Stand: 22.03.2020 19:34 Uhr

96-Clubchef Kind: Geisterspiele dringend notwendig

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Hannovers Mehrheitsgesellschafter Martin Kind fordert ein Umdenken im Profifußball.

Führende Virologen halten es für realistisch und ratsam, dass es bis ins nächste Jahr hinein keine Fußballspiele geben wird - für Martin Kind ein Horrorszenario. Der Mehrheitsgesellschafter des Zweitligisten Hannover 96 sieht im Interview mit dem NDR Sportclub darin ein "deutlich zu hohes" finanzielles Risiko für den gesamten Bundesliga-Fußball: "Es wird dann schon dramatisch. In der Zweiten Liga würden nur wenige überleben, in der Ersten nur die Großen", warnte der 75-Jährige.

"Wir brauchen Planungssicherheit"

Die grundsätzliche Entscheidung der Deutschen Fußball Liga (DFL), die Saison zu Ende spielen zu wollen, hält Kind für richtig: "Das ist eine wichtige Position, die Ruhe geschaffen hat." Das gebe erst einmal "Zeit für verschiedene Szenarien. Wir müssen den Mut haben, alle Fragen zu definieren. Und dann seriöse und belastbare Antworten finden. Wir brauchen Planungssicherheit."

Es drohen Einnahmeverlust in Millionen-Höhe

Klar sei aber auch, dass vorerst die Vereine ihre Haushalte über die Fernseh- und Sponsoreneinnahmen stemmen müssten. Deshalb seien mindestens "Geisterspiele" eine wichtige Voraussetzung. Nur so könne sichergestellt werden, dass die nächste Rate der TV-Gelder ausgezahlt wird. Ohne diese Gelder dürfte es für die Vereine schwer werden. Hannover müsste etwa einen Einnahmeverlust von zehn Millionen Euro stemmen.

Neue Corona-Anordnung dämpft Kinds Hoffnung

Im Laufe des Sonntags zeigte sich jedoch, dass ein Neustart der Bundesliga durch Geisterspiele faktisch nicht möglich sein wird.

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Denn eine von Bund und Ländern angeordnete umfassende Reduzierung sozialer Kontakte steht einem solchen Vorhaben im Weg. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündeten Einschränkungen des sozialen Lebens machen auch die Austragung sogenannter Geisterspiele ohne Zuschauer für mindestens zwei Wochen praktisch unmöglich.

"Es darf keine Denkverbote geben"

"In einer Krise gibt es aber immer auch eine Chance", hatte Kind schon vor der verschärften Maßnahme erkannt. Seiner Meinung nach habe sich der Markt fehlentwickelt und durch Spielgehälter und Berater-Honorare "überhitzt".

Die Clubs hätten in all den Jahren "von der Hand in den Mund gelebt". Man könne nicht erwarten, "dass der Steuerzahler unsere Fehlentscheidungen finanziert". Daher regt Kind einen Solidaritätsfonds an, eine Art "Feuerwehr für Krisensituationen". Gleichzeitig kann er sich beispielsweise eine Gehaltsobergrenze ("Salary Cap") nach dem Vorbild der US-amerikanischen Profiligen vorstellen. "Es gibt keine Denkverbote. Das muss alles gemeinsam, ergebnisoffen und konstruktiv diskutiert werden."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 22.03.2020 | 22:30 Uhr