Stand: 26.04.2019 11:12 Uhr

Autofahrer-Abzocke mit teuren Ersatzteilen

von Romy Hiller
Bild vergrößern
Eine Reparatur in der Werkstatt kann teuer werden.

Die Preise für sogenannte sichtbare Auto-Ersatzteile wie Kofferraumklappen, Rückleuchten und Außenspiegel sind zwischen 2013 und 2018 um durchschnittlich 24 Prozent gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Demnach kosteten Rückleuchten 2013 im Durchschnitt 120 Euro - 2018 waren es schon 178 Euro. Kofferraumklappen verteuerten sich im selben Zeitraum von 507 auf 681 Euro. Und die Preise für Scheinwerfer stiegen von 252 auf 316 Euro. Ein Grund für den rasanten Preisanstieg: Die Automobilindustrie diktiert die Preise für Ersatzteile, denn es gibt keinen freien Wettbewerb.

Autowerkstatt.

Autofahrer-Abzocke mit teuren Ersatzteilen

Markt -

Mit überhöhten Preisen für Ersatzteile ziehen einige Autohersteller ihren Kunden das Geld aus der Tasche. Dabei gibt es oft günstige Alternativen.

4,18 bei 17 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Designschutz für sichtbare Ersatzteile

Sichtbare Ersatzteile unterliegen dem sogenannten Designschutz: Automobilkonzerne können sich beim Deutschen Marken- und Patentamt oder dem Europäischen Markenamt das Design ihrer äußeren Karosserieteile schützen lassen. Dadurch verhindern sie, dass andere Anbieter Kopien vertreiben. 

Ersatzteile: Großer Anteil am Umsatz

Verbraucherschützer kritisieren, dass Autohersteller den Designschutz in Deutschland ausnutzen, um die Preise zu bestimmen. Dagegen herrscht in anderen europäischen Ländern längst ein freier Wettbewerb bei Auto-Ersatzteilen. Schätzungen zufolge macht das Geschäft mit Ersatzteilen und Service bei vielen Autokonzernen mittlerweile 50 Prozent des Gesamtgewinns aus.

Autobauer rechtfertigen Designschutz

Seit Jahren versuchen Verbraucherschützer und das Bundesjustizministerium den Designschutz in Deutschland zugunsten eines freieren Wettbewerbs zu lockern. Sie fordern die Einführung einer sogenannten Reparaturklausel - bisher allerdings ohne Erfolg. Sie sind damit am Widerstand der Automobilindustrie gescheitert: Die Hersteller verteidigen den Designschutz als wichtiges Instrument der Qualitätssicherung: Nur durch das gewerbliche Schutzrecht lasse sich die Entwicklung der Karrosserien finanzieren.

Wann sich ein Preisvergleich lohnt

Nicht sichtbare Ersatzteile wie Bremsen oder Stoßdämpfer unterliegen nicht dem Designschutz. Sie können von Fremdanbietern nachgebaut und vertrieben werden. In vielen Werkstätten erhalten Kunden auf Nachfrage Nachbauten in sogenannter Erstausrüsterqualität zu deutlich günstigeren Preisen.

Die Ersatzteile stammen von namhaften Herstellern, die für die Autokonzerne produzieren und eigene Marken vertreiben. Oft stammen die günstigeren Ersatzteile aus der gleichen Produktion vom selben Band wie die teureren Ersatzteile von BMW, Volkswagen oder Mercedes.

Werkstatt-Kette günstiger als Vertragswerkstatt

Dass Autofahrer dadurch mehrere Hundert Euro sparen können, zeigt ein Preisvergleich für Bremsscheiben und Bremsbeläge: In einer BMW-Vertragswerkstatt kostete die Reparatur 620,90 Euro, in einer freien Werkstatt mit Original-BMW-Ersatzteilen 430 Euro und in der Werkstatt-Kette A.T.U. 239,99 Euro.

Weitere Informationen

Teure Ersatzteile: Ihre Rechte als Käufer

Wenn neu gekaufte Autos Mängel haben oder kaputtgehen, kann der Käufer das beim Händler reklamieren. So kommen Verbraucher zu ihrem Recht auf Gewährleistung. mehr

Dieses Thema im Programm:

Markt | 29.04.2019 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

11:26
Mein Nachmittag
08:40
Mein Nachmittag
08:37
Mein Nachmittag