Stand: 12.05.2018 17:31 Uhr

Kommentar: Der Dino ist tot - es lebe der HSV

Der Hamburger SV ist erstmals in seiner Clubgeschichte aus der Bundesliga abgestiegen - das Ergebnis einer dauerhaften Führungsschwäche. Das Image des "Dinos" ist damit dahin. Bernd Hoffmann hat nun die Möglichkeit, den HSV wiederzubeleben.

Ein Kommentar von NDR Sportchef Gerd Gottlob

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NDR Sportchef Gerd Gottlob zum Abstieg des HSV.

Die Uhr steht still, der letzte Dino ist tot. Wer mit der HSV-Raute im Herzen lebt, verbringt in diesen Tagen dunkle Momente. Aber es ist ja nicht so, als hätte man den Moment nicht kommen sehen. Der Abstieg des HSV ist verdient und gerechtfertigt. Er ist das Ergebnis einer dauerhaften, verheerenden Führungsschwäche.

Nach den großen Erfolgen in den 1980er-Jahren hat es schon wahnsinnig lange gedauert, bis die Hamburger ihre Herablassung ablegten und ihre Ansprüche anpassten. Wenige Glanzpunkte wie das 4:4 gegen Juventus Turin wurden überschattet von schwachen Bundesliga-Platzierungen, frühen Knockouts im Pokal und immer schlechter werdendem Fußball. Startpunkt für die Talfahrt war 2009 der Irrglaube von Bernd Hoffmann, er könne nach gewonnenem Machtkampf gegen Didi Beiersdorfer ohne Sportdirektor weitermachen. Ein Jahr lang häuften sich die Fehler, dann kamen Arnesen, Kreuzer, Knäbel, Todt und wurschtelten am Kader herum, den mittelmäßige Trainer wie Zinnbauer, Labbadia, Gisdol, Hollerbach früher oder später an die untere Leistungsgrenze führten.

An Machtkämpfen und Eitelkeiten gescheitert

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Es war deshalb die richtige Entscheidung, die Fußball-AG 2014 aus dem Verein auszugliedern. Es war auch die richtige Idee, für den HSV ein werthaltiges Leitbild zu entwickeln, an dem sich die HSVer orientieren können. Aber all die Projekte sind gescheitert an Machtkämpfen und Eitelkeiten in Vorstand und Aufsichtsrat. Fehlende Kompetenz und fehlende Kontinuität im sportlichen Bereich und nicht für möglich gehaltene wirtschaftliche Entscheidungen haben dafür gesorgt, dass sich die Situation Jahr für Jahr verschlechterte, die Substanz immer geringer wurde und die Richtung nach unten nicht mehr zu stoppen war.

Dazu der Machtmensch Klaus-Michael Kühne, der dem HSV extrem hilft, wenn er Geld bereitstellt, aber extrem schadet, wenn er Vorstände, Manager, Trainer, Spieler öffentlich düpiert.

Hamburger Fans die einzige positive Konstante

Die einzige positive Konstante in all den Jahren ist die großartige Unterstützung der Hamburger Fans. All diese Menschen haben den Verein getragen, obwohl die Mannschaft seit vielen Jahren unansehnlichen, noch nicht mal effektiven Fußball spielt. Dieser Anhang macht Hoffnung - Köln und Stuttgart haben nach ihren Abstiegen gezeigt, dass sogar eine neue, coole Euphorie entstehen kann.

Der völlig unbekannte Trainer Christian Titz hat den Mut und die Idee gehabt, dieser Mannschaft neues fußballerisches Leben einzuhauchen. Selbst wenn es jetzt am Ende nicht gereicht hat: Das war eine Wohltat zu sehen, dass die Spieler viel mehr können als sie es bislang zeigten. Ich halte es deshalb für sinnvoll, Christian Titz auch in der Zweiten Liga zu halten.

Zweite Liga wirtschaftlich ein Ritt auf der Rasierklinge

Die Lizenz ist erteilt und trotzdem ist die wirtschaftliche Lage düster. Über 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten, dauerhaft negative Betriebsergebnisse und erhebliche Mindereinnahmen: Es wird in der Zweiten Liga wirtschaftlich ein Ritt auf der Rasierklinge. Der ständige vorzeitige Zugriff auf Gelder verbaut eine dauerhaft solide finanzielle Zukunft.

Bernd Hoffmann ist keine Person, die die Massen für sich gewinnt. Das ist auch nicht seine Aufgabe. Aber er hat trotz einer krassen Fehleinschätzung (s.o.) Führungsstärke bewiesen in seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender des Vereins und - zusammen mit Didi Beiersdorfer - sportliche Erfolge möglich gemacht. Er ist jetzt wieder der starke Mann im Verein und hat die Möglichkeit, den HSV wiederzubeleben. Wohlgemerkt: den HSV, nicht den Dino!

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 13.05.2018 | 22:30 Uhr

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