Stand: 12.10.2015 13:06 Uhr  | Archiv

Steinpilze und Pfifferlinge oft vergammelt

von Jennie Radü

Im Herbst kaufen viele Verbraucher Steinpilze und Pfifferlinge. Für Laien ist im Supermarkt oder Gemüseladen kaum zu erkennen, welche Qualität die Wildpilze haben: Wie frisch sind sie? Und sind sie frei von Schadstoffen? In einer Stichprobe hat Markt Steinpilze und Pfifferlinge untersuchen lassen (Preise pro 100 Gramm):

  • lose Steinpilze aus Polen, halbiert, Edeka, 2,49 Euro
  • lose Steinpilze aus Polen, im Ganzen, Gemüsehändler, 2,99 Euro
  • lose Steinpilze ohne Herkunftsangabe, halbiert, Gemüsehändler, 2,99 Euro
  • abgepackte Pfifferlinge aus Russland, Edeka, 1,75 Euro
  • abgepackte Pfifferlinge aus Weißrussland, Rewe, 2 Euro
  • lose Pfifferlinge aus Russland, Kaufhof, 2,49 Euro
  • lose Pfifferlinge aus Russland, Edeka, 1,99 Euro

Die Qualität der Pilze beurteilt für Markt Uta Kappel, Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Zusätzlich werden die Proben im Labor auf Radioaktivität und Schwermetalle überprüft.

Wie gut sind Steinpilze und Pfifferlinge?

Steinpilze und Pfifferlinge kommen aus Osteuropa

Pfifferlinge und Steinpilze gehören zu den Wildpilzen. Bislang ist es nicht gelungen, sie zu züchten. Die im Handel angebotenen Pilze werden per Hand gesammelt und stammen aus Russland, Polen, Weißrussland, Ungarn, Serbien und anderen östlichen Ländern. Steinpilze und Pfifferlinge aus Deutschland dürfen nur für den Eigenbedarf gesammelt und nicht verkauft werden, weil sie hier selten sind.

Pfifferlinge teurer als Steinpilze

Dieses Jahr gibt es nur wenige Pfifferlinge - etwa ein Fünftel der in anderen Jahren angebotenen Menge. Das liegt daran, dass es lange Zeit sehr trocken war. Bei den Steinpilzen ist die Lage besser: Sie kommen gut mit Trockenheit zurecht. Deshalb sind Pfifferlinge in diesem Jahr zum Teil teurer als Steinpilze.

Spuren von Radioaktivität in Wildpilzen

Auch fast 30 Jahre nach dem Unfall im Atomreaktor von Tschernobyl können Wildpilze Radioaktivität enthalten. In einem Labor hat Markt überprüfen lassen, wie viel des damals freigesetzten und besonders gefährlichen Cäsium-137 die Pilze enthalten. Die Strahlung ist zwar noch nachweisbar, liegt aber mit 6 bis 81 Becquerel pro Kilogramm unter dem gesetzlichen Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm.

Pilze vom Straßenrand mit Schwermetallen belastet

In keiner der Stichproben aus dem Supermarkt und Gemüseladen fand das Labor erhöhte Schwermetallwerte. Zum Vergleich hat Markt sogenannte Anis-Champions untersuchen lassen, die an einem Waldstück neben einer Landstraße bei Stade wuchsen: Sie enthalten pro Kilogramm 1,2 Milligramm Blei und 1,9 Milligramm Cadmium und überschreiten damit den gesetzlichen Höchstwert für Wildpilze um fast das Doppelte. Das Ergebnis deckt sich mit aktuellen Forschungsergebnissen: Pilze, die nahe einer Straße oder im Stadtgebiet wachsen, können mit giftigen Schwermetallen belastet sein.

So erkennen Sie gute Pilze

Wildpilze aus dem Handel sollte man vor dem Kauf genau begutachten. Der Hut von Steinpilzen muss fest sein, die Röhren auf der Unterseite hell. Pfifferlinge sind nur dann ein Genuss, wenn sie nicht zu sandig sind und noch frisch - also fest und trocken. Schimmel, Madenbefall und faulige Stellen sowie ein unangenehmer Geruch deuten darauf hin, dass Pilze verdorben sind. Diese sollte man auf keinen Fall mehr essen: Durchfall und Erbrechen können ähnlich wie bei einer Fischvergiftung nicht nur unangenehm, sondern sogar gefährlich werden.

Pilze richtig aufbewahren

Beim Transport dürfen Pilzen nicht gequetscht werden. Zu Hause stellt man sie bis zur Zubereitung in den Kühlschrank. Am besten legt man ein Stück Küchenpapier auf einen flachen Teller und breitet darauf die Pilze aus - nebeneinander, nicht übereinander. Sie können mit einer weiteren Lage Küchenpapier abgedeckt werden. Beim Essen sollte man Wildpilze gründlich kauen, damit sie besser verträglich sind. Rohe Pfifferlinge sind ungenießbar.

Fazit: Viele Pilze ungenießbar

Nach Ansicht der Pilzsachverständigen Uta Kappel sind viele Pilze in der Stichprobe bereits vergammelt und zum Teil ungenießbar. Frei von Schimmel waren die Pfifferlinge von Kaufhof, dafür aber trocken und sandig.

Das sagen die Hersteller

  • Edeka

    "Die von Ihnen beschriebenen Untersuchungsergebnisse entsprechen in keinerlei Hinsicht unseren Ansprüchen und Vorgaben. Wir haben daher umgehend Kontakt mit den Märkten aufgenommen und waren zudem vor Ort, um die Mitarbeiter erneut für das Thema Qualitätskontrolle zu sensibilisieren."

  • Kaufhof

    "Wir werden Ihre Anfrage zum Anlass nehmen, unsere eigenen Qualitätskontrollverfahren nochmals zu überprüfen und noch engmaschiger zu gestalten."

  • Rewe

    Keine Stellungnahme

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Dieses Thema im Programm:

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