Ein Rentnerin zählt das Geld in ihrem Portemonnaie © Picture-Alliance / Bildagentur-online / Joko

Rentenerhöhung 2022: Ab 1. Juli deutlich mehr Geld für Rentner

Stand: 01.07.2022 14:25 Uhr

Die Renten steigen ab 1. Juli 2022 so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Anpassungen gibt es auch bei der Erwerbsminderungsrente. Zudem wird der Nachholfaktor wieder eingeführt.

Ab 1. Juli erhalten rund 21 Millionen deutsche Rentnerinnen und Rentner deutlich mehr Geld. Im Westen beträgt die Rentenerhöhung 5,35 Prozent, in den neuen Bundesländern liegt die Steigerung bei 6,12 Prozent. Mit der Anpassung beträgt das durchschnittliche Rentenniveau im Osten nun 98,6 Prozent des Wertes in den alten Bundesländern, bis 2024 soll die Angleichung abgeschlossen sein.

Ein entsprechendes Gesetz der Bundesregierung hatten Bundestag und Bundesrat Anfang Juni verabschiedet. Möglich seien die hohen Rentenanpassungen durch die positive Lohn- und Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland, erklärte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Politiker der Opposition kritisierten die Erhöhungen wegen der stark gestiegenen Inflation als nicht ausreichend.

Ein Rentner macht sich Notizen und hält Euro-Geldscheine in der Hand. © picture-alliance/ dpa Foto: Andreas Gebert
AUDIO: Ratgeber Rente: Folgen der Rentenerhöhung (36 Min)

Nachholfaktor bei der Rente wieder eingeführt

Mit dem neuen Gesetz wird zudem die Vereinbarung des Ampel-Koalitionsvertrages umgesetzt, den sogenannten Nachholfaktor wieder einzuführen. Die Renten-Schutzklausel verhindert, dass es Rentenkürzungen gibt. Bei der jährlichen Rentenanpassung gibt es deshalb immer mindestens eine Nullrunde. Der Nachholfaktor soll dieses System weiterhin finanzierbar machen, auch wenn sich Löhne- und Gehälter negativ entwickeln und die Einnahmen der Rentenversicherung sinken. So bleiben rechnerisch eigentlich notwendige Rentenminderungen aus, werden aber mit Rentenerhöhungen in folgenden Jahren verrechnet.

Erwerbsminderungsrente steigt für bestimmte Gruppen

Auch Bezieher von Erwerbsminderungsrenten können ab 1. Juli 2024 unter bestimmen Bedingungen von dem neuen Rentengesetz profitieren. Wer seine Rentenleistungen zwischen 2001 und 2018 beantragt hat, erhält monatliche Zuschläge zwischen 4,5 und 7,5 Prozent. Dieser Personenkreis - etwa drei Millionen Menschen - wurde bislang bei mehreren gesetzlichen Verbesserungen der Erwerbsminderungsrente nicht oder nur unvollständig berücksichtigt.

Steuerpflichtig nach Rentenerhöhung: Was tun?

Die Auswirkungen von Erhöhungen auf den steuerpflichtigen Anteil der Rente sind meist gering. Es kann aber passieren, dass nach einer Erhöhung der steuerpflichtige Teil der Rente den Grundfreibetrag (für 2022: 10.347 Euro für Singles, der doppelte Wert für Verheiratete) übersteigt. Dann ist eine Steuererklärung notwendig.

Hierbei können auch Rentner Ausgaben etwa für Gesundheit, Handwerker, Spenden oder Werbungskosten steuermindernd geltend machen, sodass die tatsächliche Steuerlast dann meist moderat ausfällt. Darauf weisen Lohnsteuerhilfevereine hin. Den jährlichen Anpassungsbetrag müssen Rentner generell in ihrer Steuererklärung angeben. Neben dem steuerpflichtigen Anteil der Rente werden auch andere steuerpflichtige Einnahmen - beispielsweise aus Vermietung - auf den Grundfreibetrag angerechnet und müssen bei der Frage der Steuerpflicht berücksichtigt werden.

Rentenfreibetrag sinkt für zukünftige Rentner

Die Höhe des Rentenfreibetrags - also des steuerfreien Anteils der Rente - richtet sich nach dem Renteneintrittsjahr. Er sinkt für kommende Generationen jährlich um 1 Prozent. Beispiel: Geht ein Arbeitnehmer im Jahr 2023 in Rente, sind 17 Prozent der Bezüge steuerfrei. Bei einen Renteneintritt im Jahr 2024 beträgt der steuerfreie Anteil hingegen nur noch 16 Prozent.

Rente mit 63 Jahren mit Abschlägen möglich

Wer 45 Jahre in die Rentenversicherung einbezahlt hat, kann als besonders langjährig Versicherter grundsätzlich schon früher abschlagsfrei in Rente gehen. Das Mindestalter für den Renteneintritt hängt vom Geburtsjahrgang ab. Doch auch bereits nach 35 Versicherungsjahren ist eine Rente möglich, ab dem Geburtsjahrgang 1964 müssen jedoch dauerhafte Abschläge von bis zu 14,4 Prozent in Kauf genommen werden. Mindestalter hierfür ist das 63. Lebensjahr.

Altersgrenze steigt stufenweise auf 67 Jahre

Angerechnet auf die Versicherungszeit werden unter anderem Schul- und Studienzeiten oder auch Erziehungszeiten von Kindern. Die Altersgrenze für den Renteneintritt steigt bis 2029 stufenweise. Für Versicherte ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt dann die Regelaltersgrenze von 67 Jahren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Ratgeber | 29.06.2022 | 20:00 Uhr

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