Sendedatum: 12.05.2014 21:00 Uhr  | Archiv

So kommen Sie aus Verträgen heraus

Wer einen Mobilfunkvertrag abschließt oder Mitglied in einem Fitnessstudio wird, bindet sich oft für zwei Jahre an den Dienstleister. Selbst wenn Kunden die Leistung später nicht mehr nutzen oder unzufrieden sind, kassieren viele Anbieter bis zum Vertragsende. Doch in einigen Fällen können Verbraucher solche Verträge vorzeitig beenden.

Welche Laufzeit ist erlaubt?

Bei vielen Verträgen sind Laufzeiten von bis zu zwei Jahren zulässig, erklärt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Üblich sind sie vor allem in folgenden Geschäftsbereichen:

  • Fitnessstudio
  • Telefon, Fernsehen und Internet
  • Bezahlfernsehen (Pay TV)
  • Zeitungsabos
  • Karriere-Netzwerke und Kontaktbörsen im Internet

Bei Krediten, Versicherungen und Sparverträgen sind auch längere Laufzeiten möglich.

Worauf muss ich bei der Kündigung achten?

Bei einer ordentlichen Kündigung müssen Kunden die im Vertrag genannte Frist einhalten. Sie liegt in der Regel zwischen einem Monat und sechs Monaten vor dem Ende der Laufzeit. Wird der Vertrag bis dahin nicht gekündigt, verlängert er sich automatisch. Tipp: Kündigen Sie direkt nach Vertragsabschluss, auch wenn Sie mit dem Anbieter (noch) zufrieden sind. So können Sie die Kündigungsfrist nicht verpassen.

Wann komme ich vorzeitig aus dem Vertrag?

Eine sogenannte außerordentliche Kündigung ist nur dann möglich, wenn schwerwiegende Gründe vorliegen, die einem Vertragspartner nicht zumutbar sind, also zum Beispiel der Kunde nicht zahlt oder der Anbieter seine Leistung nicht erbringt. Ein typischer Fall: Die Internetverbindung ist langsamer als vom Anbieter versprochen. Andere Beispiele aus der Praxis:

  • Umzug

    Wer den Wohnort wechselt, kann Verträge mit örtlichen Fitnessstudios, Telefonanbietern, Lokalzeitungsverlagen und Verkehrsbetrieben vorzeitig kündigen. Ausnahme: Bietet der Anbieter die gleiche Leistung auch am neuen Wohnort an, ist eine Kündigung in der Regel nicht möglich.

  • Leistung

    Meist verpflichtet sich der Anbieter in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu einer bestimmten Leistung. Erst wenn sie davon abweicht, ist eine außerordentliche Kündigung möglich. Beispiel: In vielen Telefonverträgen müssen Kunden sogar bis zu zwei Prozent Ausfälle pro Jahr hinnehmen, also gut eine Woche pro Jahr.

  • Krankheit

    Kann ein Kunde die Leistung voraussichtlich dauerhaft nicht mehr in Anspruch nehmen, weil er zum Beispiel schwer erkrankt ist, darf er in vielen Fällen ebenfalls vorzeitig kündigen. Das gilt zum Beispiel für Verträge mit einem Fitnessstudio.

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Welche Besonderheiten gelten für Versicherungen und Sparverträge?

Eine ordentliche Kündigung ist hier in der Regel unproblematisch. Aber: "Man sollte sehr genau prüfen, ob sich das wirtschaftlich lohnt", sagt Verbraucherschützerin Edda Castelló. Zum Beispiel müsse man bei Riester-Sparverträgen die staatlichen Zulagen zurückzahlen. Und bei einer Lebensversicherung liege der Rückkaufwert oft niedriger als der tatsächliche Wert.  

Welche Tücken stecken in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen?

Wohl die meisten Kunden akzeptieren mit ihrer Unterschrift die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), ohne sie gelesen zu haben. Einige Anbieter nutzen das aus und schreiben für den Kunden nachteilige Klauseln in die AGB. Damit muss sich aber niemand abfinden, sagt der Hannoveraner Rechtsanwalt Martin Möller. Wird ein Kunde durch eine Klausel in den AGB unangemessen benachteligt, ist sie im Nachhinein null und nichtig.

Reicht eine Kündigung per E-Mail?

In vielen Fällen ja. Es gibt aber Ausnahmen. Verbraucherschützerin Castelló warnt zum Beispiel vor Kontaktbörsen im Internet, bei denen eine Kündigung nur per Einschreiben mit Rückschein möglich ist. Wer bequem per E-Mail kündigen möchte, sollte um eine schriftliche Bestätigung bitten. Reagiert das Unternehmen nicht, am besten noch einmal per Einschreiben mit Rückschein kündigen.

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Dieses Thema im Programm:

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