Stand: 01.02.2018 18:24 Uhr  | Archiv

Wie gesund ist Lakritz?

An Lakritz scheiden sich die Geister: Entweder man mag es, oder man verabscheut es. An der Küste schätzen die Norddeutschen Lakritz seit Jahrhunderten. Und das in jeder Form. Zäh, mitunter salzig und herb im Abgang - für viele Norddeutsche ist Lakritz das "Schwarze Gold", im Süden nennt man es dagegen abschätzig "Bärendreck".

Lakritz entsteht aus der Wurzel von Süßholz

In einem aufwendigen Verfahren wird Lakritz aus der Wurzel von Süßholz gewonnen. Die Pflanze wird bis zu zwei Meter hoch und wächst vor allem im Mittelmeerraum und in mittelasiatischen Ländern, insbesondere im Iran und in der Türkei. Im Spätherbst werden die fingerdicken Wurzeln geerntet. Ihre Ausläufer erreichen eine Länge von bis zu acht Metern. Aus den Wurzeln wird schließlich eine schwarze, dickflüssige Masse hergestellt - die Grundlage für Lakritz.

Nascherei oder Medizin?

Lakritzkonfekt und Süssholz. © fotolia Foto: Printemps
"Schwarzes Gold" oder "Bärendreck"? An Lakritz scheiden sich die Geister.

Aus fünf Kilo Rohlakritz kann man ungefähr 100 Kilo Süßwaren herstellen. Während das Lakritz aus dem Supermarkt nur rund fünf Prozent Rohlakritz enthält, ist der Anteil bei Lakritz aus der Apotheke oder einem Fachgeschäft deutlich höher. In Frankreich, Italien und Spanien essen manche sogar die pure Rohmasse - nicht als Süßigkeit, sondern als Medizin.

Schon in der Antike als Heilmittel bekannt

Tatsächlich enthält der Saft der Süßholzwurzel einen Pflanzenstoff, der eine schleimlösende Wirkung hat. Schon in der Antike war Lakritz als Heilmittel bekannt und wurde gegen Erkältungs- und Lungenkrankheiten eingesetzt. In Mitteleuropa gewann Lakritz seit dem Mittelalter an medizinischer Bedeutung. Apotheker machten daraus Mittel gegen Gelbsucht, Husten, Magenprobleme und sogar gegen die Pest. Erst später wurde das herbe Lakritz mit Zucker, Glukosesirup, Mehl, Kartoffelstärke, Salmiak und Aromen gemischt und als Süßigkeit verzehrt.

Bestandteil von Medikamenten wie Hustensaft

Auch heutzutage wird Lakritz noch medizinisch verwendet und ist häufig ein Bestandteil von Hustensäften. Forscher haben Hinweise darauf gefunden, dass Lakritz eine heilsame Wirkung bei Entzündungen hat und die Leberwerte bei chronischer Hepatitis senken kann. Außerdem enthält Lakritz Stoffe, die die Abwehrkräfte stärken. Die Pharmaindustrie nutzt den Lakritzbestandteil Glycyrrhizinsäure aber auch als Rohstoff für neuartige Medikamente, unter anderem bei Therapien gegen HIV und die Infektionskrankheit SARS.

"Schwarze Sau": Lakritz-Likör selbst herstellen

"Schwarze Sau" nennt sich ein Lakritz-Likör, den man ganz einfach selbst herstellen kann. Er hat keine medizinische Wirkung, sondern soll einfach nur gut schmecken. 0,7 Liter hochwertiger Wodka werden dafür mit 300 Gramm Salmiak Lakritzbonbons in ein großes, gut verschließbares Glasgefäß gegeben. Während zwei Tagen ab und zu gut schütteln, damit sich die Bonbons auflösen - und fertig sind rund 850 Milliliter Lakritz-Likör.

Hoher Blutdruck bei Überdosierung möglich

Zu viel Nascherei ist aber leider auch nicht gesund. Wie bei jeder anderen Medizin kann Lakritz bei einer Überdosierung gefährlich werden. Bereits 100 Gramm reines Lakritz täglich können zu Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen führen. In der Schwangerschaft hat Lakritz negative Einflüsse auf die Entwicklung des Embryos. In den meisten Süßigkeiten ist der Süßholzanteil allerdings so gering, dass Lakritz-Liebhaber unbesorgt zugreifen können.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Mein Nachmittag | 02.02.2018 | 16:20 Uhr

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