern, die offensichtlich nicht bereit sind, alles zu investieren, brauchen wir auch nicht zu planen." Eine Aussage, die potenzielle Walace-Interessenten eher abgeschreckt haben dürfte und den möglichen Transfererlös weiter sinken ließ. Nach dem Abstieg Hannovers versuchte der neue 96-Coach Mirko Slomka zu retten, was zu retten war und lobte den Profi im Juni geradezu überschwänglich: "Das ist ein richtig guter Typ, und mit dem würde ich gerne arbeiten."

Für einen Platz in den beiden ersten Zweitligapartien der laufenden Saison reichte es trotzdem nicht. Das Ende vom Lied: Es klopfte weder der "große Verein" an, noch regnete es einen zweistelligen Millionenbetrag. Aber immerhin hat Hannover bei diesem sportlichen Missverständnis finanziell nicht draufgezahlt - und kann mit den Einnahmen nun weiter am Kader für die laufende Saison feilen.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 12.08.2019 | 15:25 Uhr

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