Stand: 03.06.2019 15:31 Uhr

Für Jürgen Klopp ist nur eine Aufgabe zu groß

Jürgen Klopp schwebt nach dem Champions-League-Sieg mit dem FC Liverpool endgültig als Trainergott im Olymp. Was kommt als Nächstes? Bundestrainer? Bundeskanzler? Bundespräsident?

Eine Glosse von Albrecht Breitschuh, NDR 2

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Auch für Jürgen Klopp wurde mit dem Champions-League-Triumph des FC Liverpool ein Traum wahr.

Die Haare ein bisschen struppig, der Drei- bis Vier-Tage-Bart leicht angegraut, dazu ein Blick, der Entschlossenheit und Tatkraft vermitteln soll. Nein, ich rede noch nicht von Jürgen Klopp, sondern von Robert Habeck.

Der "Stern" räumte für den Grünen mit Stammplatzgarantie in politischen Talkshows in seiner aktuellen Ausgabe mal wieder das Titelblatt frei, präsentierte ihn als den angepassten Rebellen, der er vermutlich auch ist, und fragte gar nicht mal zu Unrecht: "Unser nächster Kanzler?"

Fußball-Trainer Jürgen Klopp trägt eine Sonnenbrille und lächelt. © dpa picture alliance/PA Wire Foto: Martin Rickett

Kann Klopp auch Kanzler?

NDR Info - Auf ein Wort -

Jürgen Klopp schwebt nach dem Champions-League-Sieg des FC Liverpool endgültig als Trainergott im Olymp. Ist der Coach zu Höherem berufen? Eine Glosse von Albrecht Breitschuh.

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Ein Blick zwischen Charmeur und Pitbull

Kann schon sein, vor allem, wenn man sich das Personal der ernst zu nehmenden politischen Konkurrenz anschaut, zu der die SPD spätestens seit dem vergangenen Wochenende nicht mehr zählt. Wer also kann Habeck noch aufhalten?

Auch in dieser Frage brachte das vergangene Wochenende Klarheit. Sein größter Herausforderer ist ebenfalls kein Freund der täglichen Rasur, trägt seine Haare so, wie sie gerade fallen, und hat einen Blick, mit dem er die Rolle des Charmeurs und Herzensbrechers ebenso ausfüllen kann wie die des angriffslustigen Pitbulls.

Die K-Frage wird schon noch kommen

"Kann Kloppo Kanzler?" - diese Frage wurde nach dem Sieg im Champions-League-Finale zwar noch nicht gestellt, aber sie drängt sich einigermaßen auf - alleine schon wegen der hübschen Alliteration. Die für solche Stilmittel besonders anfälligen Kollegen der "Bild" halten sich noch zurück, sie wünschen sich zwar Kloppos Rückkehr, allerdings auf den Posten des Bundestrainers.

Ein Amt, das zumindest für die nächsten beiden Spiele vakant ist. Denn kurz bevor Klopp den 7,5 Kilogramm schweren Pokal in den Nachthimmel von Madrid stemmte, plumpste eine deutlich schwerere Hantel auf den Brustkorb von Joachim Löw und setzte ihn bis auf Weiteres außer Gefecht.

Die Zeit des zähen Ballgeschiebes ist vorbei

Wer mag da noch an Zufälle glauben? Die Jagd um Klopp hat jedenfalls begonnen. Franz Beckenbauer wünscht sich nichts sehnlicher als ihn auf der Trainerbank beim FC Bayern, Klopp stehe für den neuen Fußball: "Schnelles Umschaltspiel, mit schnellen Spielern, die den Gegner überfallen."

Aber sind das nicht auch Qualitäten, die in der Politik zum Erfolg führen? Auch dort gilt: Die Zeit des zähen Ballgeschiebes ist vorbei. Endgültig. Deshalb kann die Antwort auf die Frage, ob Klopp die Nationalmannschaft oder den FC Bayern übernehmen soll, nur lauten: Macht Klopp zum Kanzler! Dann haben wir alle was davon und er würde nach dem nächsten WM-Triumph in der Kabine auch nicht weiter auffallen.

Erst mal übergangsweise auf der Insel regieren

Um es sich mit den Briten nicht komplett zu verscherzen, könnte Klopp im Vereinigten Königreich einer Übergangsregierung vorstehen, bis die Nachfolge Theresa Mays geklärt ist. Dann wollen wir aber unseren Kloppo zurück, und zwar in genau dem Zustand, in dem wir ihn auf die Insel haben ziehen lassen. Ohne Gebrauchsspuren! 

Wir haben genügend eigene Probleme, und nur einen Mann, der sie zu lösen vermag: Jürgen Klopp. Er kann alles. Für ihn ist keine Aufgabe zu groß. Außer die des SPD-Vorsitzenden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 03.06.2019 | 18:25 Uhr