VIDEO: Was bedeutet der Lockdown für den Sport im Norden? (4 Min)

Corona-Lockdown: Profisport über Fortsetzung erleichtert

Stand: 15.12.2020 14:46 Uhr

Anders als viele andere Bereiche des Lebens ist der Profisport nicht von den harten Einschränkungen des Corona-Lockdowns betroffen, die ab Mittwoch greifen. Der Spielbetrieb kann weitergehen.

Für Sportdirektor Marcel Schäfer vom Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg das richtige Signal. "Ich glaube, wir haben im Fußball einen sehr disziplinierten Job gemacht, sind mit der Verantwortung sehr bewusst umgegangen. Auch unsere Spieler waren sehr diszipliniert in den letzten Monaten, haben den Personenkreis so gut es geht eingeschränkt - so, wie sich das gehört", sagte der 36-Jährige im NDR Sportclub.

"Nicht nur der VfL Wolfsburg, sondern auch die Fußball-Bundesliga hat in Verbindung mit dem Verband eine herausragende Leistung gezeigt. Und deshalb glaube ich, dass wir weiter unseren Job machen sollten." Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer

Spahn: Tests kein Problem

Für das Infektionsgeschehen in Deutschland insgesamt sei es nicht die Frage, ob und in welchen Stadien am Wochenende ohne Zuschauer gespielt werde, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag in der Bundespressekonferenz in Berlin. Auch Corona-Tests seien nicht das Problem, die Verfügbarkeit von Schnelltests sei "sehr, sehr hoch" und auch PCR-Tests seien vorhanden. Es gehe beim Profisport, der entsprechende Test- und Schutzkonzepte befolge, auch um Berufsausübung, sagte der Minister.

Die Frage, welches Signal vom Weiterlaufen des Profifußballs im Lockdown ausgehe, werde gesellschaftlich unterschiedlich eingeordnet. Für viele Menschen sei der Sport als Stück Normalität von Bedeutung. "Für viele ist wichtig, dass noch ein paar Dinge jenseits von Corona da sind", sagte Spahn.

Staatsrat Holstein: "Hochqualifizierte Hygienekonzepte"

Auch Hamburgs Sport-Staatsrat Christoph Holstein (SPD) findet die Entscheidung richtig: "Die Profivereine haben sehr professionelle, hochqualifizierte Hygienekonzepte und Maßnahmen entwickelt, die es den Verantwortlichen ermöglicht haben, zu sagen: 'Okay, unter diesen Umständen kann der Profisport weitermachen'."

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Hansa-Coach Härtel: "Alle werden eng getestet"

Dass der Profisport seine Saison fortsetzen kann, polarisiert allerdings. Viele Bürger dürften sich darüber ärgern, dass es hier nicht zum Stillstand kommt. Andererseits nimmt der Sport in der Erarbeitung von Hygienekonzepten eine Pionierrolle ein.

"Es ist aber hier nicht nur der Fußball", betont Jens Härtel, Trainer des Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock, "das war der gesamte Profisport, das geschah auch im Basketball, Eishockey, Handball oder im Wintersport." Der 51-Jährige finde es auch "gut so", dass die Saison weitergehe, "denn wir sind alle im Monitoring. Alles wird eng getaktet, alle werden eng getestet. Und wir haben keine Zuschauer, was schon hart genug für uns ist."

Willoughby hofft auf Verständnis

Basketball-Bundesligist Hamburg Towers ist sich seiner Sonderrolle in der Gesellschaft bewusst. "Ich hoffe da auch ein bisschen auf das Verständnis meiner Mitbürger, dass sie sich vielleicht sogar ein stückweit darüber freuen, dass ein bisschen was passiert, dass es ein bisschen was zu sehen gibt im Sport", sagte Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby. "Aber ich bin da auch ganz bodenständig und weiß, dass man das wirklich auch anders sehen kann."

Drei positive Corona-Tests beim THW Kiel

Zu einer anderen Sichtweise tragen Meldungen wie jene vom 10. Dezember bei, als beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Spieler auf drei anstieg. Die Mannschaft und das direkte Umfeld mussten sich in häusliche Isolation begeben, die kommenden beiden Bundesligaspiele gegen Essen und Melsungen verlegt werden.

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"Die werden dann auf die Rückrunde geschoben, wo ja schon vorher ein sehr enger Terminplan eng war. Wir kommen dann schnell an den Punkt, wo wir uns nach Alternativen umschauen müssen", sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi in Bezug auf die Terminhatz und Beanspruchung der Spieler. Kiels Kreisläufer Patrick Wiencek hat bereits die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten abgesagt.

"Dann wird man über alles reden müssen"

Es bleibt die Frage, wie lange der Spielbetrieb der Profiligen in Deutschland fortgesetzt werden kann. "Klar ist: Wenn wir in eine Situation kommen, in der das öffentliche Leben mehr oder weniger komplett zum Stillstand kommen muss, dann wird man über alles reden", sagte Sport-Staatsrat Holstein. "Dann wird man auch über den Profisport reden müssen. Aber ich bin optimistisch, dass uns das erspart bleibt."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 13.12.2020 | 23:05 Uhr

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