Stand: 01.08.2016 10:00 Uhr  | Archiv

Obst und Gemüse: Innen bio, außen Plastik

von Melanie Stinn

Wer Obst und Gemüse aus biologischem Anbau kauft, möchte meist nicht nur sich, sondern auch der Umwelt etwas Gutes tun. Doch ausgerechnet Bio-Lebensmittel werden häufig in einer Plastikverpackung angeboten: Zum Beispiel sind Bio-Gurken in vielen Supermärkten eingeschweißt, während Gurken aus herkömmlicher Landwirtschaft unverpackt ausliegen. Das gilt auch für Paprika, Zucchini, Äpfel oder Bananen. Doch die meisten Argumente des Handels für Plastikverpackungen sind nach Ansicht von Experten nicht stichhaltig.

Viel Plastikmüll durch Bio-Bananen

"Plastikfolie hält die Ware frisch"

Eine Plastikverpackung schütze Bio-Gurken beim Transport und halte sie länger frisch, schreiben Aldi, Edeka und Rewe auf Anfrage von Markt. Dadurch verderbe weniger Ware auf dem Weg zum Kunden. Dem widerspricht Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe: "Gurken liegen nur zwei bis drei Tage im Verkaufsregal. Deshalb ist die Argumentation nicht schlüssig, dass Gurken mit Folie wochenlang haltbar sein sollen."

Auch Experten für Verpackungstechnik wie Professor Bernd Sadlowsky von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg halten das Frische-Argument für falsch: Die Schutzfunktion der Gurkenhaut sei zwar nicht unendlich, eine Plastikfolie verlängere die Haltbarkeit aber nur geringfügig.

"Plastikfolien sind hygienisch"

Nach Auskunft von Edeka wird biologisch angebautes Obst und Gemüse auch "zum Schutz vor Umwelteinflüssen" in Plastikfolie verpackt. Das entspreche den Erwartungen vieler Kunden an die Hygiene von Lebensmitteln. Verpackungsexperte Sadlowsky sieht das anders: Obst und Gemüse werden vor dem Verzehr in der Regel gewaschen oder geschält. Aus hygienischen Gründen sei eine Plastikverpackung deshalb nicht erforderlich.

"Plastikfolien schützen vor Pestiziden"

Ein weiteres Argument des Handels: Plastikfolie verhindere, dass synthetische Pflanzenschutzmittel von Produkten aus herkömmlicher Landwirtschaft auf biologisch angebautes Obst und Gemüse übergehen. Zwei Argumente dagegen:

  • Viele Händler lagern biologisch und konventionell erzeugte Lebensmittel bereits heute in verschiedenen Behältern und trennen sie in der Auslage, sagt Professor Sadlowsky.
  • Viele Plastikfolien um Obst und Gemüse sind nach Ansicht des Umweltexperten Thomas Fischer perforiert und bieten daher keinen Schutz vor einer Kontamination mit Pestiziden.

Viele Käufer bevorzugen verpacktes Obst und Gemüse

Die meisten Plastikverpackungen um Obst und Gemüse sind nach Ansicht von Experten überflüssig. Dennoch greifen offenbar viele Kunden zu Lebensmitteln in Plastikfolie: "In vielen Märkten verkauft sich abgepackte Ware deutlich besser als lose Ware", schreibt Edeka. Mit dem Umweltschutzgedanken hat das nichts mehr zu tun, sagt Experte Thomas Fischer: "Diese unnötigen Verpackungen machen ein Bio-Produkt komplett unglaubwürdig."

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 01.08.2016 | 20:15 Uhr

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