Kosmetiktiegel liegen mit neben Deko auf einem Tisch © picture alliance Foto: Zoonar Dasha Petrenko

Naturkosmetik: Auf welche Siegel ist Verlass?

Stand: 03.09.2021 11:16 Uhr

Hersteller von Pflegeprodukten werben für ihre Artikel zunehmend damit, natürlich und ökologisch zu sein. Doch die nachhaltigen Versprechen auf der Verpackung werden nicht immer gehalten.

von Saskia Engels und Anneke Müller

Nachhaltigkeit liegt im Trend. Viele Hersteller wissen das und geben ihren Haut- und Haarpflegeprodukten ganz bewusst einen "natürlichen Anstrich". Sie nutzen grüne Verpackungen oder werben mit "natürlichen Inhaltsstoffen", "natürlichen Extrakten", "bio" oder "frei von Mikroplastik". In Fachkreisen wird diese Art der Produktwerbung als Greenwashing bezeichnet. Besonders bei abwaschbaren Produkten wie Duschgels oder Haarshampoo setzen die Hersteller immer häufiger auf ein nachhaltiges Image. Doch nicht alles, was grün daherkommt, ist wirklich natürlich. Viele Produkte enthalten trotzdem synthetische Inhaltsstoffe. Diese können die Hautbarriere schwächen und sie damit anfälliger für Schadstoffe machen, hormonell wirken oder im schlimmsten Fall sogar krebserregend sein.

Naturkosmetik kein geschützter Begriff

Körperpflege-Produkte werden durch Inhaltsstoffe wie Blüten, Blätter und Pflanzenextrakte nicht automatisch zu einem echten Naturprodukt. Denn der Begriff Naturkosmetik ist gesetzlich nicht geschützt. Häufig kommt in "natürlichen" Gels, Cremes oder Lotionen auch Chemie zum Einsatz. Zertifizierte Naturkosmetik-Produkte können Verbrauchern an Siegeln wie Natrue, EcoCert oder Cosmos (BDIH) erkennen.

Tricks mit Naturkosmetik

  • Einige Hersteller werben auf der Verpackung zum Beispiel mit Inhaltsstoffen wie Olivenöl, Milch oder Granatapfel, obwohl nur Spuren davon enthalten sind.

  • Einige Hersteller werben mit selbst gemachten Siegeln. So kann bei Verbrauchern der Eindruck entstehen, es handele sich um zertifizierte Naturkosmetik.

  • Eine Werbung wie beispielsweise "95 Prozent Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs" ist nicht sehr aussagekräftig: In diese Berechnung wird der Wasseranteil des Produkts miteinbezogen. Dieser kann – je nach Produktart - bei bis zu 90 Prozent liegen.

  • Einige Hersteller schreiben auf, was alles nicht enthalten ist, zum Beispiel "ohne Parabene", "ohne Mineralöle" und "ohne Konservierungsstoffe". Allerdings kommen die wenigsten Produkte tatsächlich ohne Chemie aus. Die Hersteller nutzen oft unbekanntere Inhaltstoffe, die die gleiche Wirkung haben – auf die Verbraucherinnen und Verbraucher aber weniger abschreckend wirken als bekanntere Stoffnamen.

  • Statt herkömmlicher Konservierungsstoffe werden oft Ersatzstoffe wie Caprylyl Glycol und Ethylhexylglycerin verwendet. Sie wirken konservierend, müssen aber nicht als Konservierungsstoff deklariert werden.

Naturkosmetik: Siegel im Vergleich

Für Naturkosmetik verwenden Hersteller in Deutschland am häufigsten die Siegel Natrue und Cosmos (BDIH):

Das Natrue-Siegel wurde von Naturkosmetik-Herstellern entwickelt, um sich von Produkten abzuheben, die nur Anteile an pflanzlichen Ölen und Auszügen enthalten. Natrue-zertifizierte Kosmetik darf keine Mineralöle, Silikone, synthetischen Duftstoffe oder Konservierungsstoffe wie Parabene enthalten. Außerdem darf das Siegel nur Produkte kennzeichnen, die ohne Tierversuche hergestellt wurden. Rohstoffe von toten Wirbeltieren, zum Beispiel Nerzöl, sind verboten.

Ähnliche Kriterien erfüllen Produkte mit dem BDIH-Siegel. Die Abkürzung steht für Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel. Seit 2017 trägt das Siegel den Zusatz "Cosmos Natural" oder "Cosmos Organic" und kennzeichnet Naturkosmetik in Bio-Qualität. Die internationalen Standards für das Siegel hat der BDIH gemeinsam mit den europäischen Naturkosmetik-Siegeln Ecocert, Cosmebio, ICEA und Soil Association entwickelt:

  • Pflanzliche Rohstoffe müssen aus biologischem Anbau stammen und dürfen nicht gentechnisch verändert sein.
  • Tierversuche und Rohstoffe von toten Wirbeltieren sind nicht erlaubt.
  • Chemisch-synthetische Stoffe wie Paraffine, Erdölprodukte, Silikone, synthetische Duftstoffe oder organisch-synthetische Lichtschutzfilter dürfen nicht verarbeitet werden.
  • Bei Konservierungsstoffen gibt es Einschränkungen.

Naturkosmetik mit allergieauslösenden Inhaltsstoffen

Dass Naturkosmetik keine synthetischen Inhaltsstoffe enthält, bedeutet allerdings nicht, dass sie besser verträglich ist. Auch sie kann Allergien auslösen. Besonders bei Duftstoffen sollten Menschen mit sensibler Haut genau hinschauen. Das Tückische: Manchmal sind Duftstoffe nur schwer zu erkennen, weil sie nur als Parfum auf der Verpackung deklariert sind. Allerdings gibt es Stoffe wie Geraniol oder Limone, die von der EU-Kommission als stark allergieauslösend eingestuft sind. Diese müssen ab einer Konzentration von 0,01 Prozent auf der Verpackung ausgewiesen werden.

Schädliche Inhaltsstoffe per App erkennen

Ob ein Pflegeprodukt chemische Inhaltsstoffe oder allergieauslösende Duftstoffe enthält, können Verbraucherinnen und Verbraucher auch mit der kostenlosen Smartphone-App Code Check herausfinden. Dazu einfach mit der App den Strichcode des Produkts fotografieren. Sofort erscheint auf dem Display die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe sowie eine Beschreibung der potenziellen Gesundheitsrisiken. Auch der BUND Deutschland entwickelt zurzeit eine App, die Schadstoffe in Pflegeprodukten erkennt. Bisher liefert die ToxFox-App hauptsächlich Informationen zu hormonellen Schadstoffen.

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