Stand: 18.07.2018 15:55 Uhr

50+1: Kinds Antrag auf Ausnahme für 96 abgelehnt

Das Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat den Antrag von Hannover 96 und Clubpräsident Martin Kind auf eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel einstimmig abgelehnt. Das teilte die DFL am Mittwoch mit. Der 74-Jährige darf damit nicht Mehrheitseigner des Fußball-Bundesligisten werden. "In der abschließenden Bewertung kam das DFL-Präsidium zu dem Ergebnis, dass das Kriterium der 'erheblichen Förderung' als Voraussetzung für die Erteilung einer Ausnahme von der 50+1-Regel nicht erfüllt ist", teilte die Liga mit. Kind kritisierte die Entscheidung scharf: "Von der DFL als Unternehmen bin ich enttäuscht. Es fehlt die Kraft, die notwendige Weiterentwicklung zu gestalten. Vielmehr werden jetzt Behörden und Gerichte beschäftigt. Aus meiner Sicht ist das ein Armutszeugnis."

Präsident Martin Kind von Hannover 96 © picture alliance/dpa Fotograf: Peter Steffen

50+1-Regel: DFL lehnt Kind-Antrag ab

Niedersachsen 18.00 -

Die DFL hat den Antrag von Fußball-Bundesligist Hannover 96 und Clubpräsident Martin Kind auf eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel abgelehnt. Der Club kündigte juristische Schritte an.

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96 kündigt juristische Schritte an

Der Club hatte bereits zuvor in einer Mitteilung angekündigt, "alle notwendigen und rechtlichen Schritte einzuleiten. Die Entscheidung des DFL-Präsidiums ist unverständlich und offensichtlich rechtsirrig. Wir können nicht nachvollziehen, welche Grundlagen das DFL-Präsidium dabei geleitet haben", so die Niedersachsen: "Wir sind überzeugt, die satzungsgemäßen Voraussetzungen für die Ausnahmeregelung rechtlich sicher und vollständig nachgewiesen zu haben. Unserer Meinung nach ist die Ablehnung unseres Antrags satzungswidrig erfolgt."

DFL stellt Prüfantrag beim Bundeskartellamt

Stichwort 50+1

Durch die sogenannte 50+1-Regel wird bislang verhindert, dass Investoren mehr als 50 Prozent der Anteile an einem Fußball-Club erwerben können. In anderen Ligen - zum Beispiel in England - gibt es eine solche Regelung nicht. Besonders Hannover 96 mit Clubpräsident Martin Kind an der Spitze macht sich dafür stark, die Regel zu kippen, um die "Kapitalsituation der Clubs zu verbessern". Die Regelung wurde bisher beibehalten, steht aber permanent in der Diskussion. Befürworter der Regelung kritisieren, dass beim Wegfall der Markt für ausländische Investoren geöffnet werden könnte, die kein sportliches Interesse an einem deutschen Bundesliga-Club haben.

Kind wird nun also offenbar gegen die Entscheidung vor einem ordentlichen Gericht klagen. Experten rechnen damit, dass die 50+1-Regel in Deutschland dann komplett wegfällt. Sie besagt, dass die Stammvereine immer eine Stimmenmehrheit an ausgegliederten Kapitalgesellschaften im Profi-Fußball halten müssen. Aus Vorsicht hat die DFL bereits beim Bundeskartellamt einen Prüfantrag eingereicht. "Dies ist unabhängig vom aktuellen Präsidiumsbeschluss über den Ausnahmeantrag von Hannover 96 und Martin Kind erfolgt", so DFL-Präsident Reinhard Rauball: "In den vergangenen Monaten hat es eine intensive, öffentlich geführte Debatte über die 50+1-Regel gegeben. Dieser Schritt soll allen Beteiligten Klarheit bringen."

Laut einer Mitteilung hat die DFL ein "Verfahren nach Paragraf 32 c GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) beantragt". Das Bundeskartellamt soll klären, ob die grundsätzliche Anwendung und Auslegung der 50+1-Regel kartellrechtliche Bedenken beinhaltet. 96 hätte außerdem die Möglichkeit zur Anrufung des Ständigen Schiedsgerichts der Lizenzligen, das über sämtliche Streitigkeiten zwischen dem DFL e.V., der DFL GmbH und/oder dem DFB und einem Club entscheidet. Der Schiedsspruch ist verbandsintern endgültig.

