Stand: 07.11.2014 18:00 Uhr  - 45 Min  | Archiv

Die Mär vom Naturprodukt Pelz

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Die Pelzbranche bewirbt Fell als angeblich nachhaltiges und naturnahes Material.

Im Vergleich zu Hochleistungs-Bekleidung aus Kunstfasern wie Fleece wird Fell von den Herstellern gern als authentisches Naturprodukt beworben. Was ist dran an dem Image? Mittlerweile produziert China weltweit die meisten Felle. Für ihre Doku "Die Wahrheit über Pelz" hat sich Antonia Coenen in einem der chinesischen Zentren für Fellproduktion umgesehen.

Rund um die Chongfu Town in der Nähe von Shanghai ist der größte Rohfellmarkt Chinas mit mehr als 1.000 Fabriken entstanden. Dort gibt es auch Hunderte von Gerbereien und Färberein. Die schnelle Entwicklung bereitet der Kleinstadt jedoch Schwierigkeiten. Die Fabriken führen ihr Abwasser nicht sorgfältig ab, sodass das Grundwasser extrem verschmutzt ist. Umweltbestimmungen werden hier von den wenigsten eingehalten.

Beim Gerben entsteht gefährliches Chrom VI

Beim Haltbarmachen von Tierhaut kommen alle möglichen Chemikalien - Salze, Lösungsmittel und Farbstoffe - zum Einsatz. In China wird mit Chrom gegerbt. Die Verwendung von Chrom III-Salzen für die Verarbeitung der Pelze gilt zunächst einmal als gesundheitlich unbedenklich. Damit daraus nicht durch falsche Dosierungen das gefährliche Chrom VI entstehen kann, gibt es in Ländern wie Deutschland anders als in China jedoch strenge Vorschriften. In China werden die verschiedenen Zusätze aber oftmals nach "Gutdünken" zusammengesetzt. So kann gefährliches Chrom VI entstehen. Der Stoff löst neben Nickel und Duftstoffen die meisten Kontaktallergien in Deutschland aus.

Schadstoffe auch in fertigen Pelzprodukten

Arbeiter und die Umwelt in China zahlen offenbar einen hohen Preis bei der Produktion von Pelzen. Lassen sich Rückstände der Chemikalien auch in der in Deutschland verkauften Kleidung nachweisen? Modefirmen und Pelzfabrikanten haben gegenüber der 45 Min Autorin Antonia Coenen behauptet, es existierten Schadstoffuntersuchungen und Zertifikate. Die Belege durfte sie nicht sehen.

Rückstände von Formaldehyd nachgewiesen

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Giftiger Pelz

Untersuchung über Schadstoffbelastung im Auftrag von Vier Pfoten, Pressemeldung und Studie. extern

Eine Studie, die die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" 2011 in Auftrag gegeben hatte, hat beunruhigende Ergebnisse zutage gebracht. Das Bremer Umweltinstitut hat für die Untersuchung 50 Pelzproben von Hunden, Füchsen und Waschbären auf gesundheitsgefährdende und umweltrelevante Rückstände überprüft. In fast allen Proben konnte Formaldehyd nachgewiesen werden, das als krebserregend und allergieauslösend gilt. "Das kann schon bei sehr geringen Konzentrationen zu Reizerscheinungen der Schleimhäute führen", erklärt Ulrike Siemers vom Bremer Umweltinstitut. "Wir haben 550 Milligramm pro Kilogramm in fast allen Produkten gefunden. Das ist aus unserer Sicht schon eine erhöhte Konzentration."

Verwendung von in Deutschland verbotenem DDT belegt

Nachweisen konnte das Labor zudem Alkylethoxylate, die zu den nichtionischen Tensiden gehören. Die Stoffe werden zum Entfetten, Waschen und Reinigen der Felle verwendet. Sie haben eine starke Wirkung auf Wasserorganismen und gelten als giftig für Fische. Außerdem hat das Bremer Umweltinstitut eine hohe Konzentration des Insektizids DDT festgestellt. In Deutschland ist das Mittel verboten.

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"Pelz ist für mich kein Naturprodukt", sagt Ulrike Siemers vom Bremer Umweltinstitut.
Umwelt, Arbeiter und Kunden zahlen hohen Preis für angebliches Naturprodukt

Das Fazit von Ulrike Siemers: "Pelz ist für mich kein Naturprodukt. Ein richtiges Naturprodukt sollte eigentlich mit möglichst wenigen Chemikalien behandelt sein und auch der Ursprung sollte deutlicher zu erkennen sein." Neben den Haltungs- und Tötungsbedingungen für die Zuchttiere in China, gefährdet die Pelz-Produktion also die Umwelt und die Arbeiter in den Fabriken. Zudem ist das fertige Kleidungsstück gesundheitlich auch für die Kunden nicht ganz unbedenklich.

Informationen zur Sendung
45 Min

Die Wahrheit über Pelz

02.11.2015 22:00 Uhr
45 Min

Fell-Bommel, Fell-Kragen, Fell-Futter - Pelz sieht man wieder überall. Der Modetrend wird gern verharmlost. Doch welche Folgen hat er für Pelztiere, Umwelt und die Kunden? mehr

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 02.11.2015 | 22:00 Uhr