  • DFL-Präsident Reinhard Rauball

    "Das Präsidium hat sich die Entscheidung alles andere als leicht gemacht. Im Sinne der Antragssteller, aber auch im Sinne der Gemeinschaft aller 36 DFL-Clubs, wurde die Sachlage über Monate intensiv und umfassend geprüft. Auch mit Blick auf den Gleichbehandlungsgrundsatz hat das Präsidium als das zuständige Gremium bei seiner abschließenden Bewertung konsequent die Satzung in einer den Leitlinien entsprechenden, einheitlichen Auslegung angewendet."

  • 96-Manager Horst Heldt

    "Aus meiner Sicht ist das Präsidium der DFL nicht seiner Pflicht nachgekommen, 50+1 zu bewahren und rechtssicherer zu machen, so wie es auf der Mitgliederversammlung im März beschlossen wurde. Sie haben die Verantwortung nun abgegeben. Entweder ist Herr Kind der Buhmann oder das Bundeskartellamt nimmt ihnen die Pflicht ab."

  • Fritz Keller, Präsident des SC Freiburg

    "Die Entscheidung ist konsequent. Auch im Hinblick auf die Entscheidung, die bereits auf der Mitgliederversammlung getroffen wurde. Das Präsidium war anscheinend der Meinung, dass die Voraussetzungen nicht gegeben waren. Ich finde, die 50+1-Regel hat dem Fußball in Deutschland sehr gut getan. Man muss nicht immer alles so machen, wie andere es international machen."

  • Andreas Rettig, Geschäftsführer des FC St. Pauli

    "Eine folgerichtige und erwartbare Entscheidung."

  • Arminia Bielefelds Geschäftsführer Markus Rejek im "Westfalenblatt"

    "Ich bin der Meinung, dass man immer bedenken muss, für wen wir diesen Sport und auch dieses Geschäft betreiben. Das sind am Ende die Fans im Stadion und vor dem Fernseher. Man muss sich fragen, was erst passiert, wenn wir die 50+1-Regel offiziell öffnen. Dann bewegen wir uns nur noch in Entertainmentmaschinen."

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Voraussetzungen für Ausnahmegenehmigung nicht erfüllt

"Das Präsidium hat sich die Entscheidung alles andere als leicht gemacht. Mit Blick auf den Gleichbehandlungsgrundsatz hat das Präsidium als zuständiges Gremium konsequent die Satzung angewendet", sagte Rauball. Ausnahmegenehmigungen gibt es bislang etwa für Dietmar Hopp bei 1899 Hoffenheim. Sie werden erteilt, wenn sich ein Gesellschafter mindestens 20 Jahre lang ununterbrochen finanziell engagiert. Dies hatte auch Kind in Hannover für sich in Anspruch genommen. Die DFL wertete den Fall bei 96 indes anders. Die "erhebliche Förderung" sei so definiert, dass die Summe über 20 Jahre mindestens die durchschnittliche Höhe der Zuwendungen des jeweiligen Hauptsponsors erreichen müsse.

"Wir halten noch einmal fest, dass der Ausnahme-Antrag, der gemeinsam von Hannover 96 e.V., Hannover 96 KGaA und Herrn Kind gestellt wurde, auf der Basis der bestehenden 50+1-Regel erfolgte und diese nicht infrage gestellt hat. Hannover 96 machte lediglich die gleichen Rechte geltend, die dem VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim bereits gewährt wurden." Hannover 96

Fortsetzung der Fan-Proteste?

Gegen die Absicht Kinds, 96-Mehrheitseigner zu werden, gab es in Hannover seit Monaten Proteste. Unter anderem verweigerten Teile der Fans in der vergangenen Saison die Unterstützung für die Mannschaft, was für großen Ärger bei Trainer André Breitenreiter, Manager Horst Heldt und den Spielern geführt hatte. Der Boykott dürfte in der neuen Spielzeit weitergehen, nachdem Kind die Auseinandersetzung mit der DFL fortsetzen wird. Im Falle einer Klage von Kind gegen das Urteil werde "Pro Verein 1896" geeignet reagieren", teilte die Interessengemeinschaft mit, die zu den Protesten aufgerufen hatte: "Martin Kind hat durch sein ich-bezogenes Vorgehen maßgeblich zur Unruhe der letzten Monate und Jahre beigetragen." Die IG begrüßte die Ablehnung der DFL: "Für Pro Verein 1896 und deren Unterstützer ist dies keine Überraschung, sondern nur die logische Konsequenz aus den bekannten Fakten."

